In beiden Fällen hat sich das ja im Laufe der Zeit ziemlich gewandelt. Justus war vor allem in den Klassikern ziemlich eindeutig der Chef im Ring, während schon in den Crimebusters mehr Gleichberechtigung geherrscht hat. In der Frühzeit der Neuen Ära wird seine Position immer wieder infrage gestellt, sei es durch Streitigkeiten innerhalb des Teams, oder durch Außenstehende, allen voran Jelena (ja, auch in den Klassikern gab es Allie, aber das war nicht annähernd so penetrant und mit dem Holzhammer). Auch das ist mittlerweile nicht mehr so extrem.
Bei TKKG war Tim in den Werken von Wolf bis zum Schluss ähnlich dominant wie Justus in den Klassikern. Seither wurden die Rollen der anderen gestärkt und Tim um einiges zurückgefahren. In einigen Extremfällen ("Blindgänger im Villenviertel") fragt man sich, ob er überhaupt noch was zu melden hat, und wenn ja, warum.
Zu Frage 1: Legt man die ersten 40 Folgen der jeweiligen Serie zugrunde, nehmen sich beide nichts. Danach wirkt Tim "penetranter" im Auftreten als Justus, und in den letzten 10 bis 15 Jahren ist Justus wieder eher "bossy" verglichen mit Tim.
Zu Frage 2: Ich finde es grundsätzlich nicht schlecht, wenn auch die anderen mal ihre Momente bekommen und etwas beisteuern, anstatt ihren Anführern immer nur hinterzutigern und auf Kommandos reagieren - solange es nicht out-of-character wird. Wenn die Position als Chef nicht von Figuren im jeweiligen Universum hinterfragt wird, sondern eher vom Hörer selbst (siehe oben), fallen die Figuren definitiv aus der Rolle, für die sie ursprünglich angelegt worden sind, und man hat als Fan am Ende mehr Fragen als Antworten.
In dieser Hinsicht finde ich übrigens, dass die Fünf Freunde die Serie der "großen drei" ist, deren Protagonisten sich über die Zeit hinweg am ehesten treugeblieben sind. Hier gibt es zudem die Besonderheit, dass man nicht nur Julian als Anführer hat, sondern mit George auch eine Figur, welcher das Infragestellen von Autoritäten (nicht nur Julians) von Beginn an immanent ist. Dadurch hat man eine Konstellation, in der man dem Anführer auch mal Paroli bieten kann, ohne dass man eine Veränderung im Serienkern dafür in Kauf nehmen muss.
Wenn wir schon andere Serien als Vergleichsobjekt bemühen, wäre das Thema doch eigentlich in "Sonstiges über unsere Hörspielwelt" ganz gut aufgehoben.