Geschrieben von Mangobanane am 03.09.2024 um 09:31:
Bibi Blocksberg 091 - Maritas Geheimnis
„Ist das nicht gefährlich, Frau Oma Grete?“
„Papperlapapp, frisch ans Werk! Wir sind beide viel zu jung, um Angst zu haben!“
Ich muss ja zugeben, dass ich mich doch ein wenig auf die Folge freue. Die bodenständigeren Plots, von denen Bibi in letzter Zeit nicht allzu viele hatte, funktionieren für mich bei Bibi meist mit am besten, Freundschaftsstreitigkeiten als Thema mag ich auch oft und vielleicht bekommt Marita hier endlich mal mehr Profil. Obwohl ich nach dem Lesen des Klappentextes das Geheimnis ahne, bin ich gespannt, ob man hier wieder etwas mehr an Ulli Herzog anknüpfen kann.
Bei Marita hängt mal wieder etwas mehr die Streberin raus, als die sie damals eingeführt wurde. Das finde ich gut, weil sie ja sonst nicht allzu viele Attribute hat.
Dass Bibi Marita als ihre beste Freundin bezeichnet, dürften Moni und Tina aber gar nicht gerne hören. Ich dachte immer, man lässt das bei Bibi bewusst offen, weil sie eben mehrere enge Freundinnen hat.
Wozu man ein Geheimwort für Freundschaft braucht, kann mir sicherlich jemand erklären. Falls man mal verheimlichen will, dass man miteinander befreundet ist oder was?
Marita sieht Stefan, redet mit ihm - und hat plötzlich ein Geheimnis vor Bibi. Allerdings war sie so unschlau, ihm ihre Alibi-Frage gar nicht zu stellen - daran denkt man doch!
Bibi bringt das in 0,07659 Sekunden völlig auf die Palme. Aber ich kann sie verstehen: Anstatt nach Hause zu gehen, sitzt Marita mit Stefan zusammen. Das hat mich an eine Situation erinnert, in der eine Freundin vorgaukelte, krank zu sein – leider hatte sie vergessen, dass andere sehen können, was sie auf Instagram postet.
Flori nennt Grete immer noch „Frau Oma Grete“. Junge, könnte sie ihm das bitte endlich austreiben? Es ist natürlich klar, warum Grete gerade jetzt auf Bibi aufpassen soll – nach den Ereignissen in der 90 scheint mir das allerdings arg gewagt
Leider reagiert Bibi ab diesem Zeitpunkt komplett über und das nicht nur, weil sie Marita stalkt. Klar, Marita und Stefan sind innerhalb von einer Stunde zusammengekommen, er textet ihr bereits ein Liebeslied und es ist eine Frechheit, dass Bibi das noch nicht erfahren hat. Schon will Bibi die Freundschaft beenden.
Es ist ja klar, dass das alles nur ein Missverständnis ist, deshalb mal vorweg: Selbst, wenn es tatsächlich so wäre, dass Marita und Stefan dabei sind, zusammenzukommen, dann ist diese Freundschaft ziemlich wenig wert, wir reden hier von einem dermaßen kurzen Zeitraum, wann soll Marita da mit Bibi drüber reden?
Grete gefällt mir hier weitaus besser als in der 90. Ihr spontaner Charakter ist geblieben, aber sie ist auch sehr bestimmt Bibi gegenüber und will sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen.
Mit Bibi wird es derweil immer schlimmer. Sie hört Marita überhaupt nicht zu, steigert sich komplett in die Sache rein und verhext Stefan einfach in ein Eichhörnchen, ohne das rückgängig zu machen. Es fällt schwer, hier noch mit ihr mitzufühlen. Wenn Bibi bei dem Lied mal besser zugehört und dann auch nur eine Sekunde nachgedacht hätte, dann wäre ihr klar geworden, dass Marita und Stefan da nicht ihre eigene Freundschaft oder Liebe besingen.
Grete und Florian ist eigentlich eine interessante Kombination, aber daraus wird im Grunde nichts gemacht. Sie arbeiten ja nicht zusammen, sondern Grete hext, Flori hat ein bisschen Angst und dann ein bisschen Spaß. Die Gardinengespenster werden doch locker von Cathlen Gawlich gesprochen

Sie sind auch eigentlich ziemlich nervig, aber dadurch, dass sie immer nur denselben Spruch auf der Platte haben – „Wir sind die lustigen Gardinengespenster“ – sind sie schon fast wieder amüsant.
Oma Grete ist empört, als sie hört, dass Bibi Stefan gegen seinen Willen verhext hat: „Man verhext niemanden gegen seinen Willen, einfach so!“ – Ich muss lachen. Kontinuitätsfehler sind ja nichts Neues… aber dass ein Charakter sich nur eine Folge später selber widerspricht, das ist schon beachtlich. Barbara fand das bestimmt lustig als Säule…
Der nächste Moment zum Augenrollen: Bibi: „Ich lüge nie!“ – Mhm, ist klar. Nie.
Dieser Part ist dann einfach nur noch anstrengend. Bibi ist trotzig und lässt ihre Wut an anderen aus. Ich mag ja die Eifersuchtsfolgen von B&T sehr oft, aber die sind auch wesentlich klüger gestrickt. Hier würde man Bibi am liebsten hochheben und einmal schütteln.
Mir gefällt aber dieser leichte Anflug von Tiefgang, als es um die zerbrochene Freundschaft der zwei Junghexen geht.
Das Lied ist so wenig gehaltvoll, dass der Erzähler da sogar reingrätschen muss und Marita singt so schaurig schief, dass es wirklich nicht schlimm ist, dass der Spuk nur eine Minute dauert.
Nun ja, immerhin hatte Maritas Geheimnis am Ende nichts mit Verliebtheit zu tun, das ist ein kleiner Fortschritt. Ansonsten… keine gute Folge. Bibi ist hier hochgradig unsympathisch und reagiert völlig übergeschnappt, man hat einfach kein Mitleid mit ihr. Auch die Nebenhandlung mit Grete und Florian ist größtenteils eher lahm, auch wenn sie wenigstens ganz nett mit Bibis Handlungsstrang zusammenläuft. Letztendlich hätte es gereicht, wenn Marita gesagt hätte, dass sie eine Überraschung vorbereitet und deshalb nichts verraten kann. Es gibt gut konstruierte und schlecht konstruierte Missverständnisse und dieses hier war mir einfach zu nervig.
Was ich der Folge zugutehalten möchte, ist ihre Durchhörbarkeit. Dadurch, dass sich alles an einem Tag abspielt, ist die Handlung sehr flüssig. Es geht um menschliche Probleme, Junghexen kommen nicht vor und Oma Grete hat hier eine wesentlich bessere und sympathischere Rolle als in der 90. Daher gibt es noch 3 Punkte. Und wieder geht ein Duell an Benjamin.
3/10
Benjamin 52:39 Bibi