Ein Geist mit nassen Füssen oder Computerdiebe
Die Pizza-Bande verbringt ein Wochenende auf Burg Drachenstein, wo es angeblich spuken soll. Und tatsächlich stoßen sie auf mysteriöse Vorkommnisse. Könnte das etwas mit der nahegelegenen Computerfirma zu tun haben, in der in letzter Zeit geheime Pläne verschwunden sind?
Achtung, Spoiler!
Diese Folge befasst sich mit dem Thema Betriebsspionage, welches in der Reihe bisher noch nicht vorgekommen ist. Auch die Burg ist als Schauplatz mal etwas anderes als die Villen, die man aus den Europa-Hörspielen kennt. Das Thema Computertechnik wird angerissen, aber so vage gehalten, dass die Folge in der Hinsicht nicht schlecht gealtert ist (im Vergleich zu "Der Computer" von Benjamin Blümchen oder "Angriff der Computerviren" von Die Drei ???).
Am Anfang gibt es einen kleinen Infodump über die Firma Unix & Genix, die erst später wieder wichtig wird. Dafür lässt man sich anschließend etwas mehr Zeit, die Burg und das Umland zu beschreiben und es stellt sich wieder die schöne, sommerliche Atmosphäre ein, die bei der Pizza-Bande mittlerweile dazugehört. Ein wenig repetitiv wird es zwar schon, als die Kinder jedes Wochenende erneut auf die Burg fahren (Ist es vielleicht der Fall, der sich über den größten Zeitraum erstreckt?), aber abgesehen davon gibt es mehrere schön umgesetzte Szenen: Das Schraffieren des Kofferanhängers, der nächtliche Spuk in der Burg, die Rast am Fluss, der Jahrmarktsbesuch... Schade, dass in der Geisterbahn die Erzählerin den größten Anteil übernommen hat, das hätte sonst eine tolle Szene werden können. Dafür ist die komplette zweite Hälfte mit den Geheimgängen, der Höhle und der Kletterpartie wirklich toll umgesetzt. Als Milli in die Hände der Verbrecher fällt, wird es nochmal richtig spannend und mir gefällt, dass sie vorher einen Moment hatte, in dem sie über ihren Schatten springen musste und sich beweisen konnte.
Die Auflösung ist ganz gelungen. Dass der Angler der Neffe vom Burgverwalter ist und mit drin hängt, war sehr schnell klar. Dass aber der Wirt und die Sekretärin auch daran beteiligt waren, war für mich so nicht vorherzusehen, was mir gut gefallen hat. Schade nur, dass Philips Vater gar nicht zu Wort kam, wo der Fall doch ursprünglich seinetwegen überhaupt erst an die Pizza-Bande herangetragen wurde.
Die Sprechleistung ist gut. Einzig der Sprecher von Philip klingt an manchen Stellen leider etwas abgelesen. Die anderen Kinder liefern aber gut ab und auch die Erwachsenen sind hier durchweg stark. Ich muss allerdings zugeben, dass ich manche der "mittelalten Männerstimmen" nicht immer gleich der richtigen Rolle zuordnen konnte, da manche sich doch ähnlich klingen. Das fällt aber bei der gut strukturierten Folge nicht so ins Gewicht, so dass man trotzdem der Geschichte gut folgen kann.
Das Cover zeigt, wie die Kinder aus der alten Küche der Burg den Geheimgang betreten, auch wenn dieser im Hörspiel etwas anders beschrieben wird (Ein Schrank, bei dem eine Seite mit Töpfen und Pfannen vollgestellt ist, während die andere Seite leer ist). Milli ist im Vordergrund des Bildes und sieht den Betrachter quasi direkt an, während TH und Schräubchen in den Gang schauen, in den Tommi mit einer Petroleumlampe schon vorgegangen ist und sich nach ihnen umdreht.
Das Bild ist eigentlich ganz schön, wobei Millis Gesichtsausdruck etwas nichtssagend ist und THs Hand eigenartig aussieht (Schräubchens Hand hingegen sieht anatomisch korrekt aus, keine Ahnung, warum die zeichnerische Qualität da so unterschiedlich ist). Der Geheimgang weckt aber schon Interesse, in die Folge hineinzuhören.
Fazit:
Die Folge hat viele gute Zutaten: Eine alte Burg, Spuk in der Nacht, Betriebsspionage, eine vertauschte Tasche, eine versteckte Höhle und Geheimgänge. Das passt erstaunlich gut zusammen und macht beim Hören viel Spaß. Dass die Kinder diesmal wirklich in Gefahr geraten, steigert zudem die Spannung, und dass nicht alle am Verbrechen Beteiligten vor der Auflösung zu erraten waren, auch. Eine wirklich gute und unterhaltsame Folge.
8 von 10 Punkten
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