Bibi Blocksberg 061 – Der Flaschengeist
Alte Bewertung: 9 Punkte
„Auch Flaschengeistern hilft der Spange, behandelt sie ganz ohne Zange!“
Die drittletzte Bibi-Kassette meiner Kindheit, danach kommen noch 70 und 73. Ich bin gespannt, wie ich die Folge heute sehe, ich mochte sie als Kind sehr.
Schon der Anfang ist sehr besonders, weil Barbara einfach random das Bibi-Intro singt. Schon in der Anfangssequenz geht es um Flaschen, aber die Vorwegnahme des Folgenthemas, was man ja nicht zum ersten Mal macht, geschieht hier dezenter, nicht so platt („Ach, ich würde gern verliebt sein“ – 5 Minuten später – „Uii, ich hab gerade meine große Liebe getroffen“).
Mit den richtigen Farben bei Schulfächern hat Bibi es nicht so. Englisch lila ist richtig, aber Mathe ist blau! Schon immer gewesen! Schwarz ist für gesellschaftswissenschaftliche Fächer reserviert. Und rot ist Deutsch.
Der Fehler mit dem Namen des Sultans ist ärgerlich, wie kann sowas passieren? Wenn man schon auf die 50 verweist, dann doch bitte auch richtig!
Karla bezeichnet den Sultan als „Lustmolch“, das dürfte sie heute wohl auch nicht mehr
Flaschis Auftritt finde ich nur folgerichtig, weil in der 50 nicht geklärt wurde, was aus ihm wird. Die Geschichte braucht dann allerdings doch einige Zeit, um Fahrt aufzunehmen, dennoch ist der Dialog zwischen Bibi, Barbara, Karla und Flaschi unterhaltsam und auch Bernhard wird gut eingebunden – nach Abenteuern mit Dinos und Geisterkatern hat er einfach keinen Bock mehr und lässt die Frauen machen.
Das Telefonat mit Dr. Spange ist ein echtes Highlight, seine Ansprache ist klasse. Offenbar hat Karla ihm schon mal einen Säbelzahntiger mit Karies vorbeigebracht
Auch den Arztbesuch von Bibi bei dem vermeintlichen Dr. Spange mag ich sehr. Achim Grubel gibt einen fantastischen Bösewicht ab. Ich habe mir diese Szene als Kind oft vor meinem inneren Auge vorgestellt und schon die Erwähnung des leeren Wartezimmers hat eine gewisse leichte Beklemmung bei mir ausgelöst. Klasse, wie Bibi ihn reinlegt, gleichzeitig aber Verluste auf der Flucht macht und Flaschi nun sein Zuhause verliert.
Bibi kann immerhin einen schmerzfreien Schlaf hexen, wenn die Schmerzen schon in wachem Zustand nicht weggehext werden können. Dass sie und Barbara bei Karla Tee trinken, passt zur familiären Stimmung in der Folge. Aber Malullah kann blitzschnell improvisieren und schnappt sich einen Müllwagen. Ich finde ihn als Bösewicht wirklich richtig gut und mag auch das Gespräch mit dem ahnungslosen Bernhard sehr, deswegen stört es mich auch nicht, wie schnell Malullah immer seine Pläne umsetzen kann.
Als Malullah überlegt, bei den Blocksbergs einzubrechen, wird so richtig deutlich, dass er einer der wenigen ernsthafter gezeichneten Bösen bei Bibi ist. Das ist mal eine willkommene Abwechslung. Als Kind war ich mir auch nie so richtig sicher, ob Malullah wirklich ein Mensch ist oder doch ein anderes Wesen, wohl weil Flaschi ein Flaschengeist ist. Die Konfrontation zwischen ihm und Bibi gefällt mir, auch wenn sie etwas kurz und unspektakulär ausfällt.
„Lasst mich hier raus! Ich werde mich beim Sultan beschweren!“ finde ich ja total niedlich. Auch die Szene im Wartezimmer mit dem Mann, der Bibi für durchgeknallt hält, hat sich irgendwie bei mir eingebrannt. Janosch als etwas abgedrehter Zahnarzt sorgt dafür, dass man es gar nicht so schlimm findet, dass der eigentliche Höhepunkt der Geschichte etwas zu früh aufgelöst wurde.
„Tjaaa, da wird‘ ich wohl erstmal bohren müssen!“ – „Nein?!“ – „Boh-ren, nicht Zie-hen!“ – Ich mag den Dialog zwischen Engelbert von Nordhausen und Hans Teuscher total. Und dann die Holzhammer-Narkose

Einmal auf das kleine Knöpfchen gedrückt und schon sagt der Patient nix mehr

Ob Ulli Herzog damit Kindern die Angst vorm Zahnarzt genommen hat? Weiß ja nicht
Dass Bibi Gold hext, ist tatsächlich ein ziemlicher Kontinuitätsfehler, aber ich erkläre es mir so, dass es an und für sich wertloses Gold ist, es dient ja nur als Zahnfüllung und wird nicht so gehext, evtl. ist der materielle Wert dann eher gering.
„Die Sensationsreportage vom Flaschengeist mit Zahnschmerzen glaubt mir zwar keiner, aber auf unserer Märchenseite muss ja auch was stehen“ – Karla ist einfach mega
Die Folge stammt noch aus einer Zeit, als Fotos noch entwickelt wurden, heutzutage macht das ja kaum noch jemand… Man knipst nur noch mit dem Handy und schaut sich den Kram meistens gar nicht mehr an. Das Abschlussfoto ist ein sehr passendes Ende für die Story und es ist auch nachvollziehbar, warum Flaschi in die Wüste zurückkehrt, obwohl Bibi seine Gebieterin ist.
Am Ende bekommt man noch eine knappe Zahnputz-Anleitung. Die Moral der Geschichte wurde hier wirklich sehr schön eingearbeitet und wirkt nicht aufgedrückt. Vor allem macht sie ja nur einen Teil der Story aus, die noch mehr zu bieten hat.
Natürlich braucht die Geschichte ein Weilchen, um in Schwung zu kommen, aber es gibt den Kindheitsbonus, ich habe so viele Szenen verinnerlicht, hatte damals sehr viel Kopfkino bei einzelnen Momenten, die Sprecher sind klasse, Malullah ist ein hervorragender Bösewicht und die familiären Szenen tun ihr Übriges dazu. Ich kann nicht anders, als volle Punktzahl zu geben. Sicherlich wäre ich eher bei 8-9 Punkten, würde ich die Folge noch nicht so lange kennen und die kleinen Fehler würden mich dann wohl auch mehr stören, aber es gibt genug Gründe für mich, die Folge auch abseits dieses Aspekts noch heute zu lieben. Bibi macht mal wieder nen Punkt auf Benjamin gut. Auf die nächste Bibi-Folge bin ich ja schon extrem gespannt…
10/10
Benjamin 32:29 Bibi