Man kann Kinderhörspiele durchaus durch Kinderaugen sehen. Das Problem dabei ist eher, dass man als Erwachsener gefordert ist, sich mit der inhaltlichen Qualität für die Kinder auseinander zu setzen.
Im Grunde sage ich, dass man schon Kinder- und Jugendhörspiele als Erwachsener beurteilen kann, solange man denn auch will. Hier spielt die Subjektivität zwar auch eine Rolle, aber ich kann von mir aus sagen, dass man in Kinderhörspielen doch deutliche Qualitätsunterschiede finden kann, die aus objektiver Sicht zu betrachten sind. Das ideale Beispiel hierfür sind im Grunde die Kiddinx Hörspiele. Sowohl Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg zeigen besonders die enorme Entwicklung, die Kinderhörspiele durchlebt haben. Am Anfang beider Serien, besonders auch bei Benjamin Blümchen, merkt man die damalige Zeit sehr heraus. Es wird die Welt mit seinen politischen Entscheidungen in Frage gestellt, es wird sich gegen das Gesetz als solches aufgebäumt und oft gezeigt, dass man alles erreichen kann, wenn man nur fest dran glaubt. Ernste Themen wurden genauso behandelt und nicht verschwiegen, wie es in der Neuzeit der Fall ist. Doch der besondere Kniff dabei war ja, dass es trotz der Themen zielgruppengerecht umgesetzt wurde. Da hatte Uli Herzog ein besonderes Händchen für. Er nahm die Kinder und ihre Umwelt ernst, ohne dabei jedoch den Spaß im eigentlichen Hörspiel zu vergessen. Situationskomik für alle Generationen vollbrachte auch Elfie Donelly mit ihren Büchern zu den Serien. Heute wäre es undenkbar in beiden Serien Themen wie Lärmbelästigung, Trennung der Eltern, Vereinsamung im Alter, Entführung, Ausreißen, Trauerbewältigung, Misshandlung/Vernachlässigung zu finden, die so bereits alle (und noch viel mehr) abgedeckt wurden. Und dies ist es, was heute fehlt, da die Kinder durch Studien und Pädagogen immer mehr in ihre Traumwelt gedrängt werden, da sie für alles doch noch nicht bereit wären. Man kann mit Kindern über alles reden, nur er Kniff ist es eben, es gut zu verpacken, ohne dabei in Babysprache zu verfallen. Und das macht mich eben besonders traurig, welche Richtung die Kiddinx-Leitung eingeschlagen hat. Selbst Charaktereigenschaften wurden der Zeit angepasst. War Benjamin früher der lebensfrohe, sehr intelligente Elefant der anderen Kindern die welt erklärt hat, muss er sich heute dumm stellen, damit sein Freund Otto ihn belehren kann, wie etwas in der Welt funktioniert. Ähnliches durfte auch Bibi Blocksberg in ihrer Jungzellenkur erleben. Durften sich die Eltern früher ruhig noch einmal ordentlich streiten, hört man heute nicht mal mehr eine große Meinungsverschiedenheit. Und um die braven Kinder dann auch noch positiv zu beeinflussen, wurden sämtliche freche Charaktereigenschaften von Bibi gegen den Moralkatalog von Jimminy Grille ausgetauscht, denn Fehler im Verhalten sucht man vergebens. Keine Streiche mehr, kein Streit mit den Eltern, sondern nur noch Sonnenschein in der Welt.
Und in diesen Punkten kann man als Erwachsener schon einschätzen, was die Hörspiele da bieten. Immer unter dem Aspekt, dass es früher auch möglich war die Kinder ernst zu nehmen, ohne ihnen die reale Welt mit einem Ziegelstein an den Kopf zu werfen. Also bitte mehr Mut bei den Kinderhörspielen, denn Kinder beweisen mit ihren Fragen nach der Welt ja auch jeden Tag aufs Neue, dass sie wesentlich intelligenter sind, als so mancher Gedankengang eines Erwachsenen.
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