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Geschrieben von Info-Box am 10.01.2026 um 13:03:
004 - Kartoffelsalat und kalte Füße oder Die Knatterbande
Geschrieben von HerrSchmeichler am 13.01.2026 um 15:12:
Kartoffelsalat und kalte Füße oder Die Knatterbande
In Sommerberg sorgt eine Gruppe von Jugendlichen auf Mopeds für Wirbel, doch die Pizza-Bande interessiert sich viel mehr für THs Entdeckung: Eine geheime Höhle im Steinbruch. Begeistert ernennen sie diese zu ihrem neuen Treffpunkt, geraten dabei aber doch immer wieder mit den Rowdies zusammen…
Achtung, Spoiler!
In dieser Folge geht es vor allem um das Thema Vorurteile: Herr Knopfloch hat Vorurteile über „die Jugend von heute“, Frau Seelmaier hat Vorurteile über Ausländer und Tommi schert alle Mitglieder der Moped-Bande über einen Kamm. Schön (und realistisch), dass hier auch Mitglieder der Pizza-Bande nicht ausgenommen sind und auch ihnen der Spiegel vorgehalten wird. Zudem wird das Thema Fremdenfeindlichkeit in dieser Folge aufgegriffen und mit einer wirklich gut geschriebenen Szene mit Tommis Vater kindgerecht besprochen.
Rein inhaltlich betrachtet fühlte ich mich ein bisschen an die Folge „Das Paradies der Frösche“ erinnert: Die Kinder finden einen tollen Treffpunkt in einem Steinbruch/einer Kiesgrube und bekommen es mit einer Gang zu tun. Deren Mitglieder sind hier allerdings nicht im gleichen Alter, sondern schon etwas älter (wohl 15, während die Mitglieder der Pizza-Bande um die 12 Jahre alt sind, wie wir in dieser Folge erfahren) und eine direkte Rivalität gibt es auch nicht. Tatsächlich sind zwei der Mopedfahrer ziemlich freundlich. Trotzdem sorgen sie für das Verbrechen in dieser Folge: Es wird aus Rache in einem Kiosk eingebrochen und Zigaretten geklaut, was Schräubchen beobachtet. Mir gefällt, dass sie erst nicht so recht weiß, wie sie mit der Situation umgehen soll. Überhaupt ist es eine Schräubchen-Folge (Ich liebe es, wie sie Herrn Knopfloch zurechtweist und nach Frau Seelmaiers Schimpftirade direkt den Laden verlässt 😊 ), wobei auch die anderen Figuren nicht zu kurz kommen und alle ihre Momente haben.
Ich mag sehr, wie sich die Geschichte aufbaut, denn die Handlungsstränge (Höhle, Moped-Bande und Herrn Knopflochs Beschwerde) entwickeln sich nach und nach, ohne dass es gezwungen oder aufgesetzt wirkt. Mir gefällt auch, dass Tommis Schwester Nele mal außerhalb der Pizzeria auftaucht und am Ende tatsächlich sogar etwas zur Handlung beitragen darf (ein Novum in der Reihe!). Die Szene, in der die Jungs mit den Mädchen flirten ist ziemlich witzig. Überhaupt fragt man sich bei manchen Dialogen in dieser Folge, ob hier heimlich Stefan Wolf unter Pseudonym mitgeschrieben hat. Zumindest die Sprüche in Bezug auf Tommis Beleibtheit (die vorher noch nie erwähnt wurde) und Vorliebe für Schokolade (die ebenfalls nie erwähnt wurde), erinnert in manchen Momenten an Willi von TKKG und wirkt hier schon recht bissig und unnötig (Erzählerin: „Für ihn [Tommi] muss die Öffnung noch ein bisschen erweitert werden.“)
Als das Gewitter einsetzt (was in Sommerberg ziemlich oft zu passieren scheint), steigt nicht nur der Wasserspiegel in der Höhle, sondern auch die Spannung. Hier gibt es viele schnelle Szenenwechsel zwischen Höhleninneren und Draußen, Lagebesprechung der Eltern in der Pizzeria, zurück zur Höhle… Da erreicht die Handlung ein fast schon sogartiges Tempo. Dadurch hat die Folge auch wieder viel Abenteuer-Flair.
Die Sprechleistung ist sehr gut, so konstant wie vielleicht in keiner anderen Folge vorher. Pascal Breuer als Krake schafft es, die Wandlung seiner Figur glaubhaft darzustellen und hat im Schauspiel Momente, in denen er mich ein bisschen an Jens Wawrczeck erinnert. Manou Lubowski ist wie gewohnt gut und Oliver Grimm (bei dem ich mir sehr sicher bin, dass er hier eine Doppelrolle als Polo und Herr Knopfloch hat) gelingt es, die Rollen klar zu trennen. Selbst die neue Sprecherin von Schräubchen, die hier gleich einiges an Text bekommt, spielt die Rolle sehr gut. Etwas schade nur, dass ich jetzt doch manchmal zweimal überlegen muss, welches der beiden Mädchen spricht (Eselsbrücke: Schräubchen hat jetzt, anders als vorher, die etwas höhere Stimme). Bei den beiden Jungen hört man, dass seit der Aufnahme der letzten Folge etwas Zeit vergangen ist, denn sie sind beide im Stimmbruch und klingen im Vergleich tiefer, allerdings leider auch ähnlicher als zuvor.
Das Cover zeigt eine Szene, die erst zum Ende des Hörspiels kommt: Die Pizza-Bande buddelt in der Höhle mit Brettern im Schlamm, während Krake von draußen durch eine Öffnung hineinschaut. Hinter ihm ist in der Ferne Millis Hund Moritz zu sehen.
Das Motiv finde ich nicht so schön, weil die gelb-braune Matschmasse in der Höhle kein schöner Anblick ist, und außerdem nimmt es ein wenig das Ende der Folge vorweg. In Anbetracht der Lage sieht Krakes Gesichtsausdruck zu fröhlich und entspannt aus. Schade auch, dass Schräubchen hier im Hintergrund ist, wo sie sonst in der Folge im Fokus steht. (Dafür steht sie bei anderen Covern im Mittelpunkt, obwohl es dort nicht nötig gewesen wäre…) Handwerklich ist es eigentlich gut gemacht (besonders Milli ist wieder gut gelungen), aber nach „Der Priester mit den roten Schuhen“ vielleicht das Cover, welches mir am wenigsten zusagt (und das hat zumindest Wiedererkennungswert und weckt Neugier).
Fazit:
Ich tue mich mit der Bewertung etwas schwer, denn es gibt viele Aspekte, die mir extrem gut gefallen (die Themen und Botschaften, Krakes Wandlung, das Setting mit der Höhle) und manches, was mir nicht so gut gefällt (die Witze auf Tommis Figur und die etwas aggressive Stimmung, die sich mit Herrn Knopfloch und den ersten Auftritten der Moped-Bande besonders durch die erste Hälfte des Hörspiels zieht). Während sich die meisten anderen Folgen hauptsächlich in der Stadt oder der Natur abgespielt haben, gelingt dieser Folge eine schöne Balance zwischen beiden Bereichen, weshalb ich sie letztlich doch sehr gut geschrieben finde.
9 von 10 Punkten
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