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Geschrieben von HerrSchmeichler am 10.09.2023 um 13:12:
Erzähler und Erzählerinnen
Vorneweg: Das soll jetzt eigentlich nicht in eine große, politische Gender-Debatte ausarten. Falls doch, tut's mir leid
Ich habe kürzlich mal wieder in die Pizzabande Hörspiele von Europa reingehört und festgestellt, dass Judy Winter dort die Erzählerin ist. Mir fallen spontan keine anderen Hörspiele ein, dabei denen eine Frau die Rolle des Erzählers übernimmt, es sei denn, die Geschichte wird aus der Sicht der weiblichen Hauptfigur erzählt. (Bei Dragonbound haben sie interessanterweise eine Kombination aus beidem gemacht.)
Gibt es noch weitere Beispiele?
Was meint ihr, warum klassischerweise eine männliche Stimme für den Erzähler gewählt wird?
Könntet ihr euch vorstellen, dass es bei den großen Serien hier im Forum wie Bibi, TKKG, ??? usw. mal eine Erzählerin geben könnte?
Ich selbst äußere mich dann später dazu, wenn ein paar Meinungen eingetrudelt sind
Geschrieben von Janni am 10.09.2023 um 13:20:
Bei der kurzen Serie Potz Blitz, die Zauberakademie war Judy Winter auch Erzählerin.
Bei Bibi erzählt, Finds raus mit Benjamin und Kira haben wir ja eigentlich auch Erzählerinnen, wenn auch in ihren Rollen.
Und bei "Heff der Chef".
Bei Gruselkabinett wechselt es ja, da gibt es dann auch mal Erzählerinnen.
Die größte Serie mit einer Erzählerin, die mir einfällt, ist "Die kleine Schnecke Monika Häuschen". Da ist Monica Deininger seit den 50er-Folgen die Erzählerin. Inzwischen also auch seit fast 20 Folgen.
Leider großteils sehr kurze Serien.
Geschrieben von Myrath am 10.09.2023 um 13:53:
Prinzipiell ja. In der Praxis gibt es aber wenige Erzählerinnen, denen man gut zuhören kann, imho. Das gilt nicht für Sprecherinnen allgemein, aber ein Sprecher muss noch etwas Bestimmtes zusätzlich haben, um ein guter Erzähler zu sein. Das kann man oft in alten Europa-Hörspielen hören, wenn Sprecher Erzählerparts übernehmen und dann plötzlich ganz anders rüberkommen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass zum Beispiel Gottfried Kramer, so genial er als Sprecher ist, eher durchschnittlich als Erzähler war. Umgekehrt ist Günther Dockerill als Erzähler genial, sticht aber als Sprecher manchmal eher heraus, so dass es sich seltsam anhört. Ein Beispiel wäre im weinenden Sarg.
Ein Faktor ist die Stimmtiefe. Ich persönlich kann einer hellen, vielleicht eher schneidenden Stimme nicht auf Dauer zuhören, während tiefe Stimmen dem Ohr angenehmer sind. Da hätten wir es wieder, Tobias Pagel ist ein hervorragender Sprecher, aber als Erzähler wäre er wohl fehlbesetzt. Dementsprechend haben Nachrichtensprecherinnen oder Navi-Ansagerinnen auch immer eher tiefe und/oder raue Stimmen.
Ein anderer Faktor ist die Sprechweise. Als Erzähler muss man einen "Erzählton" draufhaben, und das haben Frauen aus irgendeinem Grund eher selten, keine Ahnung warum. Klar, Gisela Trowe hat das bei Tom und Locke hinbekommen. Aber Hans Paetsch ist nicht umsonst der Märchenonkel der Nation. Einerseits knarzt sein Bass einen so angenehm hinüber in die Märchenwelten, andererseits hat er einfach diesen Duktus drauf, mit dem er auch das Telefonbuch vorlesen könnte.
Also klar, Frauen können und dürfen das auch, keine Frage. Ich fand auch zum Beispiel die Erzählerinnen in der TSB-John Sinclair Serie super. Aber es wundert mich nicht, dass die Verteilung allgemein eher in Richtung der Männer ausschlägt.
Eine Gender-Debatte sehe ich da überhaupt nicht
Und die Frage, ob man einen Mann durch eine Frau ersetzt, ist insofern falsch gestellt imho.
Geschrieben von Chantal-Marie am 10.09.2023 um 13:56:
Also tatsächlich ist es mir ziemlich egal, welches Geschlecht da jetzt der Erzähler ist. In den Barbie Hörspielen zum Film gibt es auch eine Erzählerin, weiß allerdings nicht, ob das in allen Hörspielen so ist.
Dass allgemein männliche Erzähler eingesetzt werden ist mir aber auch schon aufgefallen. Vielleicht haben eher Männer diese typische dunkle Erzählerstimme? Keine Ahnung. Andererseits fand ich die weiblichen Erzähler bisher genauso passend. Würde mich auch freuen mehr weibliche Stimmen zu hören
Geschrieben von MihaiEftimin am 10.09.2023 um 15:04:
Hätte ich prinzipiell kein Problem mit.

In der Gruselstunde von Xantho Audio gibt es ebenfalls eine weibliche Erzählerin, Judith Lindebaum, und ich persönlich kann ihr beim Erzählen astrein zuhören.
Die möglichen Gründe, warum das Erzählen in Hörspielen eher eine Männerdomäne ist, wurden ja schon genannt. Eine typische Erzählerstimme ist zumeist eher dunkel und tief, teilweise auch sonor oder rau, und solche Stimmen sind halt eher unter Männern zu finden. Natürlich gibt es auch Stimmen wie Judy Winter, aber die dürften eher die Ausnahme sein. Vielleicht würde man unter Hörbuchsprecherinnen noch eine geeignete Stimme als Erzählerin finden, z.B. Andrea Sawatzki? Der Sache würde ich jedenfalls durchaus eine Chance geben.
Geschrieben von Chantal-Marie am 10.09.2023 um 15:24:
Martina Treger könnte ich mir auch sehr gut vorstellen
Geschrieben von Myrath am 11.09.2023 um 18:36:
Ich persönlich habe das übrigens auch bei Hörbüchern. Wenn eine Frau liest, fällt es mir meistens schwerer, in den "flow" einzusteigen, beim Hören 😕
Nicht immer und nicht absolut, aber oft.
Geschrieben von HerrSchmeichler am 12.09.2023 um 17:03:
Danke für die Ergänzungen, wo noch Erzählerinnen eingesetzt wurden! Mehr als ich erwartet habe.
Um meine eigene Frage zu beantworten:
Ich sehe es wie die Mehrheit und könnte mir grundsätzlich auch mehr Erzählerinnen vorstellen, wenn diese eine entsprechende Stimme und Sprechweise haben. Dass man doch öfter Männer in dieser Position hört, könnte vielleicht wirklich an den sonoren Stimmen liegen, die dafür einfach sehr gut passen, weil sie sich von den Figuren dann gut abheben.
Einen Wechsel zu einer Erzählerin sehe ich aber bei den großen Serien auch eher nicht. Gerade bei Bibi und Benjamin ist der Erzähler ja auch eine eigene Persönlichkeit, die sich über all die Jahre nicht verändert hat, auch wenn der Sprecher mittlerweile ein anderer ist.
Franziska Pigulla hätte auch eine tolle Erzählerin abgeben können.
Geschrieben von Mikosch373 am 16.10.2023 um 15:15:
So, dann will ich mich auch mal zur Debatte äußern. Ich persönlich kann mir eine Erzählerin genauso gut vorstellen wie einen Erzähler. Ich sehe den Grund dafür, dass es mehr Erzähler als Erzählerinnen gibt, auch eher in den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft. Männer werden bevorzugt und Männern hört man eher zu.
Wenn ich mich richtig erinnere, hat eine britische Studie vor ein paar Jahren sogar nachgewiesen, dass Männer beim Verstehen von Frauenstimmen Probleme haben, weil die weibliche Stimme komplexer ist. Es werden im männlichen Gehirn also andere Hirnbereiche aktiviert, wenn Frauen sprechen.
Das bedeutet für mich aber nicht, dass Frauen ungeeigneter wären zu erzählen. Für mich ist jeder und jede dafür geeignet, Erzähler oder Erzählerin zu sein. Aber da man sich in der Vergangenheit eben viel zu häufig Männern bedient hat, hat sich eine gewisse Erwartungshaltung herausgebildet.
Diese typische Erzählstimme, von der ihr alle sprecht, beruht nur darauf. Wären in den Hörspielen, die wir alle als Kinder gehört haben, vorwiegend Frauen mit hohen, klaren Stimmen als Erzählerinnen eingesetzt worden, würdet ihr die typische Erzählstimme wahrscheinlich als hoch und klar beschreiben.
Dass bei Bibi, Benjamin und Bibi & Tina eine weibliche Erzählerin eingesetzt wird, kann ich mir nicht vorstellen. Erwin Erzähler ist ja eine richtige Figur und man hat sich bei Gunter Schoß so sehr bemüht, einen gleich klingenden Sprecher zu finden, da wird man in der Zukunft wohl kaum jemanden nehmen, der sich völlig vom alten Erzähler abhebt.
Bei den drei Fragezeichen kann ich mir tatsächlich eine Erzählerin vorstellen. Die Rolle des Erzählers ist ja nicht mehr auf Alfred Hitchcock beschränkt und es würde einen guten Ausgleich zu den drei Hauptsprechern bieten. Aus demselben Grund kann ich mir keine Erzählerin bei Hanni & Nanni vorstellen.
Geschrieben von GenerationMartinshof am 16.10.2023 um 15:54:
Ich habe da vor Kurzem sogar noch mit
@Basti und
@Mangobanane drüber gesprochen. Bei Kira erzählt Kira ja selbst, somit ist hier ja sogar eine Erzählerin am Start. Wir kamen glaube ich auf das Thema, weil Elea ja neu aufgelegt wird und ich gesagt habe, ich fände es cool, wenn es eine Erzählerin wäre statt einem Erzähler.
Wenn ich mich recht erinnere, waren wir uns auch alle drei einig, dass das Geschlecht im Endeffekt egal ist, solange die Person ihren Sprech-Job gut macht.
Geschrieben von Holger am 16.10.2023 um 16:44:
Auch bei der Reihe "Erzähl mr was" waren ein paar weibliche Erzählerinnen dabei: Maria Schell, Monika Peitsch, Renate Pichler oder Rosemarie Fendel.
Und im Fernsehen hört man bei Dokumentationen und Reportagen auch oft weibliche Sprecherinnen: Hansi Jochmann zum Beispiel, oder auch die unvergessene Franziska Pigulla.
Geschrieben von Myrath am 16.10.2023 um 18:24:
Hansi Jochmann kann ich mir nicht anhören 🙄
Pigulla klingt gut, wenn sie weniger rumkrakeelt, imho.
Monika Peitsch hat eine perfekte Erzählerinnen-Stimme. Renate Pichler auch.
Gut, das Patriarchats-Fass kann man meinetwegen auch gerne zu lassen
Geschrieben von Holger am 16.10.2023 um 18:52:
Nun sind ja leider einige der genannten Sprecherinnen nicht mehr unter uns.
Aus der Generation der 5F, ??? und TKKG-Sprecher sollte es aber auch Frauen geben, die in Frage kommen.
Nur bei "neueren" Sprechern kenne ich mich leider nicht mehr so wirklich gut aus. Jedenfalls stechen da oft weniger SprecherInnen raus (männlich wie weiblich).
Geschrieben von Andromeda am 16.10.2023 um 20:21:
Bei der Edition 2000 von John Sinclair ist Alexandra Lange eine absolute Bank. Sie hat eine nicht zu tiefe aber sehr angenehme Stimme, die es schafft, selbst aus belangloseren Szenen ein enormes Spannungspotenzial herauszuholen. Sie ist bei John Sinclair mit kleinem Abstand vor Joachim Kerzel und großem Abstand vor Wolfgang Pampel meine Favoritin.
Ich empfinde vor allem jüngere Erzähler und Erzählerinnen meist stimmlich als zu wenig einprägsam. Peter Buchholz mit 24 Jahren bei den EUROPA-Originalen Krieg im All bringt einfach nicht das angenehme und tiefere Timbre einer gesetzteren Sprecherpersönlichkeit. Aber ich möchte damit natürlich nicht ausschließen, dass mir jüngere Erzählende gefallen könnten. Richtig gute Erzähler und Erzählerinnen sind einfach rar. Alexandra Lange ist ein Positivbeispiel, inwiefern sie bei Serien ohne Gruselmomente funktioniert, ist wieder eine andere Frage. Manche Erzählende funktionieren in manchen Genres besser als in anderen. Lutz Mackensy empfand in der neusten Gruselserien-Folge als ziemlich blass, während er bei den Fünf Freunden perfekt funktioniert.
Geschrieben von Chantal-Marie am 16.10.2023 um 20:57:
| Zitat von Mikosch373: |
| Ich sehe den Grund dafür, dass es mehr Erzähler als Erzählerinnen gibt, auch eher in den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft. Männer werden bevorzugt und Männern hört man eher zu. |
Interessanter Weise kommt man sehr oft zu dem Ergebnis, wenn man dann weiter denkt
Geschrieben von HildaW am 07.04.2024 um 17:46:
Eine weitere Serie mit einer Frau als Erzählerin: "Regina Regenbogen" hatte Ursela Monn als Erzählerin.
Mir ist es egal, welches Geschlecht ein Erzähler hat. Es gibt Stimmen, die mag ich und welche, die mag ich nicht, unabhängig vom Geschlecht. Bei Hörbüchern bevorzuge ich allerdings weibliche Stimmen, bin allerdings selbst da noch sehr wählerisch, wer mich in den Schlaf lesen darf.
Geschrieben von Murphy am 07.04.2024 um 18:59:
Die erste Erzählerin im deutschen Hörspiel-Bereich war vermutlich bei Mopsy Mops aktiv in einer Folge.
Kennt jemand von euch Mopsy Mops? Es handelt sich um verhörspielte Comics. Also Hörspiele mit Humor. Ich bin, wie ihr sicher euch denken könnt, total begeistert von Mopsy Mops.
Geschrieben von hörspielfan am 09.04.2024 um 08:42:
In den Mumin-Hörspielen von 1980 (es gibt mehrere Hörspielserien von den Mumins) ist Uta J. Wilke die Erzählerin.
Geschrieben von City_Uhu am 09.04.2024 um 11:26:
Ja, klar.
Bei den alten John Sinclair vom Tonstudio Braun war Maianne Mosa für mich die beste Erzählerin ever.
Mit Judy Winter bei der Pizza Bande find ichs auch passend.
Wenn in 'Locke' Kerstin Draeger, Ingeborg Kallweit oder Gisela Trowe erzählen, auch mega.
Geschrieben von Holger am 09.04.2024 um 14:44:
Bei "Scotland Yard" mag ich auch Gerda Maria Jürgens (Granny Josephine Summerstick) als Erzählerin (in den Folgen ohne Freddy Quinn).
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