Bibi Blocksberg 043 – Der Reiterhof 1
„Ich brauche auch einen neuen standesgemäßen Wagen, Zwölfzylinder.“
„Ein Motorroller tut’s auch, sehen Sie mich an.“
„Hä? Motorroller?“
Part 1 der Pilotfolge für eines der erfolgreichsten Spin-offs im Hörspieluniversum. Ich kenne beide Folgen natürlich schon, muss aber sagen, dass sie mich beide nicht umgehauen haben, was vielleicht auch daran liegt, dass das ganze Konzept hier noch etwas in den Kinderschuhen steckte. Außerdem hatte ich irgendwie das Gefühl, dass sich die beiden Folgen ein wenig zu ähnlich sind, weil sie sich im Kern um den gleichen Konflikt drehen.
Der Anfang ist direkt nicht wirklich nötig. Es ist zwar unterhaltsam, wie Hufschmied Jahnke zum Fegen verdonnert wird, aber nötig ist es für die Geschichte nicht und die Szene am Bahnsteig nimmt ein bisschen viel Raum ein, dafür dass Barbara am Ende doch einknickt und geflogen wird. Erstaunlich übrigens, dass Barbara sich darüber wundert, dass ihr Hexenspruch funktioniert…
Nach knapp zehn Minuten kommt man dann aber endlich zum Punkt und Bibi lernt die Familie Martin kennen. Holger ist hier noch betont höflich, Tina kommt erstmal gar nicht richtig zu Wort und Susanne ist völlig durch den Wind. Irgendwie ist es auch spannend, dass „Bibi & Tina“ nur durch die Unzuverlässigkeit der Post zustande gekommen ist. Erinnert mich ein bisschen an die LTB-Story, wie aus Donald Duck Phantomias wurde, auch da war die Post schuld daran, dass die Geschichte anders lief als geplant.
Susanne wird als dunkelblond beschrieben, hm, auf den Covern sieht sie für mich immer hellblond aus. Die Geschichte, die nun erzählt wird, führt die Geschehnisse aus B&T 62 ad absurdum. Das Versprechen von Holger gab es beim Tod seines Vaters, der aber gerade mal ein Jahr her ist. Trotzdem meint Holger nachher, er wäre noch sehr klein gewesen.
Sehr cool, dass Herzog hier mit Sicherheit an Folge 19 gedacht hat und Susanne eine Vergangenheit als Sportlehrerin hat. Aber sie kennt Bibi wohl nicht mehr
Tina mag Sabrina besonders? Heieiei, würde sie so heute nicht mehr sagen

Auch Bibis verallgemeinerndes „Reiten ist reiten“ bliebe mittlerweile wohl nicht mehr einfach so im Raum stehen.
Auch das Gespräch mit Falko wirkt mittlerweile arg befremdlich. Das Verhältnis zwischen ihm und Susanne – extrem unterkühlt, sie siezen sich, Falko zeigt kein Mitleid und blafft auch Holger an.
Bibi macht sich ja nicht gerade beliebt bei den Martins – sollte man nach der Nummer mit dem Ritt auf dem Ziegenbock meinen. Aber Holger und Tina finden es geil und Susanne lädt Bibi und Barbara trotzdem ein, die Nacht auf dem Hof zu verbringen. Schubia wäre jetzt geflogen

Barbara bedankt sich nicht für die Einladung, sondern findet nur, dass das eine gute Idee ist – und Bibi ist schon wieder „hippy-happy“ (war das echt mal in?).
Bibi lernt reiten bei Holger, nur kurz darauf bringt sie es schon ihrem Vater bei. Ich finde es ganz gut, dass Holger unterschwellig deutlich macht, dass zum Reiten mehr gehört als ein paar Mal Hex-hex.
„Er spielt immer den Reitlehrer, mein großer Bruder“ – Hier hätte ich mir ein „Ich BIN der Reitlehrer“ gewünscht
Sabrina mag Bibi – na, ein Glück, denn alles andere hätte sich nachher im B&T-Intro nicht gereimt

Bibi hat plötzlich eine Idee, aber der Erzähler ist gar nicht neugierig und lässt den Dingen einfach ihren Lauf – wie untypisch!
Es folgt stattdessen das erste Bettgespräch zwischen Bibi und Tina und Tina ist mal wieder kurz davor, in Tränen auszubrechen. Erstaunlich, dass Neustadt scheinbar die einzige Stadt ist, in die man ziehen kann, Bibi geht automatisch davon aus, dass Tina zu ihr kommen wird. Denkste – noch nie passiert in den letzten 30 Jahren!
Spannend ist, dass Bibi sich hier beim Tiere sprechend hexen so verausgabt, dass sie danach einen Tag lang nicht mehr hexen kann – die „Zoo zieht um“-Folge von Benjamin, wo sie das gleich mehrfach macht und danach weiter herumhext, erschien fünf Jahre früher.
Die nicht gestellten Fragen, an die der Erzähler denkt, sind ja auch mega – „Magst du mich eigentlich auch so wie ich dich?“ – Wer das nicht auch so rausfinden kann, der tut mir leid.
Dass die Polizei auf dem Martinshof erscheint, ist ja doch ziemlich selten (oder sogar einmalig?). Gefühlt hat Falkenstein nie eine Polizei.
„In meiner Familie wird nicht geredet, da wird gehandelt!“ – Joa, stimmt irgendwie…
Bzgl. des Briefes hoffe ich einfach mal, dass Bibi den geschrieben hat

Eigentlich blieb ja gar keine Zeit, die Tiere alle unterschreiben zu lassen, aber den Plan hat sie mit Amadeus erst kurz vor dem Eintreffen der Polizei besprochen…
Schade, dass man es hier etwas ins Komödiantische zieht. Immerhin gilt auch hier der Grundsatz, dass dem Grafen das Wohl der Pferde über alles geht und man ihn darüber kriegt.
„Jungs heulen doch nicht“ – Och Karla, ernsthaft?
Bei der anschließenden „Erpressung“ des Grafen kommen bei mir ein paar Vibes von „Benjamin als Schornsteinfeger“ hoch, aufgrund der Figurenzeichnungen (der Graf will es ja eigentlich selbst nicht), der Vergangenheit der Figuren und der konstruktiven Lösung, die man hier findet (immerhin wird auch der Graf angehört und nicht nur stumpf auf ihm herumgetrampelt) hält es sich aber zum Glück in Grenzen.
Holger ist auch geil: „Ihr Sohn war schon immer netter als Sie, das finden wir alle!“ – Na, ob seine Mutter da mitgeht?
Erstaunlich ist ja, dass Bibi die Namensgeberin des Martinshofs ist und er vorher keinen Namen hatte.
Insgesamt eine stabile erste Folge, auf der man ganz gut aufgebaut hat. Aus heutiger Sicht reißt die Geschichte natürlich keine Bäume mehr aus, wird aber sympathisch erzählt. Falkenstein beschränkt sich erstmal auf die Martins und den Grafen, das Ensemble wird ja noch wachsen. Bereits hier ist aber schon klar, dass sich das Setting für ein Spin-off bestens eignet.
Für Benjamin reicht es erwartungsgemäß nicht, aber das macht nichts, die Autorallye ist auch schwer zu toppen.
8/10
Benjamin 24:19 Bibi