Benjamin Blümchen 047 – als Gärtner
Alte Bewertung: 10 Punkte
„Ich habe im Wettbewerb um den schönsten Garten…“
„Papperlapapp, nichts haben Sie!“
Tja, das ist sie endlich, die einzige Folge, von der wir noch die MC mit dem alten Cover hatten. Ich habe mich immer gefragt, welches Kind das gemalt hat. Die alten Bilder sind – sorry – so was von hässlich. Natürlich kann ich hier mit dem neuen Bild nicht so viel anfangen, aber schick geht anders und ich bin sehr froh, dass man den Stil inzwischen geändert hat.
Die Geschichte um die verschwundenen Frösche von Tante Hilde mit Helmut Ahner als namenlosem Nachbarn, der dauernd nur meckert, ist Kult. Früher war ich ja eigentlich nicht so ein großer Fan ruhigerer Folgen, aber das Ding fand ich bereits als Kind klasse und ich freue mich richtig auf die bescheuerten Tomatenwitze von Benjamin.
Ottos Familie leidet an chronischem Geldmangel. Man muss sich langsam fragen, ob es bei Kiddinx eigentlich nur arm und reich gibt und keinen Mittelstand. Es gibt Millionen Familien, die nicht ständig Geldprobleme haben, deshalb aber nicht gleich reich sind und die trotzdem jeden Tag einer geregelten Arbeit nachgehen – aber die wohnen wohl alle irgendwie woanders. Arm sein ist sympathisch.
Der Erzähler hat einen Wissensvorsprung! Er verrät nicht, was passiert, so ein Schlingel! Na ja, soll ja spannend bleiben
Wenn man schon nicht in Urlaub fahren kann – und auch keine Lust darauf hat, für ein paar Tage die Möbel umzustellen, um es so aussehen zu lassen – dann sucht man sich eben einen Job als Haus-Sitter. Zufällig ist bei Tante Hilde gerade Not am Mann, wobei die mehr Angst um ihre Frösche als um ihr Haus zu haben scheint. Zu genial, wie Herr Tierlieb die nächste demolierte Tür durch Benjamin erst verhindern kann und sich dann ins eigene Fleisch schneidet: „Aber… Sie haben doch gesagt, wir sollen reinkommen“
Wenn man eine Schürze anhat, dann ist man ja quasi schon fast ein Gärtner – so wie es eine karierte Mütze zum Detektiv-sein braucht
Tante Hilde wird von Lola Luigi gesprochen, alleine das gibt schon Pluspunkte, neben Maria Krasna eine der besten Sprecherinnen der damaligen Zeit bei Kiddinx.
Schön, dass Hilde klarstellt, was zwischen Verdacht und Beweis liegt und deshalb davor scheut, ihre Gedanken laut auszusprechen. Schon hier finde ich es geil, dass sie jeden Morgen ihre Frösche zählt und das Verschwinden von vier Fröschen bei 90 vorhandenen bemerkt.
In wenigen Sätzen schafft der Erzähler eine wunderbare Idylle mit seinen Beschreibungen des Gartens – nun ja, immerhin für 2-2,5 Sekunden, bevor der männliche Gegenpart der Folge lospoltern darf. Helmut Ahner ist schon bei seinem ersten Einsatz in absoluter Höchstform und krakeelt sich ins Gedächtnis eines jeden Benjamin-Hörers. Fast schon mutig, eine solche Figur mit einem radikalen Ordnungssinn in einem Kinderhörspiel zu bringen, heute drängt sich der Verdacht auf, der Nachbar ohne Namen war wohl NPD-Wähler.
Tante Hilde ist fast schon auf dem Sprung, da fallen ihr dann doch noch ein paar dutzend Anweisungen ein. Mein Highlight: Mit den Tomaten reden, damit sie schneller wachsen. Sie bringt das so herrlich überzeugt rüber
Der Nachbar wird sogar noch krasser und stößt Morddrohungen gegen Benjamin aus. Otto behält aber die Ruhe und ist ihm damit rhetorisch überlegen.
Am nächsten Tag verordnet Otto Benjamin erstmal eine radikale Diät. Dabei ist ihm vielleicht nicht ganz klar, dass Elefanten nun mal andere Mengen brauchen als Menschenkinder. Ist irgendwie auch ne Art, Benjamin loszuwerden. Nur in nett
Das Frühstück wäre übrigens eine gute Gelegenheit gewesen, die Benjamin-Brötchen nochmal einzubringen, aber Tante Hilde wollte wohl lieber beim Toast bleiben, tja
In der Nacht sind fast 50 Frösche verschwunden und es ist an der Zeit, Karla zu informieren, damit die auch in dieser Geschichte wieder vorkommen kann. Ich habe es schon als Kind gefeiert, wie Otto das Telefon mit der scheinbar extrem langen Strippe nach draußen trägt.
Benjamins Telefonat mit Frau Kolumna ist der Hammer und dann Benjamins Ansprache an die Tomaten, in denen er sie schon mal auf den Tod vorbereitet
Benjamin lacht sich über seine eigenen Horror-Witze schlapp und Karla gibt dem Giftzwerg-Nachbarn Contra, womit schon mal der Trick am Ende eingeleitet wird. Benjamin übt sich in psychologischem Denken, was sehr lobenswert ist und er gerne öfter tun könnte.
Was natürlich ein bisschen fehlt, ist die Pflege des Gartens, die aber nun immerhin im Off ein wenig erzählt wird. Und natürlich prallen hier zwei Extreme aufeinander, die weit voneinander entfernt liegen, was das Führen eines Gartens angeht. Das kann man durchaus kritisieren, aber ich mag die Atmosphäre von Hildes Garten einfach so sehr, dass ich ihre Methode nicht schlechtmachen mag, zumal sie ja nicht alles verkommen lässt und sich durchaus um die Pflanzen und Tiere bemüht.
Karlas Kassette hat offenbar eine sehr lange Aufnahmezeit – normalerweise hätte dieser Plan kaum klappen können. Sie weiß sogar, an welche Stelle sie spulen muss – wie auch immer das funktioniert
Die Frösche verschwinden trotzdem und – welch Überraschung – der Nachbar ist der Dieb! War ja auch kein anderer da, der es hätte sein können. Interessant, dass Karla meint, für die Polizei wäre das Tonband kein Beweis. Damit hätte man im Verhör sicherlich auch ein Geständnis bekommen, aber es macht natürlich viel mehr Spaß, den Täter selber zu überführen. Unfreiwillig komisch in Karlas Telefonat: Die Freunde wollen sich hinter Herrn Tierlieb verstecken. Das klappt bei Benjamin bestimmt super
Kaum hat Herr Tierlieb eine Sonnenbrille auf, sieht er ganz anders aus – Wahnsinn
Sein Einsatz als Reporter der Abendpost ist ein absolutes Highlight der Folge, ich liebe die Enttarnung des Nachbarn.
Das Ende ist auch total schön mit der Wandlung des Nachbarn, der durch die Mückenplage zum Umdenken gebracht werden kann.
Die Folge wird dem Titel letztlich nicht so ganz gerecht, da Benjamin eher off-screen als Gärtner tätig ist und vordergründig als Detektiv und Schlechte-Witze-Erzähler, aber die Atmosphäre ist wunderbar, Luigi und Ahner als verfeindete Nachbarn spielen ihre Rollen perfekt, man lernt noch was dazu und das Finale ist top. Die Folge hat sich den Nostalgiebonus auf jeden Fall verdient und ist für mich weiterhin eine der besten Folgen der gesamten Serie, es passt einfach alles zusammen. Eine wunderbare Natur-Folge, die nichts von ihrem Charme verloren hat.
10/10