Benjamin Blümchen 024 – als Detektiv
„Wo ist denn das verschwundene Tier?“
„Ja, das wollen wir ja von Ihnen wissen!“
Das ist mal wieder so eine Folge, die ich irgendwann ein Mal gehört habe, aber richtig bleibende Eindrücke hat sie damals nicht hinterlassen, ich kann heute kaum noch sagen, wie sie mir gefallen hat.
Benjamin liest also seit Neuestem Krimis, übt Anschleichen (klappt noch nicht so gut) und will prompt selbst Detektiv werden. Und wie das bei Benjamin so ist, geht sein Wunsch ganze 3 Sekunden später in Erfüllung (was hier, wenn man so drüber nachdenkt, auch irgendwie leicht makaber ist

).
Großes Drama: Li ist weg! Wer? Na, das Pandababy! Kennt man aus Folge… ah, nee… bisher kannte man es noch nicht. Und offensichtlich kommt es auch nie wieder vor. Na ja, vielleicht liegt es ja daran, dass es am Ende dieser Folge verschwunden bleibt – wäre mal was Neues

Finde es richtig stark, wie Till Hagen hier performt. Man nimmt es ihm total ab!
Nachdem Benjamin also mal wieder Herrn Tierliebs Tür zerdeppert hat (ich lieb’s, vermutlich haben sie Hermann Wagners „Benjamin!“ irgendwann schon gar nicht mehr extra aufgenommen

), darf auch Herr Tierlieb einmal heulen und theatralisch werden – und feuert Karl! Das ist so dermaßen schockierend für die jungen Hörer, dass dieser Zustand ganze zehn Sekunden anhält, bevor er wieder aufgelöst wird. Wow… das ist selbst für Benjamin-Plots beeindruckend kurz.
Schwuppdiwupp ist Benjamin also Detektiv. Halt, nein, so wie ein Koch seine Kochmütze braucht, um Koch sein zu können, braucht ein Detektiv natürlich eine karierte Detektivmütze. Ohne die geht ja mal gar nichts! So viel Zeit muss sein. Das Pandababy ist weg, Karls Job scheint mir immer noch in Gefahr zu sein und Benjamin und Otto gehen erst mal zum Zeit überbrücken 30 Portionen Himbeereis mit Sahne essen. Ich hoffe mal, die waren bedarfsgerecht aufgeteilt…
Mit dem Polizisten Rolf Ratlos führt man eine Figur ein, die man definitiv öfter hätte auftreten lassen können. Das Gespräch zwischen ihm, Karla und Karl ist wirklich amüsant anzuhören und bei seinem „Schreiben Sie doch mal was Nettes über die Polizei“ musste ich sehr schmunzeln, Donnelly und die Polizei, ein schwieriges Verhältnis
Derweil hat Benjamin immer noch nicht mit den Ermittlungen angefangen und gönnt sich erstmal im Süßwarenladen ein paar viele Zuckerstückchen. Na, so ganz dringend scheint das mit der Suche nach Li ja irgendwie nicht zu sein, auch wenn Benjamin behauptet, dass er bereits „in einer geheimen Angelegenheit detektiviert“.
Aber wie es der Zufall will, ist Benjamin absolut richtig an seinem Zwischenstopp und bekommt einen Tipp auf dem Silbertablett serviert, den er leider nicht begreift. Also zurück zum Zoo: „Ach, Sie können ja sprechen. Wie süß…“ Er ist wirklich scharfsinnig!
So abwegig wie Karl finde ich es ja nicht, bei einem Pandabären auf Eukalyptus zu kommen. Bei Benjamin fällt der Groschen und wir haben eine Verdächtige: Ein kleines blondes Mädchen, das bislang leider überhaupt nicht in dieser oder einer anderen Geschichte vorkam. Schade…
Benjamin besucht Otto und sagt dann, dass Otto ihn nicht länger stören soll

Eigentlich schade, dass Otto hier mal wieder ziemlich außen vor ist und gar nicht so viel Screentime bekommt. Benjamin löst den Fall lieber alleine. Interessant, dass der Erzähler an ihm zweifelt und Kommissar Ratlos quasi für kompetenter hält
Benjamin verfolgt also eine heiße Spur aus Eukalyptusbonbon-Papierchen vom Bonbonladen bis in die Ahornstraße – in ganz klassischer Detektivmanier. Schon ein bisschen schade, wie gradlinig die Geschichte verläuft…
Natürlich findet Benjamin das Mädchen mit den traurigen Augen und schafft es sogar, sie ganz unauffällig zu beobachten.
So, und nun kommt der Moment, wo ich mir denke: Alter, was geht denn jetzt ab? Also, ich meine nicht, dass das Mädel absolut nicht reimen kann, sondern eher, wie ihre Rolle angelegt ist. Sätze wie „Mein kleines Baby, jetzt sei mal lieb zu deiner neuen Mami. Ich bin doch immer so alleine. Aber endlich hab ich dich, mein süßes kleines Bärchen“ könnten direkt aus einem Psycho-Thriller stammen. Da hab ich nur gedacht: Die haben auch nur deshalb keinen Erwachsenen dafür genommen, weil das für die Serie zu krass gewesen wäre.
Nun darf auch Edgar Ott einmal vor Rührung weinen und emotional werden. Ja, wieder sehr theatralisch, aber ich finde es mega, wie er sich da reinkniet, man nimmt es ihm einfach total ab. Bei Frank Schaff wirkt es dagegen nicht so authentisch. Aber vielleicht ist er wegen der kaputten Tür (schon die zweite in dieser Folge!) noch angefressen. Die Haustür von Ottos Eltern scheint Benjamin ja immerhin verschont zu haben.
Worin Karlas Idee besteht, ist natürlich schnell klar. Schon praktisch, dass die Zeitung selbst dann zahlt, wenn sie davon gar nichts hat, aber okay
Im Gespräch mit der Claudi setzt sich mein Eindruck von ihr fort. Das Mädel wirkt total creepy auf mich und ich bin irgendwie zum ersten Mal ganz froh, dass Benjamin eine gewaltfreie Kinderserie ist, ansonsten hätte die Konfrontation durchaus auch anders verlaufen können. Eigentlich schade, dass man die Kindesvernachlässigung nur als Mittel zum Zweck einsetzt, das Thema hätte eine eigene Folge gut vertragen können.
Herr Tierlieb übertreibt aber schon ein bisschen. Weil das Pandababy weg ist, müssen alle anderen Tiere auch weg? Okay…
Benjamin versucht offenbar, in dieser Folge einen Rekord aufzustellen und ballert die dritte Tür weg. Witzig, wie Herr Tierlieb fragt, was er mit dem Geld (das Karla natürlich permanent mit sich rumträgt) soll – wann braucht er mal keins?
Das Ende könnte evtl. dazu geführt haben, dass viele Kinder schicke Mützen und Lupen haben wollten – schließlich ist das die Basis, um als Detektiv erfolgreich zu sein, nech?
Also, die Folge ist schon irgendwie ganz nett. Sie bietet gute Figuren, eine leicht unfreiwillig gruselige Story und lässt sich gut durchhören. Leider läuft alles ziemlich gradlinig und ohne falsche Spuren ab, aber die etwas unheimliche Claudi macht das wieder ganz gut wett.
Kein Highlight, aber stabil. Es wird allerdings wohl nicht gegen Bibi reichen.
7/10