So, ich bin dann auch mal wieder in die Reihe eingestiegen. Bei der 158 war ich nach der Hälfte weg, von der 159 kenne ich gerade mal die ersten 3-4 Szenen.
Ich tue mich hier mit der Bewertung extrem schwer, denn einerseits war es keine schlechte Folge, aber nach wie vor habe ich das Gefühl, Gailus schreibt für die falsche Serie. Seine Geschichten wirken wie für eine Serie, die niveaumäßig zwischen DDF und TKKG liegt.
Der Fall als solcher ist recht neuartig und unverbraucht und der Whodunit funktioniert auch nicht schlecht, aber es hapert immer wieder an verschiedenen Stellen, die mir zu schwach, zu kitschig, zu unglaubwürdig oder zu lieblos umgesetzt sind.
Größter Kritikpunkt der Folge sind die insgesamt sehr bescheiden ausfallenden Sprecherleistungen. Einmal mehr ist Alexandra Garcia nahe dran am Totalausfall, Julian Schad als diesmaliger sechster Freund hat die Rolle auch hörbar nur wegen des Nachnamens bekommen, von den Charakteren bleiben eigentlich nur die hängen, die gar nicht direkt mit der Hochzeit zu tun haben und die Braut wirkt eher wie ein junges Mädchen, für das die Heirat sowieso viel zu früh kommt.
Dann ist auch der Rauswurf der Fünf Freunde völlig übertrieben und erscheint viel zu drastisch. Ich musste da auch echt mit den Augen rollen, weil natürlich durch die Stimme im Keller klar war, wo die Reise hingeht, die Freunde brauchen aber noch mehrere Minuten und lassen sich erst umständlich abschieben, bevor es vorangeht. So locker wie die gerettete Familie die Brautfamilie beschreibt, sind die dann offenbar doch nicht.
Dass die Hochzeitsgesellschaft so leicht gegen den Bräutigam aufzubringen ist, ist eher so na ja, wirkt sehr klischeehaft. Plötzlich hat er Spielschulden, ist untreu, unsicher und säuft lieber. Da ist dann halt auch schnell klar, wer dafür verantwortlich ist.
George zu Beginn kollektiv zu verschaukeln war für mich auch wieder eher so ein Gailus-Moment, wo ich mir denke, den hätten andere Autoren nicht gebracht. Ich fand es ganz witzig, aber es wirkte ungewohnt.
Ich habe mich dann auch gefragt, ob ich die Einladung angenommen hätte. Man kennt da keinen, wurde noch nicht mal vom Brautpaar selbst eingeladen und ist zudem auch nicht ansatzweise im Durchschnittsalter der Gäste. Vielleicht wäre eine Querverbindung zu Tante Fanny (irgendeine alte Schulfreundin von ihr ist garantiert noch nie erwähnt worden

) sinnvoller gewesen.
Letztendlich entscheidet man sich für die offensichtlichste Auflösung, trotzdem unterhält die Folge im Allgemeinen ganz gut, obwohl hier niemand so richtig sympathisch ist. Das ist tatsächlich auch ein großer Trumpf von Gailus' Folgen: Man weiß bei ihm oft lange nicht so richtig, worauf das Ganze am Ende hinausläuft, während McClean das meistens schon nach 10-15 Minuten offenbart. Das macht es halt interessanter und hier wollte ich eben wissen, was mit dem Bräutigam passiert ist.
Akustisch geht die Umsetzung auch in Ordnung und hat immerhin zwischendrin auch mal ne ältere Melodie.
Am Ende lande ich wohl bei einer 7. Kurzweilige Unterhaltung mit Schwächen, aber das Gesamtprodukt ist in Ordnung. Kann man hören. Trotzdem glaube ich, Gailus könnte mich bei einer eigenen Serie mehr begeistern. Er wirkt nicht eins mit den Charakteren und das merkt man bei eigentlich jeder seiner Folgen.
7/10