Die zweite Clarissa Franklin-Folge erreicht nicht ganz das gleiche Level, weiß aber trotzdem zu unterhalten.
Achtung, Spoiler!
Der Einstieg in die Folge gefällt mir gut: Die Drei Fragezeichen sind als lokale Berühmtheiten in einer Radiosendung zum Interview. Tante Mathildas Anruf ist sehr lustig und dann kippt die Stimmung plötzlich, als ein mysteriöser Anrufer seltsame Verse aufsagt und den Moderator Kevin Anderson ganz schön aus der Fassung bringt. Das ist spannend inszeniert.
Als sich dann die frisch gekündigte Mrs. Brighton Hilfe suchend an die Drei Fragezeichen wendet, erfahren wir, dass es nicht der erste Anruf dieser Art war. Irgendetwas Größeres steckt dahinter. Mrs. Brighton tut mir immer leid, wenn ich die Folge höre, weil sie wirklich einfach unwissentlich zwischen die Fronten geraten ist und als Bauernopfer herhalten muss, in dem man ihr Kleptomanie andichtet.
Beim nächsten Anruf von "Mystery" trifft es dann sowohl Bob als auch die Hörerschaft wie ein Blitz: Clarissa Franklin! Die eiskalte Gegenspielerin aus "Stimmen aus dem Nichts" ist zurückgekehrt und wird wieder gesprochen von Judy Winter!
Das anschließende Gespräch zwischen Bob und Clarissa Franklin in der Heilanstalt ist (wie schon bei "Stimmen aus dem Nichts") dann auch mein persönliches Highlight der Folge. Die Chemie zwischen den Figuren, das Misstrauen und die emotionale Manipulation funktionieren für mich hervorragend. Man kann Clarissa Franklin einfach nicht richtig greifen.
Die weiteren Ermittlungen konzentrieren sich nun also auf Kevin Anderson. Schade, die Szene, in der sich die Freundinnen als Fans ausgeben, um ihm unbemerkt die Wanze unterzujubeln, hätte ich gerne gehört
Die Konter der genervten Krankenschwester an der Anmeldung finde ich ganz amüsant.
Ab der Lauschaktion verliert mich das Hörspiel ein wenig. Die Entscheidung, das abgehörte Gespräch mit Anderson und Dr. Freeman glasklar hörbar darzustellen ist einerseits gut, weil es sonst mit Rauschen etc. auf Dauer bestimmt anstrengend geworden wäre. Andererseits stören mich dann aber auch ein bisschen die Zwischenrufe der Drei Fragezeichen und Blackys Krächzen, weil dadurch die räumliche Trennung etwas verwischt wird.
Die Auflösung ist zweckdienlich: Kevin Anderson setzt mit Hilfe von Dr. Freeman seinen Bruder unter Drogen, um dessen kreativen Ergüsse für seine Radiomoderation zu verwenden. Dass das bei einer Live-Sendung wenig Sinn ergibt, sei mal dahingestellt. Viel interessanter finde ich den Fakt, dass dieses Mittel über kurz oder lang zu Organversagen führt. Das heißt, der Bruder wird daran sterben - und was macht Anderson dann? Er vergiftet ja genau genommen die Quelle seines Erfolgs. Etwas kurz gedacht von ihm.
Das letzte Viertel mit der Konfrontation mit Clarissa Franklin und Dr. Freeman ist mir dann ein bisschen zu drüber. Das unverständliche Stöhnen hätte ich auch nicht gebraucht, vor allem nicht als Auslöser für den Schlusslacher. Da hätte man sich doch wirklich etwas anderes überlegen können. Auch schade, dass es keinen kleinen Epilog mit der Auftraggeberin Mrs. Brighton gibt.
Die Sprechleistungen sind alles in allem gut bis sehr gut, nur Thomas Bug (Kevin Anderson) klingt in den emotionalen Momenten wenig überzeugend, sondern leider etwas abgelesen.
Die Folge startet sehr stark und kann die Spannung lange aufrecht halten, sackt zum Ende hin aber leider ab. Dann wird mir das mit den verabreichten Drogen und Spritzen irgendwie zu viel. Trotzdem freue ich mich sehr über die Rückkehr von Clarissa Franklin, die hier auch besser funktioniert als in der darauffolgenden Geschichte, "Signale aus dem Jenseits".
Streng genommen wäre ich bei 8 Punkten, aber weil mich die Folge über weite Strecken wirklich gut unterhält und es einen Bonuspunkt für Clarissa Franklin und Judy Winter gibt, lande ich bei...
9 von 10 Punkten