Ich habe die Folge nun auch nochmal gehört und kann nun auch eine kleine Rezension schreiben. -
Achtung, Spoiler!
Die Folge macht einiges, was sonst für die Reihe eher unüblich ist, z.B. dass man nicht direkt bei den ??? anfängt; die Rückblenden, wenn Mrs. Holligan erzählt; und auch, dass es hier keine zweite und somit falsche Fährte gibt. Dafür kann die Folge in einem Punkt ganz groß trumpfen: Atmosphäre. Der Einsatz von Musik und Geräuschen ist wirklich sehr gelungen.
Die erste Szene beginnt etwas verwirrend, weil nicht sofort klar ist, wo wir uns befinden. Interessant auch, dass man sich hier dazu entschieden hat, Metzlas Stimme einzuspielen, während es im Buch damit beginnt, dass Mrs. Holligan schreiend aus der Toilette gestürzt kommt. So ist die unheimliche Stimme gleich präsent, aber man ist als Hörer auch eher gewillt, der alten Dame zu glauben. Katharina Brauren spricht sie großartig und man fühlt sofort mit ihr, was für die Geschichte sehr wichtig ist. Ich liebe den mitfühlenden Justus! (Auch in "Insektenstachel" finde ich die Szenen mit ihm und der alten Dame toll).
Das Gespräch in der Zentrale, ob man den Fall nun annehmen sollte oder nicht, ist sehr glaubhaft geschrieben und gespielt. Manches würde man heute vielleicht etwas anders formulieren, aber die Charaktere der drei Jungen werden gut eingefangen. Außerdem wird eine weitere Stärke der Folge klar: Die Dialoge sind sehr lebhaft und die drei Sprecher sind voller Elan dabei, da macht es wirklich Spaß, zuzuhören. Das fehlt mir doch ab und zu in den neuen Folgen, wenn man das mal so direkt miteinander vergleicht. Auch der Titel der Folge ist elegant ins Gespräch eingebaut und wirkt nicht wie ein "Title Drop".
Dass Mrs. Holligan in der Psycho-Villa aus dem Film wohnt, finde ich persönlich ein bisschen zu viel. Es passt zum Thema, ist aber einfach ein zu großer Zufall. Beate Hasenau ist natürlich großartig in der Rolle der rachsüchtigen toten Schwester und ihre Stimme ist hier wirklich gruselig.
Dann geht es ein bisschen hin und her: Wem kann man glauben? Mrs. Holligan oder doch Clarissa Franklin? Schön, dass hier Tante Mathildas Freundin Emily wieder auftaucht und sich damit zu ihrer besten Freundin etabliert hat.
Mein persönliches Highlight der Folge ist ohne jeden Zweifel das Gespräch zwischen Dr. Franklin und Bob. Der prasselnde Regen und dazu Judy Winters angenehme Stimme, die pointiert und facettenreich durch das Gespräch führt und sich auch mal Zeit für Pausen lässt. Ich könnte ihr stundenlang zuhören (Zum Glück hat sie wenigstens ein Hörbuch der Drei Fragezeichen eingesprochen). Auch Andreas Fröhlich liefert hier eine tolle Leistung, seine Zerrissenheit über seine Gefühlswelt ist wunderbar dargestellt und auch, dass hier mit Brenda mal wieder ein Einblick in das Privatleben der Jungs geboten wird, gefällt mir ausgesprochen gut.
Der Fall wird schließlich Stück für Stück aufgerollt und die Puzzleteile fügen sich zu einem Ganzen zusammen. Clarissa Franklin lebt mit dem Anwalt von Mrs. Holligan zusammen, dem Mann, dem Justus im Treppenhaus der Arztpraxis begegnet ist. Im Testament sind dann von 20 Millionen die Rede, obwohl Mrs. Holligan zuvor Justus gegenüber gesagt hatte, sie sei nicht vermögend. Das passt nicht ganz zusammen, aber vielleicht wollte sie mit ihrem Reichtum auch einfach nicht hausieren gehen? Ich muss das Buch vielleicht doch nochmal ganz lesen (Ich habe neulich nur die ersten Kapitel wegen der Frage nach der Gemeinschaftspraxis überflogen). Dass Fettes Brot die Anrufbeantworteransage machen ist zwar an sich ein netter Cameo, reißt mich hier aber leider doch raus, weil es einfach unglaubwürdig ist, dass man dafür drei Mitarbeiter bemühen würde. Da hätte ich es wirklich besser gefunden, wenn Mr. Cliffwater das Band selber besprochen hätte.
Das Finale ist sehr spannend, denn Clarissa Franklin wird plötzlich eiskalt und befiehlt ihrem Verlobten, die drei zu erschießen.
Zum Glück kommt ihnen Mrs. Holligan mit der Polizei zu Hilfe. Und dann kommt ein unvergessliches Outtake als Schlusslacher.
Die Folge ist nicht gänzlich ohne kleine Unstimmigkeiten, aber dafür ist sie so atmoshärisch dicht erzählt und hat mit Judy Winter, Katharina Brauren, Beate Hasenau, Marianne Kehlau und Thomas Schüler eine wirklich sagenhafte Besetzung, dass ich nur die Höchstwertung geben kann.
10 von 10 Punkten