Folge 2 führt das fort, womit in der ersten Folge begonnen wurde: Es werden neue Charaktere eingeführt, nämlich Nele und ihre Mutter Patrizia, das stereotype "Mean Girl" Saskia und die Lehrerin Frau Sander, die verdächtig nach der Kundin im Supermarkt aus Folge 1 klingt
Nele wird dabei im Vergleich zu Kira deutlich stereotypisch "mädchenhafter" dargestellt, mit Vorliebe für Make-Up und Jungs. Saskia schlägt in eine ähnliche Kerbe, will von Nele aber nichts wissen. Vielleicht sind sie sich zu ähnlich?
Die folgende Geschichte legt die Vermutung zumindest nahe, denn -
Achtung, Spoiler - es stellt sich heraus, dass beide Mädchen online eine "interessantere" Version ihres Lebens vorgaukeln. Die eine schmückt eine Zufallsbegegnung mit einem Popstar zu einer Einladung zum Musikvideodreh aus (Diese Lüge hat aber so kurze Beine! Das muss ihr doch klar sein!) und die andere faked ihre Urlaubsfotos - sogar ganz professionell in einem Fotostudio
Als Kira dahinterkommt, will sie ihre neue Freundin nicht gleich verpfeifen, aber für sie lügen will sie auch nicht. Irgendwie hätte ich mir an dieser Stelle die Auseinandersetzung zwischen den beiden ein klein wenig heftiger gewünscht, so dass die Emotionen wirklich hochkochen. Kira erzählt zwar, dass Nele auf sie wütend ist, aber es klang für mich eher so, als wäre sie verzweifelt, nicht verärgert. Da hat es zwischen Wendy und Vanessa schon deutlich heftiger geknallt.
Die Szene in der alten Uhrenfabrik fand ich an sich gut umgesetzt, aber Kiras total entspannte Erzählpassagen dazwischen haben für mich die Dramatik der Situation total untergraben. Schade.
Nachdem man in der ersten Folge zwischen Kira und Lars noch eine Romanze im Anfangsstadium hätte vermuten können, wird hier ganz klar gemacht: Die beiden haben eine Bruder-Schwester-Dynamik. Stattdessen wird wieder eine mögliche Romanze zwischen Laura und Kiras Vater angedeutet. Ich habe seinen Namen tatsächlich schon wieder vergessen, so eine kleine Rolle spielt er in den Folgen. Bisher hat er auf mich auch noch keinen nennenswerten Eindruck gemacht, außer, dass er es nicht schafft, dafür zu sorgen, dass seine Tochter am ersten Tag in der neuen Schule pünktlich ist. Ich hoffe, da tut sich noch was.
Yvonne Greitzke ist wieder super, auch Marco Eßer hat mir gut gefallen. Ich muss mich an Nele glaube ich erst noch gewöhnen. Ich finde, ihre Stimme verschwimmt ein bisschen zu sehr mit den anderen Mädchen aus der Klasse. Alice Bauer als Saskia hatte Momente, in denen mich ihr Duktus und ihre Betonungen an eine junge Ulrike Stürzbecher erinnert haben. Nicht wirklich vom Klang, aber vom "Vibe".
Die Themen Social Media, Fake News und Gruppendynamiken in der Schule sind recht gut in die Geschichte integriert und auch klar und anschaulich für die Zielgruppe beleuchtet. Definitiv ein Hörspiel mit Bildungsauftrag, aber nicht mit einem erhobenen Zeigefinger wie bei "Der Klimawettbewerb" von Bibi Blocksberg. Trotzdem fehlt mir noch so ein bisschen die Würze, die mich beim Hören wirklich fesselt. Als "Slice-of-Life"-Geschichte funktioniert die Folge aber gut.
8 von 10 Punkten