Achtung, Spoiler!
Die Folge "Der Fluch der Sheldon Street" beginnt mit einer lebhaften Szene im Café, ehe es dann um die Entdeckung einer versteckten Filmrolle geht. Das Band zeigt eine Frau und eine gruselige Geistergestalt. Das ist direkt mal ein spannender Aufhänger! Auch die Jungdetektive sind angefixt und nehmen die Ermittlungen auf. Diese sind anfangs auch noch ganz interessant (z.B. bei Mrs. Sullivan) oder machen Neugier (die Angst der Bewohner der Sheldon Street), aber danach sackt die Spannungskzrve für mich leider etwas ab.
Die Besichtigung der Jagdhütte ist zwar durch Justus verbale Kabbelei mit dem ungewöhnlich ängstlichen Bob, der selbst Peter Konkurrenz machen könnte, sehr witzig - aber so richtig gruselig oder spannend wird es für mich nicht. Anschließend rollt Inspektor Cotta dann anhand des Bildes fast den kompletten Fall alleine auf. Er erklärt, wer Rafnik war, seine Verbindung zur Mafia und alles weitere. Auch Justus muss zugeben, dass der Fall somit eigentlich aufgeklärt ist - ohne das die drei viel dazu beigetragen hätten. (Sie haben mit dem Fund des Films die Sache ins Rollen gebracht und später mit dem Fund des Rings Indizien beigetragen, aber das war es dann auch.)
Zu guter letzt kommt dann doch noch eine Wendung: Der scheinbar tattrige Mr. Gabbin entpuppt sich als wahrer Hintermann, der Rafnik die Befehle gab und seine Frau selbst getötet hat, als diese ihn auffliegen lassen wollte. Das ist ganz schön hart für ein Jugendhörspiel, aber weil es ein Cold Case ist, wohl kein Problem. Ich habe aber ein kleines Problem damit, dass Gabbin beim ersten Besuch direkt den schwachen, greisen Mann gemimt hat, als hätte er da schon gewusst, dass die drei ihm gefährlich werden könnten. Er wusste doch noch gar nicht, worum es geht, hat aber direkt eine Show abgezogen. Aus der Sicht des Autors war das natürlich nötig, damit der Twist am Ende funktioniert, aber irgendwie fand ich das trotzdem etwas aufgesetzt und gewollt.
Da die Geschichte den 1. Teil des DreiTags darstellt, fallen die Elemente, die erst in den späteren Teilen eine größere Relevanz haben, hier etwas negativ auf. Man fragt sich, was jetzt das eine mit dem anderen zu tun hat, und bekommt keine Antwort darauf - auch wenn das natürlich so vom Autor beabsichtigt ist. Darum kein richtiger Kritkpunkt, aber es kann ggf. den Hörgenuss etwas schmälern.
Was jedoch sehr gut funktioniert, sind die Dialoge. Sie sind witzig geschrieben, man hat ein tolles Zusammenspiel zwischen den Hauptsprechern und auch die Gastsprecher gefallen mir gut, zum Beispiel Jürgen Thormann, Marion Elskis und nicht zu vergessen Bastian Pastewka, der überzeugend zwischen stotterndem Muttersöhnchen und bedrohlichem Schlägertypen wechselt. Außerdem bereitet seine Figur mit der Offenbarung, was der von ihm für einen Spottpreis abgekaufte Novalux-Projektor eigentlich wert ist, die herrliche letzte Pointe des Hörspiels vor: "Wer ist dafür, dass wir dieses Detail aus dem Protokoll streichen?"
Insgesamt eine gute Folge, die leider die am Anfang kreierte Spannung nicht konsequent aufrecht erhalten kann.
7 von 10 Punkten