Ganz am Anfang hab ich mir noch gedacht… sie macht sich. Endlich mal ein langsamer Aufbau eines Verbrechens-Szenarios, kein sofortiges „Gegenstand XY ist weg“, sondern schrittweise Beobachtungen, Schlussfolgerungen und Pläne. Schön. Ich war sogar bereit, für den Aufbau zu überhören, wie dämlich diese Zwischenschritte sind - Peggy denkt keine fünf Meter weit und am Ende hat man das Gefühl, das größte Verbrechen an der Sache war für sie, dass ihr Onkel ihr ihre Zeichnungen weggenommen hat. Erst checkt sie nicht, warum sie die Museumsräume zeichnen soll, später schreit schon alles danach, dass ihr Onkel zu den Bösen gehört, aber sie will ihn dazu befragen und die Fünf Freunde wundern sich dann ernsthaft noch, warum sie nicht zurückkommt. Dann ist diese ganze Sache mit dem Edelstein im Katalog doch echt behämmert. Anne mutiert zur Expertin und ist sich sicher, dass ein und derselbe Edelstein gemeint ist. Ja klar. Spielt das später eigentlich noch ne große Rolle? Nee, irgendwie nicht.
Sprich: Auf welcher Grundlage die Fünf Freunde hier aktiv werden, hat schon was von „Wir haben extreme Langeweile, kann bitte irgendwas Spannendes passieren?“ - der Griff nach dem letzten Strohhalm.
Trotzdem hatte die erste Hälfte was. Referenzen an „auf der Felseninsel“ (12) und „Phantom vom Sherwood Forest“ (52) waren vorhanden und das fand ich toll.
Leider kann McClean immer noch nichts daraus machen. Selbst das unterdurchschnittliche Polarschiff von ihr hat diesen Verwandten-verpfeifen-Konflikt bereits besser rausgearbeitet.
Dazu wieder kein Whodunit, wieder ein ewig langes Finale, der Einfachheit halber stecken einfach alle in der Sache mit drin, Garcia overacted komplett unnatürlich, als Timmy endlich mal fünf Minuten weggesperrt wird, es gibt keinen Twist, der das Ganze nochmal spannend macht… Echt schade, da verfällt McClean wieder in ihre alten Muster. Warum nicht einfach die Folgen wieder kürzer machen, wenn man nur Stoff für 30 Minuten hat?
Übrigens… wer nimmt heutzutage eigentlich noch an einer Museumsführung teil? Ich glaub, ich hab das schon ewig nicht mehr gemacht. Klar, für ein Hörspiel bietet sich das an, aber alleine dieses „Wir sind schon nen Raum weiter, kommt ihr bitte?“ würde mir hart auf den Keks gehen. Find ich irgendwie so oldschool (ja, ich weiß, passt eigentlich auch zu den FF, aber bei McClean spielen die ja längst nicht mehr in den 50ern).
Wenigstens hat sie mit Mr. Sottleby mal einen wiederkehrenden Charakter erfunden, das darf man auch mal loben. Mit Rohrbeck hat dieser ja auch einen Sprecher, der eh bei Europa Stammgast ist, dennoch mag ich diese künstliche Performance mit absichtlich verstellter Stimme nicht sonderlich, nicht erst seit dieser Folge, sondern generell.
Bezeichnend übrigens, dass man Peggy in der Sprecherliste unterschlagen hat. Erwähnung im Klappentext muss reichen
Fazit: In Ansätzen (grundsätzlicher Aufbau in der ersten Hälfte) gut, aber leider wieder voller Logiklöcher und hinten raus ist die Luft schneller raus als aus einem zerstochenen Autoreifen. Schade.