Benjamin Blümchen 008 – auf dem Baum
Alte Bewertung: 10 Punkte
„Wir brauchen keine Feuerwehr, hier muss nur Benjamin Blümchen her!“
Als Kind zählte Folge 8 nicht zu meinen Lieblingsfolgen, sie stieg erst mit zunehmendem Alter in den Olymp auf, früher wusste ich die Stärken dieser Produktion noch nicht ganz so zu schätzen (gehasst habe ich sie aber nie, lief einfach nur unterm Radar).
Benjamin und Otto sind also befreundet, seit Otto ein ganz kleiner Junge war? Na ja… Auslegungssache.
Die Folge hält sich gar nicht mit langem Vorspiel auf und kommt sogleich zur Sache. Putzilein sitzt auf dem Baum und muss gerettet werden! Dabei geht es direkt los:
„Sie sind ja fast so groß wie ein Elefant!“ – „Ach was Sie nicht sagen, das ist ja sehr interessant!“
„Hey, wasn hier los?“ - „Vogelrettung, Benjamin steigt hinauf.“ – „Ach so, ich dachte, es wär was Interessantes.“
„Komm, steig auf meine Hand!“ – „Geht so?“ – „Jajaja… ahhh!“
„Putzilein! Gleich ist der dicke Onkel bei dir!“
„Putzilein, du bist ungehorsam! Dafür darfst du eine Woche nicht fernsehen!“ – „Ich hab das Gefühl, die Dame hat nen leichten Haschmich…“
„Ich bedanke mich herzlich… So, und jetzt tun Sie Ihren Rüssel-Dingsda von meinem Balkon, ja?“
Besser kannst du so eine banale Vogelrettung nicht erzählen!
Und dann geht es auf dem Baum so genial weiter:
„Ich bin ein Mensch. Menschen können sprechen!“ - „Manche Elefanten auch! Vor allem erfundene.“
„Jeder tut nur seine Pflicht. Bumm-bumm. Und dann ist er tot. Wenn alle Nein zum Krieg sagen würden, dann gäb‘s keine Kriege mehr!“
„Ich muss den Baum jetzt umsägen. Und wenn Sie nicht heruntersteigen, dann hol ich die Polizei“ – „Au ja, ich unterhalte mich gerne mit Polizisten, die sind immer so niedlich mit ihren Mützchen und sehen sich alle so ähnlich, wie ein Ei dem anderen.“
„Sagen Sie mal, Sie haben nicht zufällig nen Schnaps bei sich? Nein, geht ja gar nicht, ich bin ja im Dienst.“
Sehr geil auch, wie der Polizist ganz alleine versucht, mit einer immer größer werdenden protestierenden Menschenmenge zurechtzukommen.
„Hör doch endlich auf, mich immer Polizeirat zu nennen. Ich bin Kontaktbereichsbeamter!“ – „Machen Sie sich nichts draus. Es muss auch solche Berufe geben.“
„Das ist ja Stadtrat Piefke!“ – „Und dahinter Frau Stadtrat Paffke!“ – „Und dort kommt Bürgermeister Daffke!“
„Eben ist doch mein Name gefallen!“ – „Wohin denn?“
„Oh, das war die falsche Rede… Ist hier nicht die Eröffnungsfeier des Seniorenheims Ruhesanft?“
„Dieser Baum hier soll gefällt werden.“ – „Dieses hübsche Bäumchen? Ach, das wär ja schade. So niedliche Blättlein!“
„Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir…“ – „Hier, ein Stück Kuchen!“ – „Das ist doch keine Schlagzeile!“ – „Nein, Schlagsahne!“
„Ich hab zuuufällig eine Literflasche Champagner dabei!“
„Ich kann den Bürgermeister nicht leiden!“ – „Kennen Sie einen, der ihn leiden kann?“ – „Na, es soll da irgendwo im hohen Norden einen Eskimo geben…“
„Oooch, ich sitze blendend auf Friedrich!“
Und dann der Stoff der 5. Klasse Biologie hervorragend eingebracht… war schön damals, als man mit der Antwort „Fotosynthese“ nicht viel falsch machen konnte
„Ohne diese Luft vom Baum gäbe es uns alle nicht.“ – „Ach, manche von uns könnte ich durchaus entbehren, Herr Stadtrat!“
„Das Leben besteht nicht nur aus Spielen, mein Junge.“ – „Aber Sie spielen doch auch ständig Polizei, Herr Polizeirat!“
„Mir ist kalt!“ – „Na dann kommen Sie da runter, ich werd Ihnen schon einheizen!“
Der Bürgermeister hat sich ein Fahrrad gekauft! Bedauerlich, dass das nicht sehr lange benutzt wird…
„Wir können die Straße ja gleich ganz sperren!“ - „Also Kind, du hast vielleicht Ideen! Also komm, komm, komm, geh zu deiner Mami, spielen!“
„Dabei sagen Sie doch immer, dass Kinder gleichberechtigt sein sollen. Hab ich gestern im Radio gehört!“ – „Das lief aber in keiner Kindersendung!“
Ich liebe es. Die Folge spielt die ganze Zeit am gleichen Ort und ist trotzdem kein Stück langweilig. Es baut sich langsam auf, schon das Vorspiel mit Putzilein ist grandios und wird dann immer größer. Tut auch richtig gut, nach Bibi 7 wieder eine coole Karla zu erleben. Ob Herr Fröhlich wohl seinen Job behalten darf?
Also, an dieser Folge gibt es wirklich nichts auszusetzen. Kurzweilig, mit fantastischen Wortwechseln vollgestopft, hinten raus noch lehrreich, tolle Figuren und ein sehr wichtiges Thema, das hier hervorragend rübergebracht wird. Sozusagen Benjamins „Kuh im Schlafzimmer“, nur eben wesentlich realistischer. Das beste Beispiel dafür, dass man Charaktere nicht völlig bescheuert handeln lassen muss, um legendäre Dialoge zu kreieren.
Und dann noch dieses „Nein“ – „Doch“ – „Nein“ – „Doch“ am Anfang, das mit Frank Schaff so wunderbar kabbelnd rüberkommt. Da kann sich Rosenberg mal ne Scheibe von abschneiden.
Ich liebe diese Folge von A bis Z und man kann kaum treffender zeigen, dass eine Folge mit sehr begrenzten Handlungsorten und dementsprechend auch eher eingeschränktem Klangteppich mitnichten belanglos sein muss. Ein Meisterwerk für die Ewigkeit.
Keine Frage, dass sich Folge 8 an die Spitze der Rangliste setzt. Ich zweifle kein bisschen daran, dass die knappe Führung von Benjamin ausgebaut wird.
10/10