Dieses Thema könnte eventuell ein bisschen kontrovers werden und ausarten, dabei geht es eigentlich um ganz "harmlose" Dinge

Ich vermute allerdings ziemlich unterschiedlich geartete Auffassungen dazu...
Wenn man mal genauer hinschaut, basieren langlaufende Serien wie die meisten der hier besprochenen Hörspielreihen auf einem bestimmten Konzept, welches ich mal "die Formel" nennen möchte, und das dann zu verschiedenen Geschichten variiert wird, solange es geht und erfolgreich ist.
Ich weiß, dass es unterschiedliche Leser/Hörer-Typen gibt und das manche sofort den Spaß an etwas verlieren, sobald sie eine Art Formel wahrnehmen anhand der sie erwarten können, wie die Geschichte weitergeht. Wem dadurch der Spaß abhanden kommt, der sollte vielleicht besser nicht weiterlesen
Nun bedeutet eine Formel natürlich nicht, dass immer alles genau gleich ist, sondern dass man sich an einem allgemeinen Schema orientiert, was ja auch Abweichungen bedeuten kann. Natürlich bedingt das Vorhandensein einer Formel, dass man entweder nur in gewissen Grenzen abweichen kann oder dass man das genaue Gegenteil der Formel macht (und sich somit in gewisser Weise trotzdem an dieser Formel orientiert). Alle Abweichungen zwischen "ein bisschen" und "das Gegenteil" wären dann allerdings wohl einfach "etwas anderes" als diese Formel. Man könnte diesen Bereich also als "Weiterentwicklung" bezeichnen.
Warum man Formeln verwendet, dürfte einleuchten: Man will eine möglichst lange Reihe von Geschichten erzählen und braucht ein Konzept. Außerdem schafft so eine Formel Erwartbarkeit (von etwas Gutem) und Vertrautheit, so dass man sich gleich wohl fühlt und weiß, dass das auch bei der nächsten Geschichte der Fall sein wird, weshalb man diese dann auch immer wieder kauft.
Andererseits gibt es viele Leute, die Wiederholungen nicht mögen und die gerne immer überrascht werden möchten. Natürlich liegt der goldene Weg wahrscheinlich wie immer irgendwo in der Mitte. Aber es kommt ja bei den am längsten laufenden Serien auch vor, dass Kerncharakteristika oder Versatzstücke von einigen weiterhin gefeiert werden und von anderen bei jedem erneuten Auftauchen quasi nur noch mit einem Augenrollen (oder Schlimmerem

) quittiert werden und die alles mögen, was gerade NICHT nach dieser (oder überhaupt irgendeiner?) Formel aussieht. Ich will übrigens nicht sagen, dass das falsch ist, ich möchte es nur mal in dieser Form zur Diskussion stellen
Heutzutage hat sich ja auch ein anderes Erzählschema duchgesetzt, das nicht in einer Reihe von abgeschlossenen Einzelgeschichten gleicher Art besteht, sondern darin, dass alles einen großen Handlungsfaden hat und jede Folge auf der anderen aufbaut. Das hat eigene Vor- und Nachteile. (Ein Nachteil ist zum Beispiel, dass der Abschluss dieser großen Geschichte meistens je schlechter ist, desto länger diese große Geschichte bereits andauert...) Wie dem auch sei, unsere Hörspielserien von früher mit einer großen Anzahl an Folgen bauen noch auf dem alten Schema auf und benutzen Formeln und das dürfte sich ohne erhebliche Mühen auch nicht mehr ändern lassen.
Nun stellt sich die Frage: Wie findet sich der einzelne Hörer damit ab? Erfahrungsgemäß wollen einige so wenig Veränderung wie möglich und andere soviel wie es nur geht. Und alles dazwischen. Einige würden auf die Erkenntnis einer Formel wohl sehr ablehnend reagieren, andere würden die Einhaltung dieser Formel erwarten und große Diskussionen ergeben sich ja auch regemäßig über die Zulässigkeit dieser oder jener Variation. Auch stellt sich die Frage nach dem Ersetzen einer alten Formel durch eine neue oder nach dem Faktor der zeitlichen Umstände in Bezug auf so eine Formel. "Kann man sowas heute noch machen?" "Funktioniert das heute noch?" "Wie wäre es mal mit 'was anderem'?"
Die genauen Formeln der einzelnen Serien oder Abschnitte herauszuarbeiten, wäre wohl eine Aufgabe für sich. Eine grobe Annäherung meinerseits zum Zweck der Illustration werde ich hier trotzdem kurz machen:
Fünf Freunde: Die Kinder sind auf sich gestellt/allein unterwegs und erleben ein Abenteuer. Am Ende werden die Schurken besiegt und alle sind glücklich.
Das ist im Falle dieser Serie recht einfach. Spezifischer wird es durch die Behandlung einzelner Aspekte: Onkel Quentin ist genervt bis böse und macht Schwierigkeiten, die Gauner sind "die bösen Männer", es wird geschmuggelt, die Kinder wenden keine Gewalt an, andere Kinder sind in zwei Kategorien eingeteilt, das Verbrechen wird durch "Aufdeckung" vereitelt usw. usf.
Leichte Variationen wären dann, dass Onkel Quentin mal nett ist und Hilfe braucht, oder dass nicht geschmuggelt wird, sondern man jemanden aus Seenot rettet etc. Die Formel in Form ihres Gegenteils anzuwenden wäre dann, die Kinder mit einem Gewehr in der Hand die Schurken zur Polizei führen zu lassen. Oder gar, die Kinder selbst schmuggeln und damit durchkommen zu lassen. (Erfahrungsgemäß ruft so etwas kontroverse Meinungen hervor).
Eine etwas größere Variation und somit eine Weiterentwicklung wäre, wenn sie mal einen Fall komplett anhand von Ermittlungen und logischen Schlüssen lösen würden, wie zum Beispiel Sherlock Holmes.
Das Ganze ist jetzt natürlich eine vereinfachte Darstellung, in Wirklichkeit ist es etwas komplexer, selbst bei den Fünf Freunden.
Bei TKKG wird es nun interessanter. Klar, im Grunde laufen sie rechtschaffen durch die Gegend, werden mit dem Unrecht konfrontiert und spielen in moralisch-belehrender Weise selbst Polizei. Früher hat Tarzan auch die Gangster vor dem Abliefern einfach verkloppt. Daraus resultierte natürlich, dass es immer eine Situation geben musste, in der ihm Gewalt angedroht wurde, was wiederum einen bestimmten Charaktertyp von Antagonist voraussetzte... Die vier Hauptfiguren hatten auch ihre speziellen Eigenschaften, die sie ausgiebig einsetzten und die Gangster entsprachen oft gängigen Klischees (oder realen Typen?). Die Verbrechen waren meist tatsächlich bekannte Probleme, die man auch in den Medien vorfand.
Hier war es meist der Fall, dass Verbrecher schon durch ihr Auftreten oder gar ihren Namen identifizierbar waren, dass Tarzan immer Recht hatte, dass moralische Widersprüche im Verhalten der Bande gegenüber dem Verhalten, dass sie anprangerten, kaum eine Rolle spielten usw. TKKG ist ein wenig komplexer, dass kann man nicht so kurz runterbrechen. Unter anderem ist es ja interessant, dass man die Serie trotzdem feiern kann, selbst wenn (oder weil?) einem oben genannte Widersprüche klar sind.
Die Formel wurde nun bemerkenswert lange Zeit nicht variiert. Und wenn, dann kam es zumindest mir sehr unpassend vor. Dazu gehörten zum Beispiel der Roboter bei Spuk aus dem Jenseits, die Killerpflanzen oder in Ansätzen (Hörspiel) auch der Wissenschaftler und seine Pläne beim Schauerwald. Normalerweise war TKKG ja etwas bodenständiger unterwegs. Später schlichen sich dann auch größere Änderungen ein, zum Beispiel in Tims Verhalten, aber das war bereits nach meiner bevorzugten Phase. Über TKKG kann man sicherlich noch viel mehr sagen.
Jetzt zu Die drei ???: Es wurde ja häufig über die Faktoren diskutiert, die gerade diese Serie zu so einem Erfolg gemacht haben. Ich kann hier nicht alles wiederholen. Aber eine mögliche Erklärung wäre, dass es von Anfang an mehrere Formeln in der Serie gab bzw. dass sie die Verwendung von Formeln fast auf die Spitze getrieben hat. Und später natürlich, dass diese Formelhaftigkeit vielen ein Dorn im Auge war und dass es viele verschiedene Brechungen und Richtungen gab, so dass heute fast nichts mehr zusammen passt. Es ging quasi in alle Richtungen (auch die oben beschriebene mit dem aufeinander Aufbauen der Geschichten) und fügte sich nie mehr komplett zusammen. Das ist durchaus ein Problem. Andererseits macht sie so jeden irgendwann mal glücklich (und in allen anderen Fällen unglücklich

).
Am Anfang gab es gleich das Schema mit dem vermeintlichen Gespenst, dass sich dann als Verbrecher herausstellt (Gespensterschloss). Interessanterweise als relativ harmloser. Und es ging auch nicht um Bilderdiebstähle

Aber da sind wir bei Folge 1, Version zwei: Der Superpapagei. DORT ging es um skurrile Typen, Rätselverse und Bilderdiebstähle. Formel 2

Später gab es noch die Abenteuerfolgen mit Bodenständigkeit und handfestem Grusel, (Arden: Teufelsberg, Aztekenschwert) und demgegenüber stand dann das ECHTE Übernatürliche, wie es bei Carey oft vorkommt (Bergmonster, Karpatenhund, Kreis, Narbengesicht). Danach gab es eine Ersetzung der Formel, in den Spätklassikern, mit Verbrechen, die mehr in Richtung TKKG gingen. Dann kamen die Crimebusters, die schon eher ein komplettes Reboot waren. Und dann die deutsche Ära...
Aber wir sind ja noch gar nicht fertig! (Als könnte man darüber nicht schon genug diskutieren

). Die Serie ist auch davon abgesehen ein Formel-O-Rama: Die Karte der drei ??? und das Vorlesen, die zweite Karte, Justus weiß mehr und behält es bis zum Schlussmonolog für sich. Überhaupt die Charaktereigenschaften der drei Hauptfiguren. Und die einprägsamen Nebenfiguren wie Kenneth und Patrick, Mathilda, Titus usw. mit ihren wiederkehrenden Eigenschaften und Verhaltensweisen. Reynolds taucht auf, grummelt und gratuliert am Ende. Alfred Hitchcock tauch auf, grummelt und gratuliert am Ende. Die Hinweise von Hitchcock in den Hörspielen! Seine Anspielungen und ironischen Kommentare. Die Titel der Geschichten! Die Aiga Rasch Cover mit ihrem besonderen Stil. Die Bohn-Musik...
Wirklich DDF ist von allen Seiten das formelhafteste, was man sich vostellen kann. Ist die Serie deswegen so beliebt geworden? Warum wurde dann regelmäßig alles umgeschmissen, mit mehr oder weniger Erfolg? Klammert man sich heute wirklich nur noch an die Sprecher als letzte Konstante? Lebt die Serie nur noch im Bruch ihrer Formel weiter? Findet eine ECHTE Weiterentwicklung (nach obiger Definition) überhaupt statt?
Okay, jetzt bin icht erstmal leergeschrieben