Bibi Blocksberg 051 – wird entführt
Alte Bewertung: 9 Punkte
„Sind Sie mein Wähler?“
„Natürlich habe ich Sie gewählt – eben gerade!“
Ich kannte ja lange Zeit keine anderen Bibi-Folgen als die paar MCs, die wir besessen haben – es waren vielleicht zehn Folgen oder so. Als ich dann auf MP3 umgestiegen bin, habe ich mit den für mich vom Titel her reizvollsten Folgen 51 und 81 angefangen, kenne diese Folge daher schon einige Jahre und mochte sie immer gerne, abgesehen von Bibis Begeisterung darüber, dass sie entführt wird.
Bei Bibi steht mal wieder eine Mathearbeit an. Das ist zwar nicht sonderlich innovativ, weil es mittlerweile fast so inflationär verwendet wird wie „Holger ist auf Lehrgang“ bei Bibi & Tina, aber es entstehen immer wieder die unterschiedlichsten Geschichten daraus.
Ich finde mich ja so ein bisschen bei Bibi wieder – in ihrem Alter war ich auch dabei, Grenzen auszutesten und mich über gewisse Verbote auch einfach mal hinwegzusetzen. Hier geht es bei Bibi schief, aber was sie da geguckt hat, klang ohnehin mehr nach Cobra 11 als nach Kalle Blomquist, von daher ist das nicht so tragisch
Am nächsten Morgen stellt sich dann aber heraus, dass es doch extrem tragisch ist. Der Erzähler treibt es dann auch echt in die Höhe: „Sauer, verzweifelt, unverstanden, verlassen und sehr, sehr einsam“ – meine Fresse, dann will ich gar nicht wissen, wie er es beschreibt, wenn es Bibi mal WIRKLICH schlecht geht.
Draußen herumzulaufen ohne nach links und rechts zu schauen kann gefährlich sein! Zum Glück kommt Karla vorbei, bevor Bibi noch tiefer in ihrer Depression versinkt und teasert schon mal an, worum es in dieser Geschichte noch gehen wird: Der Stadtschatz ist in Gefahr!
Nachvollziehbarerweise denkt Bibi aber lieber „Schule first – Stadtschatz the second!“ und lässt sich nach einem Zögern doch von Karla chauffieren. Besser so, sonst wird sie noch von der Straße geklaut (okay, der war fies. Sorry

).
An dieser Stelle habe ich das Gefühl, dass da etwas fehlt, denn worauf genau sagt Karla denn „Ist auch längst fällig“? Wenn sich das auf die Zeit bezieht, die Bibi noch bis Schulbeginn hat, dann passt der vorherige Satz nicht so richtig dazu.
Weil der Mathelehrer krank ist, ist die Schule nach zwei Stunden aus. Erstmal hat Bibi eine Mathelehrerin (hab ich das gerade echt geschrieben? *kopfkratz*) und außerdem: Wie viele Stunden Mathe hintereinander hat die bitte? Bibi müsste so 7. Klasse sein, da noch an einem Tag regulär vier Stunden zu haben, wär n Träumchen gewesen.
Als Bibi für Pille und Pulle immer mehr hext, denkt man sich natürlich zuerst, wie naiv kann man sein. Zum Glück zeigt sie aber kurz darauf, dass sie doch gar nicht so blöd ist und verstanden hat, mit wem sie es zu tun hat.
Das Gespräch mit Pichler ist ganz cool, weil man ihn mal ohne den Bürgermeister erlebt, allerdings nimmt es natürlich auch etwas vorweg, gerade weil Pichler nochmal explizit nachhakt und dann gedankenverloren weggeht.
Dann kommt auch schon der größte Kritikpunkt für mich an der Folge, nachdem die plötzliche Entführung als solche gut rüberkommt. Geschenkt, dass Bibi sich nicht freihext, weil sie sich aufgrund ihrer Hexkraft nicht ernsthaft in Gefahr sieht und aufgrund des Fernsehverbots als Ausgleich ihren eigenen Krimi erleben will (die Hexkraft ist für mich auch die einzige Rechtfertigung dafür, dass Bibi lange Zeit völlig gechillt dargestellt wird), aber dass sie sich ernsthaft freut, entführt worden zu sein, ist ein Satz, den man heute – und das absolut zu Recht – bei einer eingehenden Untersuchung der Folge locker rausschneiden würde – „Bin ich jetzt entführt?“ – „Ja, so kann man das nennen“ – „Oah, prima, wie bei meinem Lieblingsdetektiv!“ – Ernsthaft, Bibi?
Es beruhigt ungemein, dass Bibi nicht vollkommen den Verstand verloren hat und mit dem Anruf bei Karla – nachdem sie es bei Nummer 1 gerade zwei Mal hat klingeln lassen – vorsorgt.
Wenn die Entführer davon ausgehen, dass Barbara problemlos Geld hexen kann, sind 100.000 Mark eigentlich noch ganz schön wenig. Aber vielleicht halten sie es wie das Kindergartenkind aus Ben 28 – „So viel Geld gibt’s gar nicht auf der Welt“
Pulles Telefonat mit dem Bürgermeister mag ich ja sehr – wer kennt’s nicht, da liegen um Mitternacht plötzlich 100.000 Mark im Stadtpark herum

Da fühl ich mich ein wenig an Astro TV erinnert, die reden ihren gutgläubigen Kunden gerne ein, dass nachts um 3:33 Uhr irgendwas voll Krasses passiert, wenn man dies und das aus dem Shop kauft und irische Zauberformeln brabbelt. Wusstet ihr übrigens, dass Astro TV Ende 2024 eingestellt wird?
Nun, ähh, zurück zum Thema: Ich finde es ganz gut, wie man darstellt, dass Bibi nicht alles weiß und die Entführer ihr langsam nicht nur theoretisch die Kontrolle über die Situation entziehen.
Die Krisensitzung bei Blocksbergs gefällt mir sehr gut, Pichlers Sentimentalität beim Aufzählen der bisherigen Sitzungen, Karlas Intervenieren und die allgemeine Ratlosigkeit von Barbara und Bernhard.
Die Szene mit Bibi und den Entführern vor dem Fernseher ist für mich die wichtigste Szene der ganzen Folge, weil hier endgültig aufgehört wird, ein Verbrechen zu verherrlichen. Sie wertet die Geschichte stark auf, ohne sie würde ich die Folge weitaus schlechter bewerten.
Dann kommt Pichlers großer Auftritt, den man so nicht unbedingt kommen sieht. Richtig gut auch, dass man eine weitere Überraschung einbringt und der Schatz plötzlich weg ist.
Karla ist auch mega – keine Polizei, aber die Presse ist natürlich da und man bekommt den Eindruck, dass die auch viel bedrohlicher ist als die Polizei
Als Bibi die Entführer dann in Enten verhext und der Bürgermeister ihnen nachläuft, kommen natürlich Vibes von der 36 hoch, aber zum Glück nur ganz kurz. Ungefähr so kurz wäre bei der 36 übrigens auch nett gewesen
Dass Pille und Pulle nicht verhaftet werden, gefällt mir weniger, weil es dafür eigentlich keine Rechtfertigung gibt. Pichler hätte Bibi zumindest fragen sollen. Auch hätte man vielleicht ganz gut daran getan, ein Nachgespräch zwischen Bibi und ihren Eltern einzubauen, das kommt hier doch sehr kurz.
Insgesamt finde ich die Folge trotz einiger Schwächen weiterhin sehr stark, sie unterhält, bringt Witz an den richtigen Stellen ein, hat einen klugen Aufbau, überrascht hier und da und kann auch einige zunächst auftretende kritische Punkte im Handlungsverlauf wieder ausbügeln – jedoch nicht alle, weswegen sie auch niemals eine Chance auf 10 Punkte haben wird, aber 9 sind es für mich weiterhin. Für Benjamin reicht es aber nicht, der Weihnachtsabend ist einfach ein zu starkes Brett.
9/10
Benjamin 28:23 Bibi