Rezension zur Hörspielfolge 123
„in der Spielzeugfabrik“
(Enthält Spoiler!)
„Das ist schon verrückt, was unser liebster Elefant da zusammenträumt.“
Oder: Elefant ohne Batterieantrieb sucht Abenteuer mit „Happy Meal“-Spielzeug
Das Cover:
Ziemlich überladen mit Grau und Silbertönen zeigt sich unser sprechender Lieblingstrompeter grinsend neben einem Fließband. Da hat der Covergucker gleich ein bisschen was zu entdecken- so scheint es auf dem ersten Blick. Doch dann sieht man, dass das ja bloß kleine Roboterähnliche Figuren sind und von denen eben immer dieselben, mit dem gleichen stumpfen Gesichtsausdruck, die sich darüber zu freuen scheinen, dass ihnen ein Aufziehschlüssel aus der Brust wächst. Im Hintergrund gibt es ein kleines Maschinchen und der Erfinder Eddison ist auch dabei und zeigt Benjamin gleich mal, wie das mit dem Aufziehen so funktioniert. Das Benjamin eh nicht hinguckt, ist aber nicht tragisch. Dafür gibt es wirklich schlimmere Coverbilder, ein Oberkracher ist das aber auch nicht. Passt zumindest zum Titel. Supi.
Zur Geschichte + Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt nicht mit einem großen grauen Berg, der auf der Wiese liegt und törötet, sondern mit knirschenden Geräuschen direkt aus der Fabrik. Dass sich einmal meine Ohren vor Empörung zusammenziehen, während ich die erste Sekunde in eine Benjamin-Hörspielfolge hinein höre, hätte ich mir vorher auch nie erträumt. Aber hier war das der Fall. Ziemlich rumpliger Start, aber da wollte wohl einer der Macher sofort und ohne viel Drumherumgerede in die Vollen gehen. Und so befindet sich der Hörer zusammen mit dem Rothut-Elefant, einer wild knipsenden Karla, Klugscheißerchen Otto, ich-bin-da-aber-unwichtig-wie-immer-Stella sowie Mr Spongebob-Stimme Eddi Eddison in einer Fabrikhalle. Weil, wisst ihr, der Herr Eddison ist nämlich „unter die Spielzeugerfinder“ gegangen! Gratulation, was für ein Karriereaufschwung!
Nun stehen unsere Fabrikhelden also da und bewundern wie Flugzeuge, Schiffe und andere tolle Spielzeuge ausgestanzt werden und über das Fließband laufen. Man, ist das spannend! Stella kann auch alles so wunderschön mit ihrer Ober-Pfadfinderinnenstimme erklären, sodass ich den ersten Anfall von Müdigkeit bekomme. Aber hey… es geht ja noch weiter. Das waren erst mal die ersten zwei Minuten einer sehr aufregenden Folge… Okay, ich glaub da schon jetzt nicht mehr dran, zugegeben.
Als Benjamin und Co dann entdecken, dass es außer den genannten Spielzeugen auch „Figuren“ gibt, überschlagen sie sich beinahe vor Begeisterung. Und tun glatt so, als hätten sie noch nie zuvor eine Spielzeug-Aufziehpuppe gesehen. Da heißt es doch tatsächlich- kein Witz-:
Benjamin: „Eine Figur! Mit Armen und Beinen.“
Otto: „Und Händen und Füßen dran.“
(Dies bleibt weiterhin ohne jeden Kommentar. Es gibt Dinge, die sind so doof, dass sie nicht mal einen bösen Kommentar wert sind, sorry.)
Diese tollen Figuren also sind die kleinen Monster-Charaktere, um die es im weiteren Verlauf dieser gnadenlos moralisch sülzenden Folge geht. Die müsst ihr euch so vorstellen: Kennt ihr die Plastikdinger aus den „Happy Meal“-Tüten von McDonalds? Die, sobald man die einmal bespielt hat, sofort kaputt gehen und die eigentlich gar nichts können? Die Kinder wollen sie aber trotzdem haben, weil die putzig aussehen und weil sie nach Pommes, die auch in der Tüte war, riechen. Kinder lieben Pommes. Und genauso habe ich mir irgendwie diese sogenannten „Mäxchen“ vorgestellt. Zu nichts zu gebrauchen, nach einmal spielen total langweilig und ziemlich schnell schrottreif. Das mit dem Pommesgeruch kann ich aber jetzt leider nicht bestätigen, tut mir Leid.
Wunderschön, dass meine Vorstellung auch noch bestätigt wird: Es gibt verschiedene Ausführungen des Spielzeugs. Der „Paddelmax“ kann schwimmen (Irre! Sogar im Planschbecken und in der Badewanne, wenn man ganz genau ist auch im Waschbecken). Und der „Flattermax“ kann… na? Genau, er kann flattern. Also fliegen. Aber nur wenn er aufgezogen wird, versteht sich. Batterien kennt Eddison leider nicht. Die hat seine Mutter ihm nämlich schon, als er noch ein Erfinder mit Schuhgröße 28 war, streng verboten. Damals, als er gerade wusste: „Mama, ich will ein Erpfinda wärden!“ hat seine Mama immer gesagt: „Na gut, Eddiwurm, aber keine Batterien! Die sind böse!“ Eddison hat bis heute nicht verstanden, warum, aber er ist seiner Mama treu geblieben.
Jedenfalls gibt es neben den beiden genialen Erfindungen Schwimmi und Flatti auch ein normales Mäxchen. Das kann leider gar nichts. Wie langweilig. Das kann nur laufen. Selbst die Spielzeuge aus der McDonalds-Tüte können meistens mehr. Die haben sogar manchmal Lämpchen.
Als das Fließband auf einmal anhält, erschrecken sich alle zu Tode. Eddison hat wohl vergessen das Band zu ölen. Oder er hat beim Reparieren ein Käsebrötchen gegessen, das jetzt zwischen den Schrauben und Muttern klebt und vergammelt und dabei die weltwichtige Mäxchen-Produktion in Gefahr bringt. Ach egal, irgendwie ist die „Schrottmaschine“ dann doch nicht wichtig genug und Benjamin und seine Freunde werden ans andere Ende der Halle gebracht und aufgeteilt.
Denn wer gedacht hat, dass Benjamin einfach so in eine Spielzeugfabrik stampft, hat sich aber sowas von geirrt! Benjamin ist dort, weil er natürlich die Mäxchen testen will. So wird aus einem Besuchstörööö gleich ein Testtörööö und der Hörer denkt: Was für ein toller fleißiger Kerl, der Benjamin! Kann sogar mit seinen tellergroßen flachen Elefantenfüßchen Spielzeug testen! Tja ja, wer noch nicht weiß, dass Benjamin einfach alles kann, der sollte die anderen 122 Folgen nochmal hören, bitte.
Während Klugscheißerchen Otto natürlich am liebsten Modellschiffe testen möchte und Pfadfinderin Stella es total auf die Flugzeuge abgesehen hat, bleibt Benjamin allein zurück und testet einen Paddelmax. Er guckt sich vergeblich nach dem Mc-Drive-Schalter um, um zu schauen, ob wieder ein Kunde mit seinem Wagen vorgefahren ist und er den Max in eine quietschbunte Tüte zu den Pommes und dem Cheeseburger packen soll, aber er findet nichts, lediglich den Aufziehschlüssel für das Spielzeug, das die Welt noch gebraucht hat. Also zieht er das Ding kurzerhand auf. Das Weltretter-Spielzeug tappst herum und bald schon befindet McBenjamin: „Irgendwie macht mich das Umkreisen so müde.“
Benjamin scheint wohl langsam in die Jahre zu kommen. Früher hat er so viel Ausdauer gehabt. Jetzt bringt ihn ein kleines Spielzeug schon zum Wegdämmern. Aber genauso ging es mir auch, während ich die Folge gehört habe. Kann Benjamin also verstehen. Kann ich wirklich.
Ein glitzerfeines Geräusch ertönt, das dem Hörer verrät: Oh, jetzt wird geträumt!
Toll, denke ich, juhu! Traumgeschichten sind doch einfach traumhaft. Fand ich die Benjamin träumt sich in eine Elefantenwelt-Folge immer ganz toll. Die hatte aber auch wirklich Charakter. Nur diese „Spielzeugfabrik“-Träumerei lässt alle Seifenblasen zerplatzen, die noch versprachen, dass es hier ähnlich gut zugehen könnte.
Benjamin erträumt sich ganz einfallsreich, dass er klein wird, genauso klein wie die Mäxchen, die dann auch noch sprechen können, ihn beleidigen und frech werden, weil Benjamin ja nichts kann, also nicht so wie sie schwimmen oder flattern kann. Benjamin wäre dann also eines der McDonalds-Spielzeuge, bei denen man nur auf einen Knopf, der im Rücken gestanzt ist, drücken kann und der immer krächzender „Töröö“ machen würde, bis die nicht auswechselbare Batterie leer ist. Wisst schon.
Benjamin lernt, während er beschimpft wird und sich das gefallen lässt, einen harmlosen Max kennen, der nix kann. Aber Benjamin wäre nicht Benjamin wenn er nicht wüsste: „Irgendwas besonderes kannst du bestimmt. Du kannst zum Beispiel sehr nett sein. Wie ein Freund.“
Ah. Ja.
Diese Schiene wird dann zum Ende hin, wenn alles gut wird, Benjamin und Mäxchen-Normal dann gewinnen und so, wieder gefahren. Also „du bist besonders, weil du ein Freund sein kannst“ und so… Ja, da gehe ich dann nicht weiter drauf ein. Das ist so schleimig triefend in die Geschichte gepackt worden, dass ich das eher lächerlich als passend fand.
Achso… was Benjamin Plastik-Törööö und Unnnutz-Mäxchen gewinnen? Na, den großen „Mäxchen-Wettbewerb“ natürlich! Ich sags euch- der ist der Knaller!
Na gut… nicht wirklich. Nicht schon wieder ein Wettbewerb! Kann doch wirklich nicht sein… Doch.
In drei Etappen sollen Benjamin und Mäxchen gegen den Flatter- und den Paddelmax antreten. Dabei rufen sie über ein „Maxifon“ den Ober-Max herbei. Und ich schlage mir mit der flachen Hand an die Stirn.
Der Wettbewerb ist wirklich atmosphärisch echt unheimlich. Vor allem, als dann Groß-Otto und Groß-Stella auftauchen. Glaubt mir- diese Folge sollte man nicht nach Mitternacht im Dunkeln hören! Stellas Stimme ist wirklich gruselig, wenn sie einen auf Riesin macht!
Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Grundidee ja gar nicht mal so mies finde, aber ich habe mich mit der Folge einfach hörtechnisch total unwohl gefühlt. Ich mochte die Atmosphäre überhaupt nicht. Irgendwie war alles total düster. Na ja nicht, düster, eher… dumpf. Und schrecklich. Also tatsächlich unheimlich. Obwohl man annehmen sollte, dass die Folge, laut des Titels, bunt und fröhlich sein sollte. War sie aber nicht. Kein bisschen. Außerdem war sie langweilig. Und vorhersehbar.
Das bekloppteste an der Geschichte ist dann wohl das Ende. Benjamin will nicht daran glauben, dass er geträumt hat. Hält die Spielzeuge dann für echt und will sie zum Sprechen animieren.
Okay. Lassen wir mal so stehen.
Im Großen und Ganzen habe ich die Folge wirklich nicht gerne gehört. Die Grundstimmung war zu düster. Fehlende Spannung und ein Wettbewerb, der mal wieder so endet, wie mans schon zig Mal gehört hat, tragen nicht gerade zu einer so tuffigen Folge bei, wie ich es mir erhofft hatte.
Wirklich, ich hatte Hoffnungen.
Highlights:
- Benjamin stellt sich vor und wird vorgestellt:
Flattermax will wissen: „Wer ist das überhaupt?“
Paddelmax erwidert: „Das ist ein Blümchen.“
Benjamin weiß ganz genau: „Ich bin kein Blümchen!“
Haha. Joke of the day!
- Benjamin wird aufs übelste beleidigt, was selbst den Erzähler aus seinen monotonen Erzählmomenten reißt:
Einer der Mäxchen: „Deshalb bist du nur ein kleiner grauhäutiger Nichtsnutz!“
Erzähler (voller Empörung): „Also das hat ja noch niemand zu Benjamin gesagt! Das er klein ist, sowieso nicht. Aber das er ein grauhäutiger Nichtsnutz ist… also sowas!“
- Otto und Stella haben verhaltensmäßig kleine Auftritte, was natürlich bombe ist
- Benjamin legt- wie Hänsel im gleichnamigen berühmten Märchen aus Brotstückchen- eine Zuckerstückchenspur,
um wieder nach Hause zu finden um aus dem Lüftungsrohrenlabyrinth wieder rauszufinden
- Benjamin gewinnt nicht immer (sorry, jetzt hab ich das verraten, aber… Hallo? Das ist erwähnenswert weil eine Rarität!)
- Benjamins Rüsseldüsenantrieb (Ohne Kommentar)
- Benjamin, der Retter vom Dienst, hilft einem der Mäxchen, nicht zu ertrinken, der ihm aber nicht dankt und Benjamin meint darauf: „Also den hab‘ ich zum letzten Mal gerettet.“ (Ernsthaft, Benjamin? Ernsthaft?)
Fazit:
Wenn Benjamin träumt, dann muss es ja verrückt zugehen. Tut es auch. Aber gerade so, dass ich nach dem Hören der Folge nicht noch einmal rein hören möchte. Zumindest in den nächsten zehn Jahren nicht. Seltsame Charaktere, ein typisch endender Wettbewerb, kalte Stimmung und zu wenig Witz und Spannung- das war wohl nix!
Bewertung
Ganz ganz knapp noch 2 von 5 Punkten.