"Der Ameisenmensch" zählt zwar nicht zu meinen absoluten Lieblingsfolgen (wobei ich sie unter den Klassikern schon recht hoch einordnen würde), aber dass das Hörbuch von Judy Winter eingesprochen wurde, hat mich dann doch dazu bewegt, es mir anzuhören. -
Achtung, Spoiler!
Wenig überraschend ist Judy Winter eine tolle Hörbuch-Sprecherin, die mit ihrer Stimme sehr genau und gezielt Facetten aus dem Text herausarbeitet und den Figuren einen Charakter verleiht, ohne übermäßig die Stimme verstellen zu müssen. Man kann ihr sehr gut lange Zeit lauschen, ohne dass es eintönig wird.
Die Geschichte selbst hat mir in Hörbuch-Form noch etwas besser gefallen, als ich es vom Hörspiel in Erinnerung hatte. (Ich werde mir das Hörspiel die Tage noch einmal anhören, um besser vergleichen zu können.) Der Fall ist ein klassischer "Whodunit": Wer steckt unter der Verkleidung der Vogelscheuche? Und was ist sein/ihr Ziel?
Das ist wirklich spannend aufgebaut und auch die Tatsache, dass anfangs nur von der Vogelscheuche berichtet wird, schürt die Erwartung, bis die drei Detektiven das erste Mal tatsächlich auf sie treffen. Auch die Verdächtigen sind recht interessante Figuren, allen voran natürlich der titelgebende Dr. Woolley. Eine Szene, in der Justus von einem Strom an Killerameisen bedrängt wird, war wirklich ganz schön gruselig
Letitia ist im Buch ganz anders als im Hörspiel: Jung, modebewusst, eine Jetsetterin, die aus Liebeskummer in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist. Mrs. Chumley wirkt im Buch sogar noch mehr wie eine hinterhältige Natter, die sich nur lieb und freundlich gibt. Wer hier mit wem unter einen Decke steckt und wer sein ganz eigenes Spiel spielt, wird im (Hör-)Buch auch klarer. So zum Beispiel, warum Mrs. Chumley seit Jahren vorgibt, nicht gehen zu können. (Das war mir beim Hörspiel nie so ganz klar gewesen oder ich habe es jedes Mal überhört).
Eine Sache, die mir nicht so gut gefallen hat, sind die Fingerzeige, die hier von Albert Hitfield beigesteuert werden. Sie sind meiner Meinung nach zu direkt und würden, wenn man die Auflösung des Falls nicht kennt, zu viel spoilern (zumal die drei Detektive selbst gewisse Hinweise im Laufe der Szenen erneut erwähnen und so den Leser auch schon auf die richtige Fährte führen.)
Mein Lieblingszitate:
Ehemaliger Dozent von Gary Malz: "Das ist nicht gerade originell, aber originell war Gary eigentlich noch nie."
Letitia: "Ich bin es leid, Leute zu rufen. [...] Wenn ich nun schon verrückt werde, dann will ich das künftig still für mich tun."

Okay...
Alles in allem ein spannender Krimi, der nie langweilig wird und hervorragend eingelesen wurde.
10 von 10 Punkten