Geschrieben von Maybe am 20.07.2013 um 18:12:
Rezension zur Hörspielfolge 119
„als Busfahrer“
(Enthält Spoiler und unerhörten Sarkasmus!)
„Heute waren Sie so pünktlich, Herr Blümchen, da hab‘ ich glatt den Bus verpasst.“
Oder: Trösterelefant auf Überholspur mit Hang zur Unpünktlichkeit
Das Cover:
Strahlegesichter im Einklang mit der Busfahrtechnik. Stella schwingt eine Rede, Otto freut sich und Benjamin schielt auf den Schlüssel, der ihn ins Busfahrparadies führen wird. Der orangefarbene Schulbus linst heimlich von hinten auf die Helden und freut sich, denn er wird Protagonist in der Folge sein. Auf dem Bild ist nicht viel zu sehen, aber gerade so viel, dass man weiß, worum es geht. Ums Busfahren eben, nicht wahr? Schön, dass man aber so noch nicht ahnt, dass eigentlich noch mehr passiert. Aber wer ist eigentlich der Schlüsselträger auf dem Bild?
Zur Geschichte + Meine Meinung:
Wenn unserem Benjamin langweilig ist, fängt er an, mit sich selbst zu reden. Als einziger sprechender Elefant der Welt sollte man das auch tun, ganz klar. Und wenn Klugscheißerchen Otto und Eisbombe Stella mal gerade nicht da sind, die Affen Turnstunde haben, die Tiger ihre Streifen frisch lackiert bekommen und alle anderen Menschen und Tiere mal ein paar Minütchen Ruhe vor Benjamin Selbstgesprächler haben wollen, dann tummelt sich der große Dickhäuter eben in seinem Elefantenhäuschen und überlegt, was er denn tun kann. Fressen und schlafen hat er ja schon die letzten zwanzig Stunden lang, und jetzt? Er macht einen Purzelbaum und kugelt sich herum. Findet aber alles schrecklich langweilig. Wie gut, dass dann von ungefähr gleich mal Otto und Stella daherkommen. Benjamin versteckt seinen Rüssel rasch im Sand und tut so, als wäre er unsichtbar, aber es bringt nichts, Otto und Stella kommen trotzdem, um wieder zu nerven.
Kinder, ey…
Schnell setzt Benjamin sein breitestes Elefantenpokerface auf und staunt darüber, dass seine zwei Lieblings-Nervzellen denn die Schule schwänzen. Böse böse. Aber Otto und Vanilleeis klären ihn sofort auf, dass der Schulbusfahrer krank ist. Tja, und in Neustadt ist das so, dass, wenn ein Schulbusfahrer erkrankt, einfach alle kleinen Racker zu Hause bleiben dürfen. Cool, oder? Natürlich gibt’s auch keinen Ersatz. Die sind nämlich auch alle krank. Na na, wenn das mal mit rechten Dingen zugeht… Unser Streberchen Otto findet das natürlich super mega doof, dass Mr Schulbus krank ist, weil: „Das ist total schade. Wir machen gerade total spannende Sachen im Unterricht.“ Ach, gibs doch zu, Otto. Du willst dich doch nur in ein tolles Licht rücken, damit die 3-Jährigen vor den CD-Playern dich für super schlau halten und dich als Vorbild nehmen. Klappt nicht, du Knalltüte, wir wissen nämlich längst, dass du dich seit einer gewissen Zeit am liebsten mit liebevollen trotteligen Elefanten sowie pappige Eistüten zusammen bist, damit du als der Klügste dastehst.
Benjamin Berufeelefant findet das natürlich auch voll schade. Er macht zwar gerade keine spannenden Sachen im Unterricht, aber Lust, den Bus zu fahren, hat er natürlich schon. Also düsen die drei zur Schulleiterin und überreden sie schleimig wie eine Ölspur, dass Benjamin ja der netteste Elefant ist und das sowieso alles kann. Als Beweis bekommt die gestrenge Frau Lilienbein dann auch noch die über hundert anderen Benjamin-Folge per MP3-Player von ihnen überreicht, damit sie mal rein hört, wie toll der Benjamin das so kann mit dem Fahren von zu kleinen Wagen. Und alles andere natürlich auch. Die Rektorin verlangt aber keine Beweise, sondern lediglich PünktlichkeitundZuverlässigkeitjawohl!
Weil Benjamin also dann den Job bekommt, erforscht er mit Pumuckl-Haar-Otto und Himbeereis mit Soße, wie ein Bus denn so drauf ist. Sie finden schnell heraus, dass ein Bus vorne eine Tür hat, in die man einsteigen kann. Und hinten eine, wo man aussteigen kann (das ist das coolste!).
Wenn wir Otto nicht hätten, müssten wir übrigens leider an dieser Stelle auf folgenden grandiosen Einwurf verzichten:
Benjamin: „Wie kommt man denn rein in so einen Bus?“
Otto: „Die Tür kann man bestimmt aufschließen.“
Benjamin nimmt erst mal den halben Bus auseinander, als er versucht, sich hinein zu quetschen. Dabei zerschrottet er auch den Fahrersitz. Dass da auch keiner dabeisteht und zuguckt, wundert mich an der Stelle ja schon ein bisschen. Die Neustädter müssen entweder blind und frei von Sensationsgeilheit oder beides sein. Also ich würde mir das Schauspiel angucken und dabei grinsen.
Oder sind die das gewohnt, dass da ein Zweitonner irgendwelche Straßenverkehrsmittel auseinandernimmt? Also, ich weiß ja nicht…
Nun übernimmt Benjamin Fahrdienstelefant mit voller Zuversicht erst einmal eine Probefahrt. An seiner Seite natürlich Otto Schlaukopf, der eine grüne von einer roten Ampel unterscheiden kann und Stella Eisvergnügen, die die Kartenleserin mimt (Stellt euch mal Stellas Stimme im Navi vor *grusel*). Sie kurven mit ihrem GiGaGutelaunebus herum, besuchen schon mal die drei Kinderlein, die sie dann morgen auf dem Schulweg abholen werden, von denen mir der Zwerg namens Paul am besten gefällt. Knulliges Bürschchen, das sich erst weigert, mitzufahren, weil auf dem Bus nicht „Schulbus“ steht, sondern „Betriebsfahrt“. Benjamin stellt die Anzeige natürlich rasch auf „Betriebselefant inside- Mitfahren auf eigene Gefahr“ um und schon ist, schwupps, der nächste Tag und Benjamin muss, ohne jemals fahren gelernt zu haben (steckt ihm das alles eigentlich im Blut, sowas auf Anhieb zu können? Wenn ja, kann man Elefantenblut irgendwie zu sich nehmen? (Okay, das war nicht nett, Verzeihung)).
Der Bus, der extra nur für 3 Kinder gebaut wurde (ich wiederhole: 3! In Worten: DREI!), darf nun also mit Rüsselhein Benjamin losgurken. Dabei holen sie den knuffigen Paul ab, die Leonie, die total gestelzt spricht und schließlich Mia, die immer nur weint, weil die Eltern sich trennen. Wie gut, dass Benjamin, Otto und Eiswürfel die legendäre „Bus and Sing“-Band sind, denn sie haben eine ganze Reihe ultra entspannender Hits auf Lager. Ihr Kassenschlager ist das „A-Bus-is-very-lustig“-Lied, das seit Wochen ausverkauft in jedem Musikladen fehlt:
„Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt, die ist schön, denn da kann man Elefanten um die Kurve fahren sehen.“
Paul, seines Zeichen Schüler von der letzten Bank, erfindet zum guten Stück noch eine weitere Strophe, die da lautet:
„Unser Bus der ist zu spät, da muss man nicht so früh aufstehen.“ (Wenn er das jetzt auch noch schreiben kann, ist der echt gut!)
Denn was Benjamin sich da leistet, während er einer Umleitung trotzt und nicht das maximale aus der Busfahrgeschwindigkeit herausholt, ist echt unter aller Kanone: Er kommt zu spät. Und dabei gehörig einen von Frau Schuldirektorin auf den Busfahrdeckel.
Aber eine Benjamin-Folge wäre nicht eine Benjamin-Folge, wenn Benjamin nicht noch eine folgende Chance bekommen würde. Also schwingt er seinen Elefantenpo erneut auf den schrottreifen Fahrersitz und startet am nächsten Tag einen neuen Versuch.
Und was dann passiert, warum Benjamin sich als Tröstereule mit Rüssel entpuppt und sich eine extra Kuschelstunde während seiner Dienstzeit leistet, also… ich kann auch nicht immer alles verraten, das müsst ihr dann schon nachhören, okay?
Das Hörspiel bietet neben der eigentlichen Haupthandlung noch ein bisschen was nebenbei, was mir gut gefallen hat. Weil- nur dieses Herumkurven im Bus wäre auch zu langweilig gewesen.
Schön, dass Benjamin auch nicht alles richtig macht.
Besonders stark in der Folge waren wirklich Benjamin mit großen gelungenen Momenten sowie auch Karla, ganz klar. Otto und Stella sind gerade mal wieder gerade so zu ertragen und die Kinder musste man irgendwie auch mögen, obwohl ich Leonie echt kaum zuhören konnte, so furchtbar stelzig spricht sie. Aber gut, dafür waren die beiden anderen glaubwürdig.
Meiner Meinung nach einer der besseren neuen Folgen in der Sprechelefanten-Reihe.
Kann man durchaus auch noch einmal hören!
Highlights:
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Karla: „Wie kommen Sie denn hinter das Steuer?“
Benjamin: „Ganz einfach. Ich hab‘ mich hingesetzt.“
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Karla: „Wenn Sie nichts dagegen haben, schneie ich morgen nochmal vorbei.“
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Benjamin: „Aber nur, wenn Sie keinen Schnee mitbringen.“
- Benjamin Frühaustehelefant stellt sich drei Wecker, damit er nicht verschläft
- Karla muss erst mal einen Fahrschein ziehen, sonst darf sie nicht mitfahren (ganz schön dreist, Herr Buselefant!)
- Mias Vater sagt über Benjamin: „Er soll fahren und nicht sprechen!“ (Recht so!)
- Benjamin als Trösterelefant (schöne Szene)
- Karla, die heult und schnieft: „Karla, du Heulsuse!“ (schöne Szene!)
- Benjamin hupt und findet: „Oho- das klingt hübsch!“ (Oh man, Benjamin…)
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Otto: „Die Tür ist offen!“
Stella: „Zieh mal den Bauch ein!“ (äh, zu Benjamin natürlich *hihi*)
Fazit:
Gute Folge auf vier Rädern, die mit einer mal etwas dichteren Handlung daherkommt, als so manch anderes neues Hörspiel aus der Benjamin-Reihe.
Bewertung
4 von 5 Punkten.