Vorwort: Die Schritte Richtung 200 werden immer kleiner und jetzt ist es fast geschafft. Wohl ein Grund für Minninger & Körting, den Aufwand für die Umsetzung der Bücher unmittelbar vor diesem Meilenstein phasenweise zu reduzieren, mal mehr (Legende der Gaukler, Bann des Drachen), mal weniger (Geheimnis des Bauchredners). Denn selbst die kritischen Fans halten natürlich mindestens noch bis zu „Feuriges Auge“ durch. Die Buchvorlage zum „grünen Kobold“ las sich flüssig und bot einen vollkommen soliden, schlüssigen wie flüssigen Fall, dem lediglich ein paar Spannungsmomente mehr nicht geschadet hätten. Wie sieht’s mit dem Hörspiel aus?
Inhalt: Tante Mathilda hat im veganen Hotel Lakshmi eine unangenehme Begegnung mit einer grünen Kreatur mit pochendem Herzschlag. Grund genug, den Aufenthalt im Hotel vorzeitig abzubrechen - für die drei ??? hingegen ist das ein Anlass, sich in das Anwesen einzuquartieren und eine logische Erklärung zu finden...
Meinung: Zugegeben, originell klingt der Plot wahrlich nicht. Und die Geschichte selbst ist dann auch nichts, was es noch nie gab. Aber - ist es denn die Möglichkeit - endlich wird die Hörspielumsetzung eines guten Buches der Vorlage zu einem verblüffend hohen Prozentsatz gerecht. Es gelingt hier sogar richtig gut, alte Zutaten mit einigen unverbrauchten Ideen neu zu vermischen. Die Schere ist ebenso faszinierend gut angesetzt worden, kleinere, wenig relevante Nebengeschichten sind rausgefallen und die Langatmigkeit ist ebenso trotz der Länge von 75 Minuten beim Vorgänger geblieben und nicht auf diese Folge übergesprungen, mir fehlt gerade mal eine Szene aus der zweiten Hälfte. Und trotz der kleinen Kürzungen ist die Folge zumindest wenn man sie während einer anderen Beschäftigung hört, immer noch enorm komplex und nicht leicht zu durchschauen. Dass es dann - wie es bei Herrn Sonnleitner leider doch des Öfteren der Fall ist - auch nicht an einer völlig abstrusen Auflösung scheitert, sondern diese ziemlich glaubhaft und zufriedenstellend ist, darf man dann als Sahnehäubchen betrachten. Einfach eine runde Sache, in der Form selten geworden bei den drei ???.
Die Sprecherliste ist angenehm auf alle relevanten Personen zugeschnitten, sodass auch eigentlich niemand zu blass bleibt. Sehr schön ist ein Wiederhören mit Werner Cartano (Spencer), der bei den Fünf Freunden immer mal wieder als Bauer Green zu hören ist, er geht inzwischen auf die 90 zu und liefert dennoch eine starke Leistung ab!
Henrike Fehrs (Elodie) ist nach der letzten Trilogie „Schattenwelt“ (175) mal wieder bei den drei ??? zu hören und hat hier einen deutlich angenehmeren Charakter erwischt, auch wenn sie hier kurioserweise wieder etwas jünger klingt, als 2015 in der Rolle der plappernden Studentenanwärterin Samantha. Mir ist sie noch immer vor allem durch ihre sehr sympathische Leistung als „Shirley Holmes“ in der 40. Fünf-Freunde-Episode in Erinnerung.
Nachdem Udo Schenk schon in den aktuellen Veröffentlichungen bei TKKG und Fünf Freunde zu hören war, ist er nun auch hier dabei, sticht aber überraschenderweise als Mr. Rubberwood fast gar nicht hervor, ganz im Gegensatz zu seinen Rollen bei TKKG 209 und FF 131. War das übrige Ensemble zu dominant?
Weitere Sprecher sind u. a. Heidi Berndt, die als Patricia Grover eine absolut überzeugende Figur macht, Gernot Endemann als interessanterweise im Gegensatz zur Buchvorlage leicht gereizt agierendem Hotelbesitzer, der laut Tante Mathilda ein unmögliches Verhalten an den Tag gelegt hat (wohingegen der Hotelier im Buch absolut freundlich und mitfühlend war) und natürlich Karin Lieneweg als Tante Mathilda, die den Fall ins Rollen bringt, als einziges Urgestein außerhalb der Hauptsprecher noch dabei ist und wieder deutlich besser spielt als in Folge 195 „Im Reich der Ungeheuer“.
Erzähler Axel Milberg ist ebenso wieder viel besser drauf als zuletzt und zum ersten Mal sind mir die stimmlichen Ähnlichkeiten sowohl zum Peter Pasetti der ersten Folgen als auch zu dessen Matthias Fuchs wirklich bewusst geworden, seine Stimme ist quasi eine Mischung daraus und das gefällt mir aktuell gut. Die Hauptsprecher agieren auf solidem Niveau, wobei auffällt, dass Wawrczeck und Fröhlich die kleinen Humorelemente gelungener spielen als Rohrbeck, dem das nicht zum ersten Mal deutlich schwerer fällt.
Auch bezüglich der Atmosphäre will ich gar nicht groß Kritik üben. Zwar läuft die Folge einmal kurz Gefahr, sich in einem Trialog der Hauptsprecher leicht zu verlieren, aber ansonsten gibt es genug Szenenwechsel und durch das Setting auch keine ellenlangen Laberszenen in der Zentrale. Lediglich die Begegnungen mit dem Kobold hätten wirklich spannender ausfallen können, er wird leider tatsächlich eher als Aufhänger benutzt, auf den Autor Sonnleitner ziemlich schnell nicht mehr viel Lust hatte. Immerhin wird das nicht so plump aufgelöst wie in „Phantom aus dem Meer“ (171) oder „Geist des Goldgräbers“ (177). Schade übrigens, dass man die Gelegenheit nicht nutzt, sich von der Buchvorlage zu lösen und Tante Mathildas Begegnung mit dem Kobold live in Szene zu setzen. Aber da erwarte ich vielleicht einfach zu viel.
Die Musik ist passend, nervt nicht und wird auch gut innerhalb der Szenen platziert. Dabei greift man wenig überraschend auf neue und neuere Musikstücke zurück.
Insgesamt bin ich mit der Vertonung von Folge 199 sehr zufrieden. Dass die spannenden Momente etwas rar gesät sind, wird durch die jederzeit interessante Geschichte mit gelungen gezeichneten Charakteren und eine gute, solide Hörspielbearbeitung ausgeglichen. Man sollte der Episode allerdings schon ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit entgegenbringen, um gut folgen zu können, fürs Nebenbeihören ist der „grüne Kobold“ nichts. Die Tendenz geht klar zur 2+ und die Gesamtnote für den 190er-Block zieht Folge 199 auf jeden Fall nochmal nach oben, bis auf die Folgen 196 und 197 war nichts Starkes dabei. Das lässt hoffen, dass Folge 200 genauso kein absoluter Reinfall wird, wie es vor allem „Die Legende der Gaukler“ (198) und „Im Bann des Drachen“ (192) zuletzt waren. An der Buchvorlage sollte es dieses Mal definitiv nicht scheitern.
Freuen darf man sich übrigens auch auf die nächste Veröffentlichung aus der zweiten Planetariumsstaffel - „Das versunkene Schiff“, André Marx’ damals nicht veröffentlichter Erstling erscheint nämlich nur drei Monate nach seinem aktuellen Werk als Hörspiel und ist zur Abwechslung mal nicht von Dauer-Skriptautor André Minninger bearbeitet worden. Man darf also durchaus gespannt auf das Resultat sein.
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