Rezension zur Hörspielfolge 53
„Der Superhexspruch“
(Enthält Karotten, Tanten und Spoiler!)
“Bibi, du hast einen Fünffachen gehext!“
Oder: Damals, als es noch "echte" Probleme gab...
Das Cover:
Hier mal wieder sehr schön das Phänomen, dass die Figuren auf dem Cover sich augenscheinlich „unterhalten“. Warum ist das so? Wirkt das Cover dadurch lebendiger? Ich glaube schon. Man denkt, die Szenerie wird direkt aus dem Hörspiel herausgemalt und tjaja… ein wenig neugierig macht es wohl auch. Worum geht es bei den beiden Hexen? Wieso hat Tante Amanda den deutschen Zeigefinger erhoben? Warum sind da Hoppelhäschen auf dem Bild, von denen eins eine Sonnenbrille trägt? Geht es vielleicht um gerade diese Karnickel? Sind sie in den Superhexspruch, in den es ja laut Titel geht, involviert? Wie viel Karotten frisst ein Hase am Tag? Und warum hatte ich als Kind nie ein Häschen, aber alle anderen schon?! Fragen über Fragen…
Also echt geschickt gewählt, das Cover.
Zur Geschichte + meine bescheidene Meinung:
Diese Folge ist tatsächlich eine der sehr wenigen alten Folgen, die ich so gut wie gar nicht kenne. Ich habe diese mal als Zeichentrick im TV gesehen und dann wanderte eine CD mit dieser Geschichte in meinen Rekorder- allerdings war diese kaputt. Tja… und irgendwie kam es dann, dass ich diese Story nie wirklich als Hörspiel erlebt habe.
Bis jetzt.
Denn nun ist Schluss mit dem Gefühl, innerlich völlig 53-er-leer zu sein! Nun ist die Zeit gekommen, sich dem zu stellen!
Und ich lausche einem freudigen „Bibi Blocksberg, du kleine Hexe… trallalalaa… was schwarz ist hext sie weiß… was braun ist wird…“ usw…
Die Geschichte beginnt mit einer schreibenden Bibi, die gerade versucht sich Wörter aus den Fingern zu saugen. Ihr kennt das bestimmt noch aus der Schulzeit. Man hat so keinen Bock auf Hausaufgaben, krickelt Unbrauchbares in das Heft und hofft inständig, dass der Pauker einen am nächsten Morgen nicht dran nimmt, obwohl der Schweinehund gerade SO drauf ist, dass er eben immer die aufruft, die sich NICHT melden…
Schicksal.
Aber Bibi hockt gar nicht in der Penne, sondern schreibt einen Brief an ihre Barbara-Mami:
Liebe Mami,
mir geht es gut. Papi auch. Der blättert gerade in der BILD und grinst. Keine Ahnung, was der da wieder entdeckt hat. Wie geht es dir? Das Wetter bei uns ist schön. Hast du auch gutes Wetter? Ich schon. Papis Gesicht hat ebenfalls gutes Wetter-“
Doch Bibi bricht plötzlich ab. Denn Briefeschreiben ist mega-out. Sie jammert herum und fragt Papi, ob sie Mama nicht ne Whats-App-Nachricht schreiben kann. Aber der ist strikt dagegen. Sie hatten ja schließlich ausgemacht, dass Whats App kein viertes Familienmitglied werden wird. Auch wenn das in einigen Familien heutzutage anders aussieht, bei den Blocksbergs gibt’s das nicht, klaro?! Sie sind schließlich ganz normale Leute.
Ui…UI! Der alte Erzähler! Nottke! Ach was ist es schön, dein wohlklingendes Stimmchen mal wieder zu hören! Das gibt gleich einen Pluspunkt in der B-Note!
So… aber jetzt hext Bibi erst einmal heimlich den Brief geschrieben. Das bekommt Papa Blocksberg aber nicht mit. Seine Gier-Äuglein ruhen im Moment vorne auf der BILD-Zeitungsseite und das macht ihn ganz sprachlos…
Schließlich tauschen die beiden sich doch über böse Bürgermeister und Polizeimenschen aus, die Dinge ein- und ausführen wollen. Zum Beispiel soll der schulfreie Sonnabend gestrichen werden. Oh no! Das ist das Werk des Teufels! Ich kann Bibi schon verstehen. Als Kind war mir der Begriff Sonnabend stets fremd (ich dachte immer, das wäre ein anderes Wort für Sonntag und war entsprechend verwirrt). Jetzt finde ich es aber berauschend erfrischend, dass so eine alte Folge noch Charme hat und mit Stadtbewohner-Problemen spielt. Nice!
Nun regt Bernhard Blocksberg sich zurecht über die Missstände in Neustadts Gesellschaftsleben auf und mag nebenbei ein paar Zeilen an Barbara schreiben. Dabei weht ihm ein dezent geschwollener Duft von Schwefel in das Büro-Näschen. Irgendwie findet er aber einen Weg zum Papier durch den dichten Nebel und formt gekonnt aus Buchstabenreihen sinnvolle Worte (, wenn es auch in anderen Dingen rechtschreibmäßig bei ihm hapert...).
“Liebe Barbara, wie geht es dir mir geht es gut ich denke an dich habe gerade was in der BILD gesehen wir sollten uns mal unterhalten da kann man als Frau doch was machen was dem Mann gefällt ich denke du verstehst. Dein Berni-Bär.“
Bibi guckt zu, wie ihr Papi den Brief hastig verkuvertisiert und die Lieblingsaufgabe aller Briefeschreiber tätigt: Die Briefmarke anlecken und aufkleben, mhhhhhhhh!
Bibi macht sich nun auf die Socken und trifft sich mit dem Schüler-Rat, auch genannt DIE FREUNDE, in der Eisdiele. Bibi ist kackfrech und hext einfach Eis. Die Verkäuferin beschwert sich, aber das ist der Hexe schnurz. In anderen Folgen bekommt Bibi dafür Hexverbot oder Internat-Stunden aufgebrummt. Aber heute ist ja Sonnabend. Heute wird schülerratisiert. Da packen wir Stadtproblemchen am Schopf.
Der Zahnspangen-Rat quatscht beim Eis herum und überlegt, was so zutun ist, damit Bibi am Ende der Geschichte wieder als Heldin dasteht. Sie kommen auf die Idee, Karla einzuschalten, was Papi am nächsten Morgen einen sündhaft sündigen Artikel beschert.
Kurz darauf kommt ein Besen von Barbara mit einer Brief-Antwort. Barbara befiehlt ihrem Mann, Beruhigungstee zu saufen und ihrer Tochter, dass sie die Sonnabend-Schultüte packt. Manche Dinge lassen sich einfach nicht ändern. Punktum.
Nein, natürlich nicht… Mami ist so nett wie immer!
Aber da sie eben gerade kur-technisch völlig abwesend ist, schmeißt sich Tante Amanda ins blocksberg’sche Getümmel. Bernhard ist überrascht und versteckt schnell die Antwort von Barbara an ihm und freut sich dann bärgrinsend, dass Amanda als Babysitter für die beiden eingeteilt wurde. Alles gut.
Amanda hat sowieso nichts Besseres zu tun.
Derweil switchen wir ins Rathaus, wo der Bürgermeister, Karla und Pichler eine äußert intelligente Unterhaltung führen. Und das meine ich jetzt einmal ohne jeden Sarkasmus.
Im Gegensatz zu den neueren Folgen erlebt der Hörer hier noch echt gute Dialoge. Und für die Gesamtfolge gesehen auch echt gute Story-Ideen. Es geht nicht darum, ein Findel-Kätzchen dem Besitzer zuzuordnen oder andere popelige Anti-Stories. Es geht um theoretisch echte Probleme, eingebettet in passende wie gelungene Dialog-Häppchen.
Warum die Folge nun „Der Superhexspruch“ heißt und nicht anders, wird in der darauffolgenden nett konstruierten Szene deutlich, in der Bibi und ihr Oberfreunde-Rat im Rathaus den gewissen Herren gegenüberstehen, die blöde Sachen mit Ampeln, Ladenverbot und Anti-Schulfreie-Tage auf dem Kerbholz haben wollen. Da schmettert unsere Lieblingshexe einen Fünffach-Hexenspruch heraus- gewohnt Alt-Folgen-frech, echt supi!
Am Ende werden die Männer in Mümmelhasen verhext und Bibi ist fix und foxi.
Und hier zeigt sich mal wieder, um was es in der Bibi Blocksberg-Welt geht: um Hexerei eben.
Denn in den alten Folgen werden noch charakterstarke Ideen eingebracht, die sich um die Hexerei selbst drehen und sogleich die Figuren betont lassen: hier hören wir, dass die Hexkraft für eine Weile versiegen kann und zugleich bleiben die Hoppelhasen als Thema erhalten, während Karla, Amanda und andere Nebenfiguren powern. DAS ist das, was die alten Folgen ausmacht...
Nun, die Folge findet noch ihre weiteren tollen Momente und glänzt mit einem runden Ende. Ein Hörspiel ganz im Zeichen der guten alten Zeit, das ich jetzt erstmals ganz gehört habe und es gerne wieder tun werde.
“Highlights“:
- Bernhard ist super! („Was mein Kind aufregt, regt auch mich auf!“)
- Karlas Artikel
- Der Bürgermeister sitzt im Rathaus und „bürgermeistert“
- Pichler bringt Karla auf den Müll (also eigentlich den Artikel)
- „Tut verhexen weh?“ „Sag ich Ihnen nicht!“ (genial!)
- „Bibi, komm doch mal her.“ „Kann nicht, bin krank.“ „Du kannst nur nicht hexen und das ist das gesündeste, was es gibt, also komm her!“ (Bernhard ist einfach super, wie gesagt)
- „Wo würden Sie als Bürgermeister-Hase zuerst hinhoppeln?“
- Der Hase, der in der Bibliothek sitzt und „Die Wahrheit über den Osterhasen“ liest
- Die sprechenden Hasen, die Mohrrüben verlangen
- Bernhard macht den Hasen eine Ansage
Fazit:
Eine rundum gute Sache, tolle Dialoge, super Ideen, Humor und der Charakter vergangener brillanter Geschichten. Was will hase mehr?!
Bewertung
9 von 10 Punkten