Geister essen keinen Hering oder Das Katzenversteck
In Sommerberg verschwinden immer mehr Katzen. Die Pizza-Bande hat sich vorgenommen, die Tiere ihren Besitzern zurückzubringen, doch wo können sie nur sein? Ein Zufall bringt sie auf die richtige Spur und sie stoßen auf ein schreckliches Verbrechen...
Achtung, Spoiler!
Diese Folge ist vom Aufbau her wieder sehr typisch für eine Jugenddetektivserie (wie z.B. TKKG), wobei das Thema Tierversuche relativ unverbraucht ist. Ich kann mich zumindest nicht an viele Folgen anderer Serien erinnern, bei denen das Thema so im Fokus stand wie hier.
In dieser Folge steht Milli etwas mehr im Vordergrund und ist aktiver, was natürlich daran liegt, dass sie die Tierfreundin der Gruppe ist. Sie ist an manchen Stellen untypischer Weise sogar mutiger als Schräubchen, die aus irgendeinem Grund in dieser Folge mehrmals Steffi genannt wird (sowohl von den Figuren, als auch der Erzählerin).
Der Fall an sich ist ganz gut und hat ein schönes Erzähltempo. Es geht los mit einer "gemütlichen" Gewitterszene, dann wird das Problem (das Verschwinden der Katzen) erwähnt und anschließend setzen sich die verstreuten Hinweise nach und nach zusammen. Es gibt etwas Detektivarbeit und bei allem anderen hilft Kommissar Zufall, wie der Anzeige in der Zeitung. Das Finale ist unaufgeregt, aber schlüssig und am Ende reicht die Laufzeit sogar noch für eine kleine Feier in der Pizzeria, wobei es da eigentlich schön gewesen wäre, wenn die anderen Kinder dabei gewesen wären oder man Opa Oswald seine Katze zurückgegeben hätte. Eine verpasste Chance.
Die Sprechleistung ist wieder gut. Schade, dass die Reihe hier endet, jetzt, wo ich endlich die Stimmen von Milli und Schräubchen auf Anhieb auseinanderhalten kann.

Krystian Martineks Stimme ist für mich nicht besonders prägnant, aber das passt hier ganz gut, da man ihn ja auch nicht bei jedem seiner Auftritte sofort erkennen soll. Seine Leistung ist aber toll, ebenso wie die von Wolfgang Völz. Günther Dockerill (lange Zeit Erzähler bei TKKG) spricht hier mal einen echten Umsympathen - auch das kann er gut.
Die Geräusche und Abmischung sind über weite Teile wie gewohnt gut. Man hört akustisch sofort, ob sich die Kinder im Wald, einer Höhle oder einer Wohnung befinden. Allerdings sind manche Gespräche, die von der Pizza-Bande belauscht werden, viel zu leise abgemischt. Da musste ich die Lautstärke teilweise extrem hoch drehen, um überhaupt etwas verstehen zu können.
Das Cover zeigt wieder eine Szene, die so nicht wirklich im Hörspiel vorkommt. Ein Mann mit grauem Mantel und Schlapphut trägt mit einer bandagierten Hand einen Sack über der Schulter und schaut sich misstrauisch um. Hinter einem Baum steht die Pizza-Bande und beobachtet ihn. Um sie herum streunen Katzen durch den Wald.
Die Bildkomposition finde ich in Ordnung, wobei es seltsam ist, dass die Katzen beide so abgeschnitten sind. Die Zeichnung des Mannes ist detailreich und gefällt mir gut, die Kinder haben leider wieder recht ausdruckslose Gesichter und der Baum, hinter dem sie sich verstecken, sieht auch irgendwie flach und seltsam aus. Die Farbgestaltung gefällt mir sonst aber ganz gut.
Fazit:
Eine sehr solide Folge, die ein eher wenig verwendetes Thema aufgreift: Tierversuche und Tierquälerei. Dadurch ist die Stimmung hier auch nicht ganz so ausgelassen wie in den Naturfolgen, wodurch für mich ein bisschen der Humor in der Folge fehlt. Die Detektivarbeit ist recht gelungen und die Folge hätte so ähnlich auch bei TKKG erscheinen können (Da gab es ja auch schon Folgen, in denen sich Tim als Kurier bei einem Verbrecher aufgrund einer Zeitungsanzeige beworben hat). Die titelgebende Geisterthematik um den Bunker wird allerdings gar nicht bedient und wirkt wie eine nachträgliche Ergänzung, weil der Verlag etwas reißerisches im Titel haben wollte.
7 von 10 Punkten