Geschrieben von HildaW am 12.07.2024 um 19:06:
Morgen ist Schulpraktikum und Bibi hat’s vertrödelt. Deshalb wird ihr eine Stelle zugelost: Ausgerechnet ins Rathaus geht es.
„Heute ist mein Schnuppertag.“ „Unsinn, im Rathaus wird nicht geschnuppert!“
Dann beginnt das Drama, „Bümi“ kann nichts ausrichten, Herr Pichler, der sonst hervorragend über alle Termine Bescheid weiß, hat keine Ahnung, welcher Gast welcher ist.
Schwierig, schwierig. Ich finde die Folge sehr unterhaltsam. Es wird so wunderbar aneinander vorbeigeredet und der Papagei verzweifelt an seinem begrenzten Wortschatz. Immerhin kann er „Blödfrau“ rufen.
Aber: Dieses Motiv, alles marode zu hexen, um eine Spende einzuwerben, gefällt mir nicht und passt auch nicht zu Bibi.
Die Auflösung ist wirklich gut gemacht, insgesamt dann doch eine eher gute Folge.
Geschrieben von Mangobanane am 03.09.2024 um 09:51:
Bibi Blocksberg 104 – Der verhexte Bürgermeister
„Sagen Sie jetzt nichts Falsches, Bürgermeisterchen! Sonst fällt ganz Neustadt über Sie her!“
„Ich bin nicht so doof wie Sie immer denken, Frau Kolumna!“
Erster Gedanke: Neuauflage von „Die Zauberlimonade“? Ich bin gespannt…
Die Ausgangssituation klingt erstmal ganz reizvoll: Ausgerechnet Bibi soll dem Bürgermeister assistieren, weil sie es verpeilt hat, sich selber zu kümmern. Und wie es zu erwarten war, sind beide nicht begeistert davon.
Was ich Bibi hier aber zugutehalten möchte: Sie versucht es zunächst sehr diplomatisch und geht nicht auf die ablehnende Haltung des Bürgermeisters ein. Dass es dann doch eskaliert, ist natürlich abzusehen, wird aber gut herausgearbeitet.
Freut mich total, dass Pichler offenbar nochmal eine etwas größere Rolle bekommt, er gehört – natürlich auch durch Willfried Herbst – definitiv zu meinen Lieblingscharakteren.
Pichler scheint sich in seiner Rolle als Bürgermeister auch schnell wohlzufühlen, denn als Bibi das Buffet hext, sagt er genüsslich: „Bümi will immer alles nur für sich haben, dabei ist das Büffet für sie… äh … und mich!“
Durch die Reaktion des Papageis bei Frau Reichs Ankunft ist leider schnell klar, dass Herr Sorgewohl ein Schwindler ist, das „Schwindel! Schwindel!“ von Bümi hätte man sonst auch anders deuten können, schade, dass man das so offensichtlich gestaltet. Aber immerhin bleibt die Frage offen, was sich Herr Sorgewohl erhofft.
An und für sich finde ich dieses Anbiedern und um Spenden betteln eigentlich schrecklich und dass Bibi nochmal nachhelfen muss, gefällt mir auch nicht so, andererseits mag ich, dass Bibi und Pichler mal über längere Zeit zusammenarbeiten, die beiden funktionieren als Team sehr gut.
Klasse auch, dass Pichler seinen eigentlichen Charakter beibehält und ganz nervös wird, als er Herrn Sorgewohl ablenken soll: „Haben Sie eigentlich Katzen?“
Im Freibad wird es aber dann doch langsam kritisch, weil Bibi sich immer mehr anbiedert und Pichler sie halt auch eher anstachelt als stoppt. Ich finde es total verständlich, dass Marita langsam sauer wird und das nicht gutheißt. Streng genommen macht Bibi ihr gerade den Schnuppertag kaputt und wenn Marita Pech hat, fällt es auf sie zurück.
Ganz gut finde ich, dass die Schule hier als „gerade renoviert“ beschrieben wird, womit die 93 sicherlich indirekt gemeint ist, das fügt sich bzgl. der Kontinuität gut in die Geschichte ein und wird für Bibi vom Segen zum Problem.
Mit der Autoreparatur macht sich Herr Sorgewohl natürlich verdächtig und man stößt den Hörer wieder auf die Fährte, dass etwas nicht stimmt. Es ist aber immer noch nicht klar, wozu Herr Sorgewohl das alles macht. Und was ist eigentlich mit Frau Reich passiert?
Leider kann man es nicht lassen, die Klischeekiste zu bedienen: Dass Herr Sorgewohl etwas von Motoren versteht und sich die Hände schmutzig macht, wird als ungewöhnlich und sympathisch vom Erzähler wahrgenommen, weil er reich ist. Dann kann ja was nicht stimmen.
Riebi ist auch geil: „Was ist denn das für ein hässlicher Papagei?“

Dass der Schwindel nicht auffliegt, als sie sagt, dass sie mit dem Bürgermeister sprechen wird, ist recht unglaubwürdig.
Lustig aber, wie das Ganze dann plötzlich allein in Pichlers Richtung kippt, er mit Herrn Sorgewohl Nerdgespräche über Uhren führt (cooler Bezug auf Ben 84!) und Bibi total genervt ist, weil sie plötzlich nicht mehr gefragt ist
Richtung Finale wird es dann schwierig, weil das moralische Dilemma deutlich wird. Während Bibi angesichts der wütenden Neustädter ein schlechtes Gewissen bekommt, was ich wirklich gut finde, bestärkt Karla sie darin, alles richtig gemacht zu haben, schließlich ist es ja für einen guten Zweck. Dass Altstadt aber ohne Hexe auskommen muss und trotzdem nicht gut aussieht, das wird nicht beachtet. Die Folge zeigt sehr gut, dass die vermeintlich „guten“ Charaktere auch nicht besser sind als der Bürgermeister. Alleine dieses „Wenn Herr Sorgewohl unterschrieben hat, klären wir alles auf“, nee, sorry, hier hoffe ich, dass es noch schiefgeht, was ist denn das sonst bitte für eine Moral?
Im letzten Moment klärt Bibi dann doch noch alles auf. Das ist gut. Aber die Auflösung ergibt ja mal gar keinen Sinn. Kein Mensch arbeitet als Hausmeister für alle öffentlichen Gebäude einer Stadt gleichzeitig und warum wollte Herr Sorgewohl die Stadt mit den meisten Schäden wählen? Weil ein Hausmeister alles selber repariert oder was? Und es hat ihn überhaupt nicht stutzig gemacht, dass der Bürgermeister sich an einen Mann, der sich als Hausmeister bewirbt, so anbiedert? Sorry, völliger Unsinn. Man wollte hier mal was Unerwartetes machen, er sollte nicht der übliche Betrüger sein, aber das wäre besser gewesen als eine Aufklärung, die einfach nicht stimmig ist.
Das Ende ist enttäuschend. Für Bibi gibt es überhaupt keine Konsequenzen, im Gegenteil, sie wird in ihrem Handeln auch noch von Frau Reich bestärkt. Marita findet keine Erwähnung mehr und obwohl hier gewaltig geschummelt wurde, wird das letztlich belohnt und weggelächelt.
Sorry, eigentlich ist die Folge gar nicht so schlecht, ich mag das Gespann Bibi/Pichler, aber sie werden hier mit der Zeit immer ekliger und es fehlt der Moment, in dem sie die Konsequenzen ihrer Taten zu spüren bekommen. Wenigstens Bibi kriegt am Ende noch Gewissensbisse, aber man hat nicht das Gefühl, dass Frau Reich das wichtig war, dass sie ehrlich ist. Sicherlich kann man argumentieren, dass Bibi einfach irgendwann in einem Rausch war und nicht mehr umkehren konnte, aber Pichler hätte mehr Charakter zeigen müssen. Ich mag es gar nicht, wenn man Charaktere verstellen muss, damit eine Story funktionieren kann.
Darüber hinaus wird halt aus dem Aufhänger mit dem Schnuppertag überhaupt nichts gemacht.
Weil die Folge unterhaltsam war, hätte ich eine 7 springen lassen, aber für die fragwürdigen moralischen Verfehlungen ohne Konsequenzen, die völlig unlogische Auflösung bzgl. Herrn Sorgewohl, die Charakterentfremdungen bei Karla und Pichler und das fehlende Klärungsgespräch mit Marita ziehe ich zwei Punkte ab. Schade drum. Da ist man übers Ziel hinausgeschossen. Für Benjamin reicht es, aber beide Folgen hätten viel mehr sein können.
5/10
Benjamin 60:44 Bibi