Benjamin Blümchen 096 – Der Bananendieb
Alte Bewertung: 10 Punkte
„Wer mag eine Banane? Oder mehrere? Man darf mich jetzt abpflücken!“
So langsam war’s das mit der Nostalgie. Die vorletzte Folge meiner Kindheit und möglicherweise auch die letzte 10-Punkte-Folge der Serie. Bananen sind mein Lieblingsobst, was jetzt vielleicht nicht unbedingt überraschend kommt

Dementsprechend mochte ich auch diese Folge immer sehr.
Benjamin hat ein sehr intelligentes Rätsel entworfen: Was schmeckt besser als ein Zuckerstückchen? Gut, bei dem Folgentitel ist man wohl tatsächlich geneigt zu sagen: eine Banane. Aber so weit lässt man es dann doch nicht kommen, dass Benjamin deshalb plötzlich auf Bananen umsteigt.
Geht Otto immer ohne Geld ins Kaufhaus? Da wird er es bestimmt weit bringen

Leider ist es schnell vorbei mit Kurbelklaus und Ali Baba, denn Kiddinx hat eine neue fiese Stimme entdeckt: Die von Hasso Zorn (welch passender Name), der hier tatsächlich das einzige Mal für Kiddinx im Einsatz ist, zumindest, was die drei großen Serien angeht. Er geht aber gleich voll in seiner Rolle auf, gefällt mir. Nach gerade mal fünf Minuten fliegen bereits die Vorurteile: Das fahrende Volk macht nur Krach und klaut. Na, wenn Benjamin und Otto da jetzt nicht noch eine Rechnung offen haben…
Auch die anschließende Szene im Stadtpark beim Wohnwagen von Kurbelklaus ist sehr gelungen, vor allem wegen Hans Teuscher. Ist halt die Frage, ob Klaus vom Direktor eine Genehmigung fürs Spielen bekommen hat. Sonst könnte er sich auch einfach auf die Straße stellen.
Fraglich, ob es so ein gutes Argument ist, dass viele Kunden nur wegen Klaus ins Kaufhaus kommen, denn das Kaufhaus selbst hat davon ja streng genommen nichts – wenn die Leute nichts kaufen und nur zuhören wollen.
Normalerweise ist Kindergeschrei in Hörspielen immer mindestens hart an der Schmerzgrenze, hier finde ich die Drillinge von Herrn Sorgentreu einfach drollig und Heidrun Bartholomäus mal außerhalb ihrer Rolle als Tante Lissy zu hören, gefällt mir. Die Geschichte bleibt allerdings erst mal die Begründung schuldig, warum man Herrn Sorgentreu nach Hause begleitet und wieso seine Familiensituation wichtig ist. Da wird dann schon klar, dass das noch relevant wird.
Sven Plate gibt einen sehr sympathischen, laut überforderten Familienvater ab, dessen positive Sicht auf die Welt derart unerschütterlich ist, dass er ernsthaft enttäuscht reagiert, als Herr Gernegroß ihm keine gute Besserung für seine Frau wünscht. Arbeiten die beiden erst seit gestern zusammen? Auch beachtlich, wie gut sich die Drillinge schon artikulieren können und klarmachen, was sie wollen und was nicht. Die haben alles im Griff
Sehr geil, wie Otto Benjamins Rätselwitz vom vorherigen Tag wiederverwendet
Dass Ali Baba unter Verdacht gerät, die Bananen gestohlen zu haben, ist ja streng genommen Unsinn, schließlich sind die Bananen nachts verschwunden und wie sollte ein Affe ins Kaufhaus gekommen sein? Eigentlich müsste die Polizei erstmal nach Einbruchsspuren suchen, hier wird aber gleich drastisch vom Wachtmeister durchgegriffen. Dass das wegen der zwei Bananen im Leierkasten passiert, funktioniert deshalb nicht so recht, weil es Zeugen dafür gibt, dass die geschenkt waren.
Natürlich kann sich jeder Hörer zusammenreimen, wer wirklich der Bananendieb ist, aber es gefällt mir sehr, dass der Antagonist der Geschichte nicht für alles verantwortlich ist.
Nun kommen wir also zu dem Teil der Geschichte, der mir als Kind immer am besten gefallen hat: Die Nachtwache im Kaufhaus. Ich mag es total, wie Benjamin und Otto sich dort verstecken, mit Karla über Funk kommunizieren und Benjamin sich dann als Kuscheltier in Lebensgröße ausgibt, um nicht aufzufliegen.
So geil auch, wie der Erzähler sich echauffiert: „Hey! Hallo! Was sind denn das für Detektive?“
Schlafen die einfach ein, geht gar nicht! Aber Benjamin ist ja lernfähig und konstruiert eine Falle.
Benjamin tut der Rücken weh, weil Otto auf ihm steht? Er hat aber körperlich ganz schön abgebaut
Die Auflösung ist natürlich wenig überraschend und sehr vereinfacht. Herr Sorgentreu hat offenbar keine Bekannten, die ihm den Einkauf einfach mal mitbringen können – und auf die Idee, die Drillinge einfach mit zum Einkaufen zu nehmen, ist er wohl auch nicht gekommen. Wirklich ein etwas vertrottelter Charakter…
Lustig, wie der Erzähler versucht, seine Unfähigkeit im Raten auf die Hörer abzuwälzen: „Och Kinder, da hätten wir doch wirklich früher drauf kommen können, oder?“
So süß, wie Benjamin in Verlegenheit gerät, als Frau Sorgentreu ihn zum Tänzchen auffordert

Verständlich, dass er ihr nicht auf den Fuß treten will
Das Ende mit dem wandelnden Bananenberg mochte ich auch immer besonders gerne. Man nimmt Herrn Gernegroß seine Reue auch wirklich ab und ich habe es mir immer lustig vorgestellt, wie alle ihm die Bananen vom Körper pflücken.
Wie schon die 95 ist auch diese Folge eine, die eher den neuen, kindlicheren Stil, der ab ca. Folge 83 stark zum Tragen kommt, repräsentiert. Natürlich ist schnell klar, wer der Bananendieb ist und die Vorgehensweise der Polizei ist auch fragwürdig. Aber die Figuren dieses kleinen Kaufhaus-Krimis trösten über diese Schwächen locker hinweg. Die Sprecher sind top, die Story hat keine Durchhänger und die Nacht im Kaufhaus ist sehr gelungen inszeniert. Leider habe ich hier gerade keine Bananen, nur Blaubeeren da, aber ich bekomme schon wieder Hunger drauf.
Mit ein bisschen Nostalgie und Kindheitsbonus oben drauf gibt es auch hier weiterhin die Höchstpunktzahl. Und ich bin gespannt, ob da nochmal eine Folge rankommt.
10/10