Markante Stimmen sind wahrscheinlich in ihrer ungewöhnlichen Stimmlage charakteristisch. Die Tonhöhe der Stimme wird ja durch den Kehlkopf und die Länge der Stimmbänder geprägt. Deshalb ist es wenig verwunderlich, wenn besonders kurze oder lange Stimmbänder zu markant hohen oder tiefen Stimmen führen.
Bei den Männern wäre ein Gegensatz Santiago Ziesmer und Gerlach Fiedler/Hubert Mittendorf von der Klangfarbe her möglich. Speziell sehr hohe und sehr tiefe Stimmen sind auf jeden Fall markant. Dazu können eine Schädigung der Stimmbänder durch Tabakkonsum oder andere Erkrankungen die Stimme ebenso im Verlauf der Zeit markanter werden lassen. Wer Beate Hasenau in den ersten Bond-Filmen als Miss Moneypenny gehört hat, wird kaum glauben, dass man sich innerhalb von drei Jahrzehnten bis zu Stimmen aus dem Nichts eine derart tiefe Klangfarbe ,,erarbeiten" kann. Die Stimme altert zwangsläufig, aber nicht in diesem Ausmaß wie bei Hasenau, Karrenbauer und Konsorten. Dass man sich die Stimme in der Vergangenheit häufiger durch das Rauchen bspw. ,,kaputt gemacht hat", wird ein Grund dafür sein, dass einem Sprecher und Sprecherinnen aus älteren Synchronisationen und Hörspielen markanter als ein Großteil der heutigen Sprechergeneration erscheinen.
Sprecher wie Michael Harck beweisen dementgegen sogar, dass sich eine Stimme im Alter kaum verändern kann. Santiago Ziesmers Timbre ist ebenfalls wenigen Veränderungen unterworfen, was es ihm ermöglicht, in Rollen unterschiedlichen Alters schlüpfen zu können. Bei Mechthild Großmann ist die Stimme nach meiner Information genetisch bedingt.
Neben der eigentlichen Sprachfärbung ist der Duktus, die Betonung und der Rhythmus zu bedenken, der eine Stimme, wenn sie nicht hoch oder tief ist, einprägsam macht. Konkrete Beispiele wäre Ilya Welter, die vom Spiel her ihre Stimme markant zur Geltung kommen lässt.
Die Frage, wann ein Timbre weniger markant ist, kann ich nicht genau beantworten. Wie bei Vielem im Leben, gibt es letztlich viele Menschen, die kaum auffallen. Das kann auf das Aussehen und gleichzeitig auf die Stimme bezogen werden. Der Durchschnitt fällt so selbst im Schauspielhandwerk klanglich nicht auf.
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