Inhalt
Als Barbara zum hexischen Klassentreffen aufbricht und darum keine Zeit für den Hausputz hat, wollen Bibi und Bernhard das für sie übernehmen. Was folgt sind Haushaltstipps und eine Reihe von Missverständnissen und Nies-Anfällen.
Zur Geschichte
Wo fange ich an? Vielleicht damit, dass die ganze Geschichte ziemlich konstruiert ist. Und das schon von Beginn an (eigentlich schon, bevor die Folge beginnt):
Barbara ging also in den Keller, um eine alte Jacke rauszusuchen, die sie beim Hexen-Klassentreffen anziehen will. Dann legte sie die Jacke anscheinend auf den Karton mit Altkleidern, ging mit leeren Händen wieder nach oben und bricht dann (am nächsten Tag?) zu dem (aus irgendeinem Grund) um einen Tag vorverlegten Hexen-Klassentreffen auf, ohne sich vorher umzuziehen oder die Kleidung, die sie bei der Feier tragen möchte, einzupacken… Mir ist klar, dass man manchmal auf solche Zufälle zurückgreifen muss, damit Geschichten funktionieren, aber das hier kommt mir doch sehr weithergeholt vor.
Dass Bibi und Bernhard sich jetzt um den Haushalt kümmern wollen, um Barbara eine Freude zu machen, ist ja ganz nett, aber sonderlich spannend ist es leider nicht. Dabei hätte man das Thema durchaus interessanter aufziehen können:
Vielleicht als Einstieg eine Szene, in der Bibi etwas sucht (z.B. ein Freundschaftsarmband oder einen Glitzerstift oder etwas in der Art) und es nicht finden kann, woraufhin Barbara meint, es müsste dringend mal wieder aufgeräumt werden. Und der Gegenstand taucht dann am Ende wieder auf oder vielleicht wird er auch schon zwischendurch von Oma Grete gefunden, die ihn erst einmal einsteckt und dann vergisst, Bibi zu geben. Ich will nicht sagen, dass das die ganze Folge getragen hätte, aber es hätte eine nette kleine Nebenhandlung sein können.
Außerdem hätte man die Aufräumaktion auch aufpeppen können, in dem man Bernhards Eisenbahn so verhext, dass sie einmal durch jedes Zimmer im Haus fährt und man mithilfe der Wagons kleinere Gegenstände in andere Teile des Hauses transportieren lassen kann. Das würde zwar gegen das Hex-Verbot beim Aufräumen verstoßen, aber dann würde zumindest ein bisschen was passieren. So gerät die Folge größtenteils zu einem Haushaltsratgeber, der für Kinder wahrscheinlich nicht so spannend ist.
Zum Glück ist Bibi trotz des Titels „Mit Papi allein zu Haus“ nur rund 8 Minuten mit ihm allein, dann taucht schon Oma Grete auf, die zumindest etwas mehr Schwung reinbringt. Leider ist sie so gar nicht bei der Sache, als sie mit Bibi ihr Raumduftspray herstellt. Hier hätte man z.B. schön einbauen können, dass das Telefon klingelt (Barbara sagt ja, sie hätte mehrmals versucht anzurufen) und Bibi mit dem Dosieren der fehlenden Zutat beschäftigt ist, weshalb Oma Grete zum Telefon geht, aber nicht rechtzeitig abhebt. Dann hätte man Barbaras Fehlanruf eingebaut und Oma Grete einen Grund gegeben, warum sie abgelenkt war und nicht richtig aufgepasst hat. Hier gibt es hingegen eigentlich keinen richtigen Grund für das Missverständnis bei der Zutat. Darum kommt später Oma Gretes belehrendes „Konzentrier dich bitte!“, als sie das Duftspray beim zweiten Mal herstellen, ziemlich selbstgerecht rüber.
Bibis Praktikum im Modeatelier wird kurz erwähnt und Bibi kann das dort gelernte bei der Anfertigung der neuen Jacke anwenden. Das ist ein ganz schönes Aufgreifen einer früheren Folge.
Sowohl vom Titel als auch vom grundlegenden Thema her erinnert die Folge an „Ohne Mami geht es nicht“ und da ist ganz klar, dass diese hier im Vergleich den Kürzeren zieht. In der alten Folge sind Bibis und Bernhards Versuche im Haushalt überspitzer und unterhaltsamer, zudem sind die Dialoge witziger geschrieben. Bei „Ohne Mami geht es nicht“ endet die Folge mit einem Hexentreffen in Rom. In dieser Folge gibt es zum Finale ein Mikado-Spiel am Blocksbergschen Küchentisch. Wow.
Wir bekommen auch nichts von Barbaras Klassentreffen zu sehen bzw. zu hören. Bibi und Oma Grete hätten ihr die Jacke ja auch zu Amandas Haus bringen können.
Am Ende schließt der Erzähler mit den Worten: „
Das ist doch ein wunderbares, gemütliches Ende dieser verrückten Geschichte.“ Vielleicht ist mir das verrückte an der Geschichte entgangen.
Noch kurz zum Titel der Folge: „Mit Papi allein zu Haus“ ist Bibi wie gesagt nur runde 8 Minuten. Ein treffenderer Titel wäre wahrscheinlich „Der Putz- und Aufräumtag“ gewesen. Da sich das aber vermutlich nicht so gut verkaufen lässt, fiel wohl die Wahl auf den jetzigen Titel. Alternativ wäre auch „Der verhexte Frühjahrsputz“ oder „Ein hexischer Haushaltstag“ gegangen.
Themen der Folge
Klares Ziel der Folge: Kinder zur Ordnung animieren. Ob das mit dieser Folge erreicht wird?
Bernhards Unfähigkeit, ausgediente Sachen auch wirklich auszusortieren und zu entsorgen, wird ein bisschen kritisiert, aber nicht wirklich viel. Sein Vorhaben, manche Dinge reparieren zu wollen, wird aber wiederum auch nicht besonders gelobt.
Ansonsten könnte man noch erwähnen, dass Aufräum-Systeme (im Ansatz) vorgestellt werden, die dabei helfen sollen, den Überblick zu behalten (Die Eisenbahn-Schienen nach Form und Größe sortieren; Kleidung, die 2 Jahre nicht getragen wurde, aussortieren; Pullis nebeneinander in den Schrank stellen statt übereinanderlegen).
Die Figuren
Bibi ist hier sehr Mamas Liebling. Es ist ja grundsätzlich schön, wenn sie ihrer Mutter im Haushalt etwas unter die Arme greifen will, aber wenn diese deutlich gesagt hat, sie sollen sich einen schönen Tag machen, und Bibi dann trotzdem, als hätte sie ein schlechtes Gewissen, darauf pocht zu putzen, kommt mir das schon etwas charakterunüblich vor.
Auch dass sie noch nachdem die Jacke wieder neugenäht und zu Barbara gehext wurde so kleinlaut und verunsichert herumdruckst, hat meiner Meinung nach nicht wirklich zu Bibi gepasst.
Bernhard und Oma Grete sind hier beide nicht in Bestform, aber okay.
Zitate der Folge
Barbara: „Bei Hempels unterm Sofa ist es ordentlicher.“
Bernhard: „Wer sollen diese Hempels eigentlich sein? Und wo wohnen die überhaupt?“
Bibi: „Hier der alte, platte Fahrradschlauch mit eins… zwei… drei Flicken.“
Bernhard: „[…] Vielleicht braucht er ja nur noch einen vierten Flicken.“
Cover
Das Bild an sich ist eigentlich ganz gut gelungen (mit dem vollgestellten Frühstückstisch), nur leider hat es wenig mit der Folge zu tun. Bibi und Bernhard beim Ausmisten des Gartenschuppens wäre vielleicht etwas passender gewesen.
Einschlafskala (von 0=hellwach bis 10=süße Träume)
10
Bewertung
4 von 10
P.S.: Ich hätte nicht gedacht, dass ich zu dieser Folge doch so viel zu sagen habe