Benjamin Blümchen 119 – als Busfahrer
„Heute waren Sie so pünktlich, Herr Blümchen, da hab‘ ich glatt den Bus verpasst!“
Die Folge kenne ich auch schon und sie blieb mir durchaus positiv in Erinnerung. Es wird nach einer so langen Durststrecke auch mal wieder Zeit, dass Benjamin abliefert.
Neustadt ist schon irgendwie ein witziges Städtchen. Wenn ein Schulbusfahrer krank ist, bricht gleich das ganze System zusammen und die Schule fällt aus. Ich hoffe, da braucht nie jemand einen Krankenwagen, wenn der Notarzt krank ist…
„Und das ist total schade. Wir machen gerade so spannende Sachen im Unterricht.“ - Otto, dein Ernst? Kannst du nicht mal ein ganz normales Kind sein?
Und keine 30 Sekunden später ist klar: Da muss Benjamin ran.
Nachdem Otto und Stella zur Abwechslung mal positiv über Benjamin geredet haben (aber halt auch nur, weil sie unbedingt zur Schule wollen, aus welchem Grund auch immer), bricht Frau Lilienbeins Widerstandskraft zusammen.
Hauptsache: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit!
Als die Freunde dann am Bus stehen, ist die Dialogführung mal wieder sehr bescheiden. Der Erzähler erläutert, dass es einen Eingang vorne und einen Ausgang hinten gibt – wow. Also ich bin auch schon öfter vorne wieder ausgestiegen

Benjamin will wissen, wie man in den Bus reinkommt und Otto ganz scharfsinnig: „Die Tür kann man bestimmt aufschließen!“ – What, Tür und aufschließen? Nee!
Als die Tür sich dann tatsächlich öffnet, kommentiert er das auch noch überflüssigerweise mit: „Die Tür ist offen!“ – Zugegeben, bei Kiddinx funktioniert es auch, dass zwei Schüler einen Schrank komplett geräuschlos von A nach B schieben, von daher vielleicht einfach ein vorbeugender Kommentar, falls der Ton nachher wieder schlampig arbeitet.
Die Betriebsfahrt ist dann ganz unterhaltsam. Es wird wenigstens ein bisschen darauf eingegangen, was ein Busfahrer beachten muss. Hier wird bereits zart angedeutet, dass es mit dem Scheidungskind Mia wieder ein bisschen mehr Tiefgang gibt. Selten, dass ein Kind sich nicht freut, Benjamin zu sehen
Stella mal wieder sehr sympathisch auf Benjamins Anmerkung, dass Otto und sie früher aufstehen müssen, wenn sie bei der Busfahrt morgens dabei sein wollen: „Jaja. Was tun wir nicht alles für unseren Benjamin…“ Nett!
Natürlich geht am nächsten Morgen aber nicht alles glatt. Das mit der Umleitung ist eine gute Idee, die zum Beruf passt. Normalerweise sollte man so was vorher wissen, aber hier ist es für die Dramaturgie natürlich besser so. Lustig, wie Schoß einen auf Nottke macht und plötzlich von seiner Tante Gisela redet, zu der er neulich 15 Minuten länger gebraucht hat als sonst

Immerhin sieht er selber ein, dass das niemanden interessiert.
Eines muss man der Folge lassen: Sie kaschiert es gar nicht so schlecht, dass nur drei Kinder im Bus mitfahren. Aber wenn Benjamin an jeder Haltestelle eine Plauderstunde abhält, ist es kein Wunder, dass er die Viertelstunde nicht aufholt
Zum zweiten Mal wird das Ballonfahrer-Lied recycelt. Ich hatte auf „Die Räder im Bus“ gehofft, das Lied finde ich sogar ganz cool.
Mit der Drohung von Frau Lilienbein lehnt man sich natürlich stark an die Schulfolge an, aber diese hier ist so eigenständig, dass ich das sogar eher positiv sehe.
Frau Kolumna verpasst den Bus, weil er pünktlich ist

Sehr geile unterschwellige Kritik!
Dass Benjamin einfach nach Mia sucht, bevor er die Kinder zur Schule bringt, finde ich unter den gegebenen Umständen nicht so gut. Wenn ein Kind den Bus verpasst, ist es halt so – Punkt. Es ist ja nicht so, dass jemand gesehen hat, wie sie weggelaufen ist.
Die Szene auf dem Feldweg habe ich als besser in Erinnerung als sie tatsächlich ist, Mias Tränenausbruch kommt leider arg gekünstelt herüber und man hört, dass Stoepel schon damals kein Schulkind mehr war. Das Gespräch ist längst nicht so tiefgründig wie es sein könnte.
Das Ende ist natürlich auch sehr schnulzig, aber das muss wohl so

Gut finde ich, dass man nicht auf Krampf eine Familienzusammenführung einbaut und die Scheidung aus heiterem Himmel nichtig wird.
Insgesamt nach so vielen Rohrkrepierern endlich mal wieder eine sehr stabile Folge. Unter den neuen Folgen wäre es für mich eine 8, insgesamt reicht es für eine 7. Ein paar Sprecher mehr, etwas mehr Tiefgang und auch etwas mehr Fokus auf die Busfahrt an sich, dann wären es mehr Punkte, trotzdem keine schlechte Folge, sie hat durchaus Spaß gemacht. Vielleicht endlich mal wieder eine Herausforderung für Bibi.
7/10