Rezension zur Hörspielfolge 124
„im Tante Emma Laden“
(Enthält Spoiler und unerhörten Sarkasmus!)
„Herrlich, das ist ja wie bei Tante Emma persönlich!“
Oder: Schmeicheleien hinter der Verkaufstheke- aber nicht mit Shoppingqueen Benjamin!
Das Coverbild:
Schön bunt und recht gemütlich. Tante Emma hätte ihre Freude daran.
Zur Geschichte + Meine Meinung:
Benjamin Naschelefant eröffnet die Folge mit einer spektakulären Sammeljagd nach wilden Beeren im Neustädter Forst. Verwilderte Him- und Heidelbeeren werden von ihm, seinen treuen Jagdbrüdern Otto und Stello sowie einer selbst recht verwilderten Karla Kolumna mit scharfgeladener Kamera jagdscheinverpflichtendgleich in ihre selbst mitgebrachten Körbe gelegt oder eben sofort verputzt. Bald sind alle Körbchen voll und Himbeer-Otto mag nicht mehr sammeln, genau wie Stachelbeer-Stella. Außerdem kommt da gerade ein auf Stella ausgerichteter Bienenschwarm angesummt, der unsere Lady in Black ins Bockshorn jagen will. (Recht so, Bienchen!)
Komisch, dabei geht es in der Folge kein bisschen ums Jagen. Nicht mal um Beeren. Na gut. Ein bisschen schon.
Nee, eigentlich geht es ums Essen und um das Verkaufen desselbigen.
So locken die schwärmigen Majas und Willis unsere vier Hörspielhelden des Töröööistischen Hörgenusses also zu Imker Immelmann, der von einer super dollen Ernte, aber echt miesepetrigen Bauern berichtet. Warum, werdet ihr euch nun fragen. Ganz einfach: Wenns ne gute Ernte gibt, heißt das, dass… dass… dass es genug zu essen gibt. Toll, oder?
Na ja, aber der Imker erklärt sumsegleich wie das so ist bei den Bauern: „Die können nicht so schnell verkaufen, wie sie ernten.“
Tragisch tragisch. Deshalb muss natürlich Benjamin Alleskönn-Elefant wieder ran. Wundert in dieser Phase des Hörspiels echt keinen mehr. „Sie brauchen jemanden, der das macht blablabla… Aber WIR können das doch machen blablabla“, „Ach, wirklichbla?“ „Klar, wir können dasblabla…“, „Na, das wäre ja fantastischbla…“
Es ist IMMER dasselbe. (Aber irgendwo auch beruhigend, oder? Ich mein… man kennt die Folge nicht, glaubt aber trotzdem, sie zu kennen. Dieses Vertrautheitsgefühl legt sich wie ein riesiges Elefantenschlappohr um meine viel zu kalten Füße in diesem zu kühlen Herbst. Herrlich.)
Weil Tante Benjamin sich jetzt also des Verkäufer-Seins verschworen hat, braucht er erst mal einen Laden zum späteren Feilbieten seiner mannsköstlichen Ware. Ist ja klar. Also studiert er mit OttoStellaKarla, also Otstarla, das Neustädter Tante Emma-Laden-Verkaufs-Blatt. Sie durchforsten mehrere Kleinanzeigen. Aber nee… auf dem Schrottplatz kann man vielleicht nicht GANZ so gut verkaufen. Luxusschuppen sind jetzt auch nicht sooo das Weiße vom Eigelb. Aber Moment- DAS ist es!
"Schmucker kleiner Laden in belebter Seitenstraße / Nähe Marktplatz" weckt ihr eingestaubtes Interesse, das noch ein bisschen von den Bienen summt, die der Imker ihnen händewedelnd hinterhergejagt hat, damit… Ach, tschuldigung. Vom Jagen reden wir ja gar nicht mehr. Pardon.
Jedenfalls möchte Benjamin sich dieses Objekt seiner Immobilienträume natürlich sofort unter den nicht vorhandenen Daumennagel reißen und will.das.aba.sofort.haben! Also ruft Karla mit ihrem Handy (jaaahaa, sowas hat die!) bei einem netten Mann an und Benjamin kann mit Otstarla die Räumlichkeiten natürlich sofort besichtigen. Sprechelefanten-Bonus, wisst schon, ne?!
Bei ihrer Besichtigung sind alle mega gespannt, wie
Meister Eders Werkstatt der Tante Emma Laden denn nur aussieht. Stella findet alles ein bisschen staubig, aber Otto, der alte Angeber, macht einen auf
Bob der Baumeister Handwerker und weiß natürlich, wie man alles wieder fertig bastelt und so. Doofkopp.
Dann passiert etwas Entscheidendes: Im Laden direkt nebenan, müssen die vier völlig von der Rolle feststellen, gibt es NOCH einen Lebensmittelgeschäft (fail!). Und der ist nicht von irgendeinem Herr Lebensmittel, nein, auch nicht von Frau Theke, sondern von
dem einzig wahren, dem schmeichelhaftesten, dem großen bösen ultraschleimigen, dem Giganten unter den Verkaufsgenies, dem Albert Einstein des Geschäftsalgebras, dem TYP überhaupt-
Tädäää- Herr Schmeichler.
Der ist nämlich von Wohnung auf Computer und dann auf Gurke umgestiegen. (Und damit steigt Ihre Karrierekurve von 10 auf 100%! Glückwunsch, Sie sind ein Gewinnertyp!)
Fühlt sich wohl jetzt ziemlich nützlich in Neustadt, der Gute. Geht so als feiner Geschäftsmann herum und macht auf kumplig nett. Sogar bei Benjamin ist er freundlich und wird erst wieder Schmeichler-like, als er erfährt, dass neben seinem Lebensmittelgeschäft noch ein Lebensmittelgeschäft aufmacht.
Da platzt ihm nämlich MAL ORDENTLICH der schief sitzende Kragen, jawohl!
„Ihr Laden wird ein Reinfall!“, prophezeit er und verschwindet mit Ärger auf der Stirn aus dem kleinen Laden, der noch ÜBERHAUPT nix bietet, den er aber schon als Konkurrenz ansieht. (Glückwunsch, Sie sind hart im Nehmen!)
Der Schmeichler wütet nun also Brüllaffengleich durch die Folge und macht unseren Ein-Liter-Milch-für-79-Cent-Helden das Verkaufsleben schwer.
Dass er damit die kleinen Ottos und Stellas dieser Welt vielleicht erschreckt, die danach womöglich NIE wieder in irgendeine Art Geschäftswelt eintreten wollen, ist dem Guten echt mal schnuppe. (Glückwunsch, Sie sind frei von schlechtem Gewissen! Sie sind ein Bösewicht der Superlative! Sie dürfen nun in ihr Bad-Mobil steigen und ihrem Schlechtsein-Ego frönen.)
Schmeichler ist aber auch ein Hund, Menschenskinder! Da lässt er sich echt ein paar krumme Dinger einfallen, die das Ohr zum entsetzten Protest bewegen, sodass jede alte Tante Emma wettern würde: „So geht das aber nicht, Jung‘!“
Am „tollsten“ (man beachte die „Gänsefüßchen“, hehe) ist ja die Idee vom Schmeichelhein das Laden-Verkaufsschild zu manipulieren und die Kommas wegzuschmieren. Dann verkaufen Benjamin und seine unbezahlten Praktikanten (achso: Kinderarbeit findet sich hier auch wieder, nur, damit ihrs wisst und gewarnt seid)
dann mal eben zehn Eier für 179 € statt für 1,79 €. Und die Kunden glauben das auch noch. (Eine Tischplatte. Mein Kopf. Dann machts bumm. Aua…
…Sorry. Ich wusste sonst nicht wohin mit meinem „Gibt’s doch gar nicht“-Gedanken.)
Ansonsten also alles recht… na ja, wie soll ich sagen: Zum einen dachte ich, wurde die Bibi-Supermarkt-Atmosphäre ziemlich ähnlich wieder eingefangen und gewisse Parallelen sind sogar vorhanden. Dann war mir der Schmeichel-Typ echt zu unböse. Der Bürgermeister wäre definitiv böser gewesen. Und Hinki und Pinki wären witziger gewesen (jaha, ihr mögt die nicht. Aber ich und ich hätt‘ sie hier toller gefunden als Mr Schmeichel-mich-zu-nett-durch-die-Dreiviertelstunde!).
Trotzdem- nervig ist der gute Mann jetzt nicht. Passt auch ganz okay-haft in diese Folge.
Was ich
schade finde ist die Tatsache, dass Tante Emma an sich ziemlich blass in der letzten verstaubten Ecke verkümmert. Soll heißen:
Es wird nichts dazu gesagt, was nun ein Tante Emma Laden ist, warum er vielleicht schöner als ein großer Supermarkt ist usw. Warum nicht? Gerade für die Kleinen wäre das doch mal eine Info wert gewesen.
Zudem hat mich die Folge jetzt keins meiner beiden aufmerksamen Ohren in einen Freudentanz verfallen lassen. Irgendwie alles doch zu „schonmalgehört“ig. Ein paar kleine Schmunzler sind da, echt. Aber ich hatte gehofft, dass die Folge um einiges gemütlicher ist. Und das Ende- ja, menno… das hat man doch nun auch schon SO oft gehört!
Gut hat mir der Erzähler gefallen. Der hatte ein paar nette Momente, wo er recht lebendig war. Benjamin hab ich aber auch schon mal rundum Benjaminiger erlebt. Karla ist natürlich gewohnt top. Stella stellat sich so durch und ergänzt Ottos Sätze oder umgekehrt. Und Otto nervt wie immer.
Nun, ich bin mit großen Erwartungen rangegangen und will jetzt auch nicht im Übermaße meckern. Ich bin auch nicht enttäuscht. Die Folge ist nicht schlecht.
Aber auch keine saftige Tomate zwischen einer Reihe aus sauren Gurken.
Einfach nur ganz gut.
Highlights:
-
Karla: „Ich glaube wirklich nicht, dass viele Leute zum Shoppen in den Wald gehen.“
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Stella: „Aber es ist alles ganz schön verstaubt.“
Karla: „Ach was. Ein bisschen putzi putzi und alles blinkt und blitzt wie neu…“
-
Karla: (über die Sache mit dem Computer)„Das war auch so eine verschmeichelte Schmeichelei.“
- Karla bringt die Regale im Laden zum Einstürzen
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Otto: (über Schmeichler zu Benjamin) „Lass dich bloß nicht wieder von ihm einwickeln!“
Benjamin: (zu Schmeichler) „Hören Sie auf damit!“
Schmeichler: „Womit?“
Benjamin: „Mit der Einwickelei!“
- Schmeichler wird sauer:
Benjamin: „Eben haben Sie noch gesagt, Sie finden es gut, dass Leben in die Nachbarbude kommt.“
Schmeichler: „Da wusste ich auch noch nicht, was Sie hier für einen Komplott schmieden!“
Benjamin: „Kompott? Verkaufen wir gar nicht. Nur frisches Obst.“
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Karla: „Was hat Ihnen denn die Petersilie verhagelt?“
Benjamin: „Der Petersilie geht’s gut. Nur will sie keiner kaufen.“
- Otto & Stella werden fotografiert und sollen lächeln (Ehrlich, ihr sucht ein gruseliges Geräusch? Hier ist es!)
- Benjamins Angebot: 10 Eier für 179 €, eine
Kundin: „Dafür kann man sich ja ein Fahrrad kaufen!“
-
Schmeichler: „Diese Anschuldigung verbitte ich mir!“
Benjamin: „Verbittern Sie sich ruhig.“
Die Figuren:
Benjamin: Macht manchmal seltsam “Törööö”
Otto: Wie man ihn eben kennt…
Stella: Hat ein Dauergrinsen im Gesicht, was man bei ihren „tollen“ Sprecheinsätzen hört und das nach ner Weile echt ein bisschen nervig wird
Imker: Mit seiner Bösewicht-Stimme irgendwie fehlbesetzt, fand mein Ohr. Als Charakter aber ganz in Ordnung
Karla Kolumna: Sensationell
Schmeichler: Na ja…
Fazit:
Sehr durchwachsen. Eher „okay“ als alles andere. Hat mich einfach nicht vom Hocker gerissen.
War ganz nett, ja, aber weder super neu im Ideen- noch super aufregend im Spannungsbereich.
Bewertung
6 von 10 Pkt.