Bibi Blocksberg 138 – Urlaub am See
„Absichtlich gefährlichen Unsinn hext Bibi nicht. Klar kann sie sich mal verhexen, aber das gehört eben zum Lernen dazu.“
Hm, hier kriege ich zwangsläufig ein wenig Vibes von dieser Folge mit dem nervigen Super-Detektiv Nick, deren Titel ich jetzt bereits wieder erfolgreich verdrängt habe (das sagt im Prinzip alles aus). Hoffentlich ist die hier besser.
In einer Sache wollte man sich wohl nicht wiederholen: Bibi hext hier bereits in den ersten fünf Minuten öfter als in der gesamten Nick-Folge. Bezeichnend, dass sie lieber einen ellenlangen Hexspruch spricht, anstatt innerhalb einer halben Sekunde die Schranktür eigenhändig zu schließen.
Wieso binden Bastis Eltern den Blocksbergs sofort auf die Nase, dass Basti adoptiert ist? Macht für mich keinen Sinn. Es hat keiner danach gefragt oder verwirrt geguckt, warum Basti ganz anders aussieht als seine Eltern. Das hätte man auch natürlicher machen können.
Bastis Mutter scheint eine ziemliche Helikoptermutter zu sein. Für den Moment der einzige Storyansatz – und wenn ich mir den Klappentext so ansehe… da hatte man echt Mühe, irgendeinen Kaufanreiz zu generieren.
Grundsätzlich finde ich es ganz schön, dass man sich – wenn schon nicht mehr bei Bibi & Tina – hier wieder ein wenig mehr an Ulli Herzog-Zeiten anlehnt und Bibi vor neuen Freunden ihre Fähigkeiten unter Beweis stellt, aber bei Herzogs B&T-Classics war das ein nebenbei eingeflochtenes Spaß-Element, das man gut in die eigentliche Geschichte eingebunden hat. Hier wirkt es so, als wäre das die Story. Und den Spruch mit dem „zu viel Plastik in der Natur“ hätte man sich echt sparen können.
Der Erzähler hält die Hörer für vergesslich, als der Hund wieder auftaucht, der gerade mal ein paar Minuten vorher eingeführt wurde. Ja, ich erinnere mich an den Hund. So komplex ist die Folge bislang auch wieder nicht.
20 Minuten sind rum und es ist noch absolut nichts passiert. Ziemlich überflüssiges Machwerk bis hierhin. Weder lustig, noch spannend, noch atmosphärisch oder lehrreich. Man fragt sich, wo das hinführen soll. Wenigstens wärmt man nochmal auf, dass Bibi nicht wegen ihrer Hexerei gemocht werden will. Wobei Basti und Bibi bislang eigentlich noch so gut wie keine Gespräche außerhalb dieses Themas hatten…
Dieses Gewese ums Fliegen geht mir höllisch auf die Nerven. Bibi hat schon früher mit ihren Fluggästen halsbrecherische Manöver und Loopings ohne Absturz hingelegt. Hier wird das plötzlich als DAS Spannungs-Highlight der Folge angepriesen, bei dem Bibi ganz weiche Knie bekommt. Da hatte ein Autor offensichtlich überhaupt keinen Plan, was er schreiben soll und dann kommt so was dabei raus.
Tja, damit das Ganze dann wirklich noch irgendeinen Höhepunkt hat, landen Bibi und Basti wegen eines kläffenden Hundes auf der „Landebahn“ im See und natürlich wird das von allen Eltern bemerkt. Barbaras Standpauke erinnert mich dezent an den Wutausbruch meines Klassenlehrers in der Mittelstufe, der auch nie laut werden konnte – die ganze Klasse musste sich damals zusammenreißen, keinen Lachanfall zu bekommen. Auf die Gefahr hin, es schon mal erwähnt zu haben: Ich vermisse Helgard Bruckhaus. Sehr sogar.
Nach 35 Minuten packt Bibi plötzlich ihre Bad Girl-Moves aus und sabotiert aus Rache wegen des Hexverbots ihre Mutter. Das ist dann doch tatsächlich der erste halbwegs interessante Punkt dieser „Geschichte“.
Basti wird immer unsympathischer. Schon wieder geht es ihm nur um Bibis Hexerei. Lustig finde ich den Satz des Erzählers: „Egal, wie man über Bibis Hexverbot denken mag, es sorgt auf jeden Fall für etwas Bewegung“ – Ja, in der lahmen Story
Natürlich braucht es dann auch einen Moment, in dem Barbara hexen will und es nicht schafft. Es gibt eine Invasion der Killer-Wespen! Ja gut, nicht ganz so dramatisch, aber auf jeden Fall ganz kurz davor
Renates plötzlicher Sinneswandel macht irgendwie gar keinen Sinn, auf einmal darf Bibi alles, obwohl sie Mist gebaut hat und obwohl die Sache letzte Nacht schiefgegangen ist.
Der Erzähler redet plötzlich im Präteritum, was zeigt, dass der Autor am Ende wohl auch keine Lust mehr auf seine Geschichte hatte. Ich kann’s verstehen.
Der Ansatz mit der Helikopter-Mutter (gerade bei einem adoptierten Kind) hätte einiges an Potential gehabt, dazu gab es bei „Der Lehrer“ auch mal eine Folge, wo sowohl der Adoptions- als auch der Überbesorgte Eltern-Faktor sehr viel sinnvoller verarbeitet worden ist, hier versandet das total. Man muss Renate ja keine Totgeburt-Story anhängen, das wäre für die Serie vielleicht ein wenig zu krass, aber warum dreht sich die Folge nicht darum, dass Basti sich gegen die Überfürsorge seiner Mutter mit Bibis Hilfe zur Wehr setzt? So ist es halt völlig egal, dass Basti adoptiert ist.
Das war nix. Die Folge ist größtenteils so belanglos wie der Klappentext. Alles ist viel zu brav, manche Dialoge tun richtig weh. Die Durststrecke hält leider an. Punkt für Benjamin.
2/10
Benjamin 76:62 Bibi