Bibi Blocksberg 023 – Der Autostau
„Entschuldigen Sie, haben Sie vielleicht meinen Sohn gesehen? Er ist aus dem Auto verschwunden, ungefähr so groß wie…“
„Was für ein Fabrikat?“
„Ein Junge, sagte ich doch!“
Eine Folge, die ich vor schätzungsweise ein, zwei Jahren erstmals gehört habe. Erster Eindruck: Sehr schräg, typischer Donnelly-Humor, aber in einer Form, die mich heute nicht mehr so ganz abholt wie als Kind. Mal schauen, was es heute wird.
Auch Folge 23 bedient sich einer Situation, die wohl bereits jedes Kind kennenlernt: Mit dem Auto im Stau stehen. Man erkennt schon, dass Benjamin von Donnelly primär dazu gedacht war, den Kindern Berufe näherzubringen und Bibi ihnen eher bekannte Alltagssituationen versüßen sollte.
Es geht direkt gut los mit „Himmel, Arsch und Zwirn“ – das dürfte Bernhard heute sicher nicht mehr sagen. Der Erzähler merkt mal wieder nicht, dass die Zuhörer schon eingeschaltet haben (führt halt gerne Selbstgespräche, der Gute). Hier schreit natürlich direkt der Anfang nach einer Erwähnung von Boris, man schrammt so gerade eben an einem Kontinuitätsfehler vorbei.
Bibi „sattelt“ Kartoffelbrei und macht sich einfach aus dem Staub. So was hab ich ja in älteren Geschichten mit Staus immer wieder gelesen, dass man dann halt einfach die Zeit nutzt, um andere Leute kennenzulernen. Dementsprechend enttäuscht war ich als Kind, dass die Realität ein wenig anders aussieht, wohl auch, weil das gar nicht erlaubt ist.
Bibi sammelt also fleißig Kinder ein, ohne dass das irgendjemand mitbekommt. Weil sich alle nur streiten, merkt keiner, dass da überall Kinder auf der Fahrbahn rumlaufen.
Erst wird gefuttert, dann gespielt. Möchte mal wissen, was „Ping Pang Pong“ ist – wieso nicht einfach Ping Pong?
Bernhard vermutet seine Tochter einfach mal unterm Vordersitz (joa, das passiert schon mal, dass man da hinrutscht

). Schnell wird geschlussfolgert, dass Bibi und die anderen Kinder sich wohl „ein schönes Leben“ machen. Das klingt so endgültig
Interessant, dass Baldrian mal wieder in die Werkstatt müsste. Die Werkstatt würde ich ja gerne mal kennenlernen, da herrscht bestimmt Hochbetrieb
Parallele zu Benjamin 23: Es wird von Bier zu Limonade gewechselt. Hier mit der nachvollziehbaren Begründung, dass ja noch Auto gefahren werden muss. Gut, gut, aber alkoholfreies Bier gab es damals noch nicht?
Nun kommen ein etwas abgedrehter Opa und die Polizei ins Spiel und damit weiß man: Donnelly ist wieder voll in ihrem Element. Opa Borstig ist natürlich der Einzige im Stau ohne Kinder und spaziert erstmal geistesabwesend auf den Autodächern herum (wieso eigentlich?). Typisch Donnelly dann die Aussage: „Das ist überhaupt nicht vorgesehen. Auf einer Autobahn darf es nicht so ruhig sein!“ Echt mal…
„Sie zahlen 20 Mark Strafe!“ - „Aber… das ist doch Unsinn! Ich stecke doch fest!“ - „Wieso? Sie laufen doch frei hier rum!“ - „Mein Auto steckt fest!“ - „Das kann jeder sagen!“ – Sehr genial!
Wenn man nicht weiterweiß, wendet man sich natürlich zunächst mal direkt an den Polizeipräsidenten. Der würde zwar lieber Jo-Jo spielen, aber bei der Aussicht auf 16000 Mark Strafgeld wird er dann doch schwach und nimmt einen Flapp-Flapp. An dieser Stelle muss man natürlich sagen, dass es ab hier nicht mehr ganz so gut mit der Familienunterhaltung klappt und mit dem anschließenden Humor vor allem die sehr jungen Kinder angesprochen werden sollen. Trotzdem: Andreas Hanft wirft sich einfach so toll in seine Rolle als Polizeipräsident, dass ich schmunzeln muss. Dazu zählen natürlich auch Bibis Spiel, ihr Lied dazu und die Reaktionen der Erwachsenen.
Ich bin mal ein bisschen Spielverderber und rechne vor: 800 Autos, in jedem Auto mindestens zwei Insassen, eher drei bis vier und sicherlich auch mal mehr. Insgesamt dürften das mindestens um die 2500 Leute sein, mit denen Bibi ihr Stühle-Spiel spielt. Da hat man vielleicht doch ETWAS übertrieben, zumal Bibi den Eindruck macht, dass sie durchziehen will, bis alle weg sind…
„Bibi ist kein bisschen normal“ – „Sie meinen, sie ist ein bisschen Balla-Balla?“ Na sicher, so würde ich es auch ausdrücken
Der anschließende Wortwechsel zwischen Bernhard und dem Polizeipräsidenten ist schon grandios gespielt – Opa Borstig will zurück zu seiner Mami und Bernhard leiht dem Polizeipräsidenten sein Jo-Jo
Ich finde es auch gut, dass Bibi sich kurz einen Spaß mit dem Polizeipräsidenten erlaubt, dann aber von sich aus vernünftig wird und ganz normal mit ihm spricht, das nimmt so ein bisschen die Albernheit raus und vor allem zeigt es, dass Bibi eben auch verantwortungsbewusst handeln kann.
Mit dem Jo-Jo-Duell zwischen Bibi und dem Polizeipräsidenten wird dann aber doch nochmal nachgesetzt. Irgendwie feiere ich dabei den Dialog „Haben Sie schon mal mehr als 115 geschafft?“ – „Nein, bei 109 war immer Schluss“ richtig, das kommt so wahnsinnig genial rüber, wie alle am Jo-Jo-Spielen sind
Interessant finde ich Bibis Vorschlag, die Ferienzeiten zu entzerren. Habe daraufhin mal nachgeschlagen, ob Ferien früher vereinheitlicht waren, konnte aber keine klare Antwort darauf finden. Das heutige System gibt es in Deutschland wohl seit 1964, also schon deutlich länger als diese Folge. Und wie wir wissen, schützt auch diese Maßnahme nicht vor Mega-Staus…
Am Ende überrascht mich ja ein wenig, dass Bibi den ganzen Müll auf der Wiese im Nullkommanichts beseitigen kann. In anderen Folgen wie zB der 26 muss die Natur dagegen eigenhändig aufgeräumt werden. Na, hier war halt dafür kein Platz mehr
Ja, natürlich ist die Folge eher was für die Kleinen. Die Szenen mit den Polizisten sind schon recht albern, wirklich lachen musste ich nicht, es sind viele sehr gewollte Humoreinlagen dabei. Trotzdem mag ich die Folge sehr, ich denke mir halt, hätte ich sie als Kind gehabt, hätte ich die vermutlich total abgefeiert. Ich bewerte die Folgen ja heute aus Erwachsenensicht und sehe daher auch vieles, was mir als Kind vermutlich gar nicht aufgefallen wäre. Es fällt mir einfach schwer, mich wieder in mein 6-jähriges Ich zu versetzen und danach zu werten. Hier bewerte ich aber wirklich mal mit Kinderaugen. Ich finde das Konstrukt unterhaltsam und ganz ehrlich, in der Situation wünscht man sich doch so jemanden wie Bibi, die hier gut die Initiative ergreift. Dazu kommt eben dieses Autobahn- und Stausetting, das ich so unglaublich doll fühle. Es passt halt alles zusammen. Und da die Sprecher hervorragend spielen, habe ich an der Regie auch nichts auszusetzen.
Bibi hängt Benjamin ab – mit einer Folge, von der ich wünschte, ich hätte sie viel früher kennengelernt.
9/10
Benjamin 12:11 Bibi