Im Hörspiel "Benjamin Blümchen als Kinderarzt" aus dem Jahre 1983, geschrieben von Elfie Donnelly, dürfen sich die jungen Patienten über eine ganz besondere Krankheitsvertretung freuen.
Eine Masern-Epidemie geht in Neustadt um, von der auch Benjamins bester Freund Otto nicht verschont bleibt. Als Benjamin zu einem Krankenbesuch bei diesem auftaucht, stellt er erschrocken fest, dass sich auch der Kinderarzt Dr. Wunderlich daran angesteckt hat und sich nur noch mit letzter Kraft zu Ottos Behandlung schleppen konnte. Als sich schließlich herausstellt, dass auch die beiden verbleibenden Kinderärzte Dr. Liebchen und Dr. Müllermann an Masern erkrankt sind und nun sämtliche kranken Neustädter Kinder ohne ärztliche Hilfe dastehen, bietet sich Benjamin schließlich als Dr. Wunderlichs Vertretung für dessen Praxis in der Waldstraße an. Dieser willigt ein.
Es dauert nicht lange, bis auch die rasende Reporterin Karla Kolumna von Benjamins neuem Beruf erfährt und sogleich fungiert sie in der Praxis bereitwillig als Sprechstundenhilfe des Elefanten. Benjamin begeistert die kranken Kinder und deren Eltern gleichermaßen als Kinderarzt und behandelt seine Patienten nicht nur mit herkömmlichen medizinischen Mitteln, sondern auch mit spannenden persönlichen Geschichten aus seinem Leben, die den Kindern Ablenkung und Trost schenken. Doch plötzlich wird Benjamin zu einem Verkehrsunfall gerufen: Ein kleiner Junge wurde von einem Auto angefahren und verletzt. Nun ist der Elefant ganz besonders gefordert und muss alle Register auffahren, um die Situation zu meistern.
Ein wundervolles Team an namhaften Sprecherinnen und Sprechern macht diese spezielle Benjamin-Folge zu einem wahren Ohrenschmaus: Wir hören Edgar Ott als Benjamin Blümchen, Frank Schaff als Otto (allerdings in dieser Geschichte nur als Randfigur), Gisela Fritsch als Karla Kolumna, Till Hagen als Wärter Karl und Joachim Nottke als Erzähler. Gleichermaßen kurios wie auch erfreulich ist es, Helgard Bruckhaus hier als Ottos Mutter zu hören, wie es auch schon in zwei vorherigen Benjamin-Folgen der Fall gewesen war. Eine weitere besondere Besetzung ist Dr. Wunderlich, der von Otto Czarski gesprochen wird. Insgesamt bekommen wir in dieser Geschichte drei Patienten für Benjamin zu hören: Den kleinen Olli, die immerzu müde Katrin sowie schließlich einen Jungen namens Uwe, der einem Ball hinterher rennt und dabei von einem Auto erfasst wird.
Olli spricht mit der Stimme von Oliver Elias, hier noch vor seinem Stimmbruch und später bekannt als erste Besetzung des Florian aus den Bibi-Blocksberg-Hörspielen; seine Mutter wiederum wird von Eva Maria-Werth zum Leben erweckt. Das Mädchen Katrin wird von Virpy Rückert verkörpert (die regelmäßig für die Benjamin-Serie Kinderrollen einnahm), ihre Mutter von Edith Elsholtz, die bereits in der Vorgängerfolge "Benjamin als Weihnachtsmann" als Frau Paschulke sowie als Frau Professor Habernoll in "Benjamin auf dem Mond" mitwirkte.
Der kleine Pechvogel dieser Geschichte - der Junge Uwe, der in einen Verkehrsunfall verwickelt wird - wurde mit Carsten Zachariae besetzt, der durch seine Mitarbeit als Kinderstimme in unzähligen Benjamin-Hörspielen eine Art Legendenstatus entwickelt hat. Er wird behandelt von einem Sanitäter, der die Stimme von Alexander Herzog besitzt, die ich persönlich ganz besonders gerne höre. Auch er sprach in großer Zahl Nebenrollen im Benjamin-Universum, beispielsweise Ottos Vater in "Benjamin auf Skiurlaub" oder den geldgierigen Rudi Raffke in "Der geheimnisvolle Brief". Schließlich hören wir den Hörspielregisseur Ulli Herzog diesmal gleich in zwei Cameo-Rollen: Er ist zum einen der Radiomoderator, der Benjamin Blümchen als neue Vertretung für Herrn Dr. Wunderlich als Kinderarzt in Neustadt verkündet; und zum anderen ist er der unglückliche und reuige Autofahrer, der den kleinen Uwe mit seinem Auto erfasst und sofort den Krankenwagen ruft. Offen bleibt hierbei, ob es sich etwa um ein und dieselbe Person handelt, möglich wäre es ja.
Wenngleich die Handlung des Hörspiels "Benjamin Blümchen als Kinderarzt" nicht ganz so abgedreht ist wie es beispielseise bei "Benjamin auf dem Mond" der Fall war, so ist sie doch auf charmante Art und Weise völlig diffus, voller Widersprüche, etwas chaotisch - aber irgendwie auch einfach liebenswürdig und fantasievoll.

Dass Benjamin so einfach mal eben Kinderarzt werden kann - geschenkt. Schließlich schafft er das ja nahezu bei jedem Beruf. Sonderbar sind da eher die etwas paradoxen und dadurch überaus witzigen Bausteine, die diese Geschichte ausmachen: So hängt einerseits ein "Wegen Krankheit geschlossen"-Schild an der Praxistür von Dr. Wunderlich, was eine Mutter jedoch nicht daran hindert, bei diesem 15 Minuten lang Sturm zu klingeln und sich zu wundern, warum denn niemand öffnet; weiterhin ist Benjamins Behandlung seines ersten Patienten Olli in höchstem Maße absurd: er behandelt den Husten des Jungen wie eine Erkältung, obwohl sehr schnell klar ist, dass die Raucherei von Ollis Mutter der wahre Übeltäter ist.
Ein weiteres Beispiel ist der Umstand, dass sich Benjamin zwar seeeehr viel Zeit für seine Patienten nimmt, dementsprechend aber auch die restlichen kranken Kinder im Wartezimmer sich wahrscheinlich die Beine in den Bauch stehen, worauf aber nicht weiter eingegangen wird. Davon abgesehen, dass nach zwei behandelten Kindern Benjamin ja auch direkt zu einem Verkehrsunfall gerufen wird, obwohl dafür meines Wissens nach Kinderärzte nicht zuständig sind.

Wunderbar natürlich auch, dass nach der Radioverkündung sich offenbar halb Neustadt krank vor der Wunderlich-Praxis versammelt und alle Eltern mit ihren Kindern (wohlgemerkt während einer Masern-Epidemie) so herrlich eng aufeinander hocken, dass die eintreffende Karla Kolumna beinahe erdrückt wird und sich mühsam durch die Menge kämpfen muss.
Was ich sehr niedlich finde, ist die kindgerechte Wissensvermittlung in dieser Geschichte. Wie beeindruckt etwa Karla Kolumna ist, als sie Benjamin gegenüber erwähnt, dass ihre Nichte Elfriede "so rote Punkte" im Gesicht hat und der Elefant sofort feststellen kann: Das sind Masern, eindeutig.

Das gleiche gilt für den Sanitäter, der den kleinen Uwe versorgt: "Alle Wetter, Sie kennen sich ja gut aus!" staunt dieser, als Benjamin doch tatsächlich Begriffe wie 'Fraktur' und 'Röntgen' verwendet.

Auch ist in dieser Folge natürlich jede Menge Humor vorhanden. Als Benjamin die Arbeit als Kinderarzt in Dr. Wunderlichs Praxis antritt, jedoch das "Geschlossen"-Schild draußen vergisst, beginnt er sich zu langweilen und futtert kurzerhand erst einmal sämtliche Zuckerwürfel-Vorräte in den Praxisräumen und in der Tee-Küche auf.
Aber auch schon der Krankenbesuch bei Otto verläuft wieder einmal herrlich komisch, als der sprechende Dickhäuter aufgrund seiner Größe und seiner Tollpatschigkeit erst einmal das halbe Haus demoliert - und Helgard Bruckhaus als geplagte Mutter kann sich darüber auch so herrlich aufregen.

Nicht zu vergessen natürlich Benjamins hochprofessionelles und an Sprechstundenhilfe Karla diktiertes Rezept für die dösige Katrin: "Kindergartenbesuch! Spielplatzbenutzung! Jeden Tag eine Stunde Seilspringen! Waldhütten bauen! Quatsch machen! Ein halbes Jahr nicht fernsehen und nicht lesen! Einkriegen und Verstecken spielen! Knie aufschlagen!"
Ein kleiner kritischer Punkt, den ich aber auch mit Humor sehe: Ausgerechnet mein Lieblings-Otto Frank Schaff schwächelt in dieser Folge etwas. Den kranken Otto mimt er... sagen wir mal bemüht: "Benjamin, komm rein. Oooooh, geht's mir schlecht!"

Aber nichts desto trotz halte ich "Benjamin Blümchen als Kinderarzt" für eine sehr angenehme, ruhige Folge, die für erkrankte Kinder wenigstens für etwas mehr als 30 Minuten sicherlich als kleine Trost-Medizin taugen kann. Und was die etwas verdrehte und schräge Handlung betrifft: Nicht umsonst gibt es für Worte wie 'sonderbar', 'eigenartig' und 'seltsam' das Synonym - 'wunderlich'.
Benjamin zum kleinen Olli: "
Was fehlt dir?"
Olli: "
Ich huste manchmal - vor allem, wenn Mama so viel raucht..."
Benjamin zu Ollis Mutter: "
Das sollten Sie aber nicht tun, liebe Frau!"
Ollis Mutter: "
Hach, das will ich mir doch dauernd abgewöhnen. Aber Olli macht mich mit seinem Husten ständig so nervös, dass ich eine Zigarette nach der anderen rauchen muss!"
Benjamin wieder zu Olli: "
Also, Olli - hör du auf zu husten, dann hört Mami auf zu rauchen!"
Olli: "
Nein, Mami soll aufhören zu rauchen, und erst dann höre ich auf zu husten!"
Benjamin: "
Hm, du bist aber ein schwieriger Patient."
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